Kalender zum 100-Jährigen des Wisenta-Kraftwerkes

Ziegenrück.  Der in Ziegenrück ansässige Verein zur Erforschung der Wasserkraftnutzung bringt einen auf 100 Stück limitierten Wandkalender heraus.

Besucherin Ilona Hoffmann schaut sich den im Wasserkraftmuseum Ziegenrück erhältlichen Wandkalender zum 100-jährigen Bestehen des Wisenta-Kraftwerkes an, den der Verein zur Erforschung der Wasserkraftnutzung an der oberen Saale herausgebracht hat.

Besucherin Ilona Hoffmann schaut sich den im Wasserkraftmuseum Ziegenrück erhältlichen Wandkalender zum 100-jährigen Bestehen des Wisenta-Kraftwerkes an, den der Verein zur Erforschung der Wasserkraftnutzung an der oberen Saale herausgebracht hat.

Foto: Peter Cissek

Der Ziegenrücker Verein zur Erforschung der Wasserkraftnutzung an der oberen Saale hat anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Wisenta-Kraftwerkes einen Wandkalender herausgebracht. Der Kalender in einer Auflage von 100 Stück kann ab sofort im Wasserkraftmuseum und bei Buchbinder Dirk Zaumsegel in Ziegenrück erworben werden, der diesen im Auftrag herstellte.

Weil der Kraftwerksbetreiber Vattenfall nach Worten des Vereinsvorsitzenden Andreas Schmidt das Jubiläum nicht feiere, wollte der 13 Mitglieder zählende Verein erst mit einem Bildband an den Geburtstag Anfang Dezember erinnern. Doch dann habe man sich für einen Fotokalender entschieden, den frühere Mitarbeiter des Kraftwerks kostenlos erhalten sollen. Auf den zwölf Kalenderblättern sind historische Aufnahmen aus der Zeit des Baus und der Inbetriebnahme des Laufkraftwerkes zu sehen. „Dabei durften wir auf den Fundus von Vattenfall und ehemaliger Mitarbeiter zugreifen. Jedes Foto ist ein Unikat. Abgebildet ist auch Einladung zur Eröffnungsfeier“, sagte Andreas Schmidt, der vor seinem Ruhestand Leiter des Wasserkraftmuseums in Ziegenrück war.

Wisenta-Kraftwerk im Auftrag von Carl Zeiss Jena

Mit dem Bau eines Spitzenlastkraftwerkes wurde 1919 im Auftrag der Firma Carl Zeiss Jena begonnen. Es sollte die Versorgung der Jenaer Werke mit Elektroenergie absichern. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten bei den Bauarbeiten konnte das Laufwasserkraftwerk nach einer neunmonatigen Bauzeit seiner Bestimmung übergeben werden.

Auf einem Kalenderblatt wird an den Schrägaufzug und die Hangrohrleitung erinnert. Die Wisenta wurde angestaut, um das Wasser durch einen Stollen auf die andere Seite des Berges zu leiten. Durch den Höhenunterschied zum 54 Meter tiefer liegenden Kraftwerk auf der rechten Saaleseite konnten zwei Maschinensätze angetrieben werden. Der Stollen wurde ab März 1919 zuerst von Hand und ab Mitte April mittels Pressluftbohrer von beiden Seiten gebohrt. „Der Durchschlag erfolgte Mitte Juli 1919“, heißt es auf der Rückseite eines Kalenderblattes. Zum Kraftwerksstandort an der Saale gab es damals keine Zufahrt, weshalb die gesamte Technik und das Baumaterial den Hang hinunter transportiert wurde. Dafür wurde eigens ein Schrägaufzug installiert. Der Transport von schweren Materialien erfolgte nicht per Rollwagen auf der Schiene, sondern auf einer Holzschlittenkonstruktion, heißt es.

Erstmals kamen in Deutschland schnell laufende Wasserturbinen zum Einsatz. Die damaligen Maschinensätze sind seit ihrer Inbetriebnahme bis zum heutigen Tag betriebsfähig. Der erzeugte Strom gelangte anfangs über eine 10-Kilovolt-Freileitung in das Netz der Kraftwerk-Sachsen-Thüringen AG. Später wurde eine Verbindung zum Wasserkraftwerk Conrod bei Ziegenrück geschaffen und von hier aus über eine 50-Kilovolt-Trasse nach Jena übertragen. Die Doppelleitung erstreckte sich über 35 Kilometer und wurde von 164 Schleuderbetonmasten getragen. Es war die erste Leitung dieser Art in Ostthüringen. In den Jahren 1933/34 erfolgte die zweite beziehungsweise 1938/39 die dritte Ausbaustufe des Wisenta-Kraftