FDP-Vorschlag: Schleizer Krankenhaus als Außenstelle der Uni-Klinik

Schleiz.  Das Schleizer FDP-Mitglied Felix Schaum würde das Schleizer Krankenhaus gerne als Außenstelle der Uniklinik Jena sehen.

Der Finanzberater Felix Schaum (FDP) hält eine Investition in den Krankenhausstandort Schleiz auch wirtschaftlich für sinnvoll.

Der Finanzberater Felix Schaum (FDP) hält eine Investition in den Krankenhausstandort Schleiz auch wirtschaftlich für sinnvoll.

Foto: Oliver Nowak

Das Schleizer FDP-Mitglied Felix Schaum hat zwar kein Mandat inne, dennoch will er sich politisch beim Thema um das Schleizer Krankenhaus nicht zurückhalten. „Eine gute Regelversorgung im Schleizer Krankenhaus ist nicht nur für die Menschen überaus wichtig, sondern auch ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht, wie das Schleizer Krankenhaus zu retten und gegebenenfalls medizinisch ausgebaut werden könnte, damit es auch wirtschaftlich gestärkt wird“, sagt der Finanzberater und ehemalige FDP-Landtags-Direktkandidat. Denn ohne Krankenhaus sei eine Region unattraktiv für junge Familien und Arbeiter. Ohne Arbeiter ist eine Region unattraktiv für Industrie und Unternehmen.

Starker politischer Wille ist entscheidend

Drei Modelle hat der 28-Jährige dafür skizziert. Und in allen dreien wäre der Landkreis Greiz nicht mehr Eigentümer des Schleizer Krankenhauses. „Nur ein starker politischer Wille kann das Schleizer Krankenhaus als Krankenhaus der Regelversorgung garantieren. Diesen starken politischen Willen gibt es in Greiz nicht“, sagt Schaum.

Den stärksten politischen Willen gebe es, wenn der Saale-Orla-Kreis selbst und allein das Schleizer Krankenhaus übernehmen würde. „Das ist aber finanziell sehr schwer, auch mit einem ausreichenden Kredit wäre es eine große Herausforderung, das Schleizer Krankenhaus innerhalb weniger Jahre wirtschaftlich so aufzustellen, dass es gewinnbringend arbeitet“, sagt Felix Schaum. Dies könne wohl nur geschehen, wenn in den Krankenhausstandort Schleiz investiert werden würde. „Aus der Wirtschaft wissen wir, dass Investitionen schon vielen wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen das Überleben gesichert und mittelfristig für Gewinne gesorgt hat“, gibt er zu verstehen. Personelles und produktionstechnisches Ausbluten hingegen sei mittelfristig wirtschaftlich so gut wie nie erfolgreich.

Geriatrie, Neurologie und Katheterlabor einrichten

Im Falle des Schleizer Krankenhauses denkt er dabei an die Einrichtung von zwei bis drei neuen Stationen, die interdisziplinär zusammenarbeiten. „Wir müssen bedenken, wo wir hier leben. Und das ist der ländliche Raum. Das bedeutet eine zunehmend älter werdende Bevölkerung. In der Gesundheitswirtschaft muss das nicht als Nachteil gesehen werden“, gibt Schaum zu bedenken. Er schlägt daher vor, eine Geriatrie, die Heilkunde für alte Menschen, einzurichten.

„Auch der Aufbau einer Neurologie wäre sinnvoll. In dieser Region gibt es keine Neurologie, allerdings viele neurologische Notfälle. Zudem ist die Neurologie in der Geriatrie wichtig“, erklärt er. Auch die Einrichtung eines Herzkatheterlabores wäre in diesem Zusammenhang eine gute Investition. „Katheterlabore bringen in der Gesundheitswirtschaft viel Geld ein“ sagt Felix Schaum. Finanziell wäre der Saale-Orla-Kreis wohl kaum in der Lage, solche Investitionen zu stemmen, doch nach Ansicht des Finanzberaters gebe es ohnehin bessere Möglichkeit ein solches Unterfangen politisch wie wirtschaftlich zum Erfolg zu führen.

