Sorge um Krankenhaus Schleiz: „In Nähe von A9 und Schleizer Dreieck gehört Klinik“

Schleiz.  Viele Gerüchte kursieren um das Kreiskrankenhaus Schleiz. Bevor das Sanierungskonzept vorgestellt wird, fordern nicht nur Kommunalpolitiker den Erhalt des Krankenhauses.

Der Eingangsbereich des Kreiskrankenhauses Schleiz. Das Foto entstand bereits 2019.

Der Eingangsbereich des Kreiskrankenhauses Schleiz. Das Foto entstand bereits 2019.

Foto: Peter Cissek

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In Schleiz wächst die Sorge um das Kreiskrankenhaus. In der Stadt kursieren Gerüchte, die von der Schließung der Geburtsstation bis zur Komplettschließung reichen, auch dass medizinisches Personal ins Mutterhaus nach Greiz abgeworben werde. Was sagen der Geschäftsführer und die Aufsichtsratsvorsitzende und weshalb erachten Personen des öffentlichen Lebens aus der Region den Erhalt des medizinischen Angebots in Schleiz für äußerst wichtig?

Mitarbeiter und Kommunalpolitiker fühlen sich ohnmächtig

Nicht nur Mitarbeiter, auch zahlreiche Kommunalpolitiker wie der Schleizer Bürgermeister Marko Bias (CDU) fühlen sich ohnmächtig. Denn die Entscheidungen werden ohne sie getroffen. Das laut Internetseite 120 Betten und 230 Mitarbeiter zählende Schleizer Hospital ist eine Tochtergesellschaft der Kreiskrankenhaus Greiz GmbH. Alleiniger Gesellschafter ist der Landkreis Greiz.

„Belastbare Aussagen zur Zukunft der Häuser in Greiz und Schleiz sind erst nach dem Vorliegen des Sanierungskonzeptes am 31. Januar machbar. Erst nach dessen Analyse und Auswertung werden sich Geschäftsführung und Aufsichtsrat öffentlich zur Gesamtsituation äußern“, teilt Geschäftsführer Ralf Delker per E-Mail auf Anfrage mit.

Die Greizer Landrätin und Aufsichtsratsvorsitzende Martina Schweinsburg (CDU) ergänzt: „Wir haben Verständnis dafür, dass sich insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Standorte Sorgen um ihre Zukunft machen. Wir bitten deswegen um Geduld, denn Spekulationen bringen uns jetzt überhaupt nicht weiter, sondern tragen nur zur weiteren Verunsicherung bei. Unser klares Ziel ist es, in Schleiz und Greiz eine gute Gesundheitsversorgung zu erhalten.“

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Für Erstversorgung nach Verkehrsunfällen wichtig

Der Schleizer Landrat Thomas Fügmann (CDU) führe intensive Gespräche mit den Klinikleitungen in Greiz und Saalfeld sowie mit beiden Landräten, die Aufsichtsratsvorsitzende der Krankenhausgesellschaften sind. Da Vertraulichkeit vereinbart wurde, dürfe er zum Inhalt nichts sagen, erklärte Fügmann.

Der Schleizer Bürgermeister Marko Bias fordert den Fortbestand der Klinik. „Das Krankenhaus hat einen anerkannten Versorgungsauftrag in der Akut- und Grundversorgung. Das hat auch unsere Landesregierung anerkannt und mit einem finanziellen Zuschuss im Jahr 2019 bestätigt. Wir haben im Umfeld viele alte Menschen mit chronischen Krankheiten, die hier eine gute Versorgung bei kurzen Wegen und guter Infrastruktur bekommen“, sagt er und nennt weitere Gründe für den Erhalt: „Es gibt eine wichtige Unfallchirurgie zur Erstversorgung bei Verkehrsunfällen, Sportunfällen und nicht zuletzt bei Veranstaltungen auf dem Schleizer Dreieck oder der SMS in Saalburg. Dazu kommt eine Intensivtherapie auf hohem technischem Niveau. Nicht zuletzt ist unser Krankenhaus die einzige Geburtsstation im Saale-Orla-Kreis“, so Bias.

Marco Seidel: Krankenhausausschuss unverzüglich einberufen

„Es ist für uns ein unheimlicher Pluspunkt bei den Rennveranstaltungen, dass das Krankenhaus in unmittelbarer Nähe liegt. Zumindest für eine schnelle erste Behandlung ist das Krankenhaus für unsere Veranstaltungen wichtig und macht die Arbeit der beteiligten Ärzte und Sanitäter an der Strecke einfacher. Die Versorgung und, falls notwendig, die Verlegungen in Spezialkliniken funktioniert meines Wissens gut“, sagt Achim Strauss, Sprecher des Motorsportclubs Schleizer Dreieck. Er gibt zu bedenken, dass die ärztliche Versorgung auch ein Argument für oder gegen eine Stadt oder Region darstellt.

Das sieht auch Marco Seidel, der parteilose Bürgermeister von Tanna, der für die FDP im Kreistag sitzt, ähnlich. „Der Krankenhausstandort Schleiz ist elementar für die Menschen im Saale-Orla-Kreis und alle Gäste. Seit Jahrzehnten kamen neben vielen Babys auch unsere drei Kinder hier im Krankenhaus zur Welt. Meine Frau und unsere Jungs wurden hier hervorragend betreut. Eine tolle Station mit superlieben Hebammen, Ärzten und Schwestern.

Allein die Autobahn 9 mit ihren zigtausend Durchreisenden jeden Tag war schon oft Unfallort und die Unfallopfer wurden auf kürzestem Weg ins Schleizer Krankenhaus gebracht, hier versorgt und wieder gesund gepflegt“, erklärt Seidel. Er frage sich, wie junge Familien hier sesshaft werden sollen, wenn das nächste Krankenhaus 45 Minuten entfernt liege. „Der Standort Schleiz ist unabdingbar für die Gewährleistung der medizinischen Versorgung unseres Landkreises und auch kann und darf man sich der Verantwortung für viele langjährige Beschäftigte der Region nicht entziehen. Hier sollten schnellstmöglich alle Entscheidungsträger an einen Tisch. Bestenfalls auch mit Hilfe der Landesregierung. Der Landrat muss unverzüglich den Krankenhausausschuss einberufen oder neu bilden“, fordert Seidel.

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