Außenstelle der Uniklinik Jena als Favorit

„Ich favorisiere ein Verbund mit der Universitätsklinik Jena“, sagt Schaum. Eine ähnliche Strategie habe auch der Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt zum Jahresanfang versucht, als das Zeitzer Krankenhaus pleite war. „Das Schleizer Krankenhaus als Außenstelle der Universitätsklinik Jena hätte sowohl in gesundheitlichen als auch in politischen und wirtschaftlichen Aspekten große Vorteile“, betont Felix Schaum. Im Bereich der Gesundheitsversorgung könne man sich auf die Kompetenz der Uniklinik verlassen.

Medizinstudenten könnten den ländlichen Raum kennen und vielleicht auch lieben lernen. Ein Ärztemangel im Schleizer Krankenhaus würde wahrscheinlich nicht mehr eintreten. Eine direkte Busverbindung zwischen Schleiz und Jena besteht. „Wirtschaftlich gesehen könnten wir auf eine kompetente Verwaltung aus Jena vertrauen, gemeinsame Materialbestellungen sind zudem günstiger. Außerdem wird eine Universitätsklinik vom Land mit finanziert, darin liegt auch der politische Vorteil“, erklärt Felix Schaum. Denn das Schleizer Krankenhaus im Schlepptau der Universitätsklinik Jena würde wohl von keiner Landesregierung fallengelassen werden. „Das wäre der Verlust aller Wählerstimmen in gleich zwei Landtags-Wahlkreisen“, verdeutlicht Schaum.

Zudem würde die Landespolitik in Zugzwang genommen werden. „Die Landespolitiker sähen sich gezwungen die Finanzierung kleiner Krankenhäuser zu verbessern, da das Land dann selbst den Schlamassel mit der Fallpauschale am eigenen Leib spürt“ erklärt Schaum. Geldmittel im Land seien genug da, um in das Schleizer Krankenhaus zu investieren. Zudem könnte das Land mit einem solchen Leuchtturm-Projekt weit in den ländlichen Raum der gesamten Bundesrepublik hineinstrahlen und ein Beispiel für bürgerfreundliche Gesundheitspolitik sein.

Öffentlich-privatwirtschaftliche Gesellschaft denkbar

Eine dritte Möglichkeit, das Schleizer Krankenhaus zu stärken wäre eine Lösung mit privatwirtschaftlicher Beteiligung. „So ist es im Burgenlandkreis letztendlich geschehen, die SRH-Gruppe hat das Zeitzer Krankenhaus übernommen. Allerdings bezweifle ich, dass die auch in Gera ansässige SRH nach der Übernahme des Zeitzer Krankenhauses Geld für das Schleizer Krankenhaus und dortige Investitionen erübrigt“, mutmaßt Felix Schaum. Ihm schwebe ohnehin eher ein Modell einer öffentlich-privatrechtlichen Gesellschaft vor. „Der Saale-Orla-Kreis könnte die Rahmenbedingungen abstecken und sich die Privatwirtschaft um die Umsetzung bewerben“ erklärt er.

Ein Vorteil einer öffentlich-privatrechtlichen Gesellschaft sei unter anderem, dass der Landkreis je nach Gesellschafteranteil immer ein gewisses Mitspracherecht im Umgang mit dem Schleizer Krankenhaus habe. Außerdem wäre das finanzielle Risiko für den Landkreis deutlich geringer, als wenn er alleine das Schleizer Krankenhaus übernehmen werde, was Landrat Thomas Fügmann (CDU) bereits ausschloss. „Ich hoffe, dass sich die politischen Entscheidungsträger meine Vorschläge eindringlich betrachten und in die Gespräche am Mittwoch und Donnerstag einfließen lassen“, sagt Felix Schaum.

Am Mittwoch wird Landrat Thomas, der Geschäftsführer des Greizer und Schleizer Krankenhauses Ralf Delker sowie der Präsident des Landesverwaltungsamtes Frank Roßner wegen des Schleizer Krankenhauses im Thüringer Gesundheitsministerium vorsprechen. Am Donnerstag erfolgt einer Sondersitzung des Kreisausschusses zum Schleizer Krankenhaus, bei der auch die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) als Aufsichtsratschefin des Krankenhauses anwesend sein soll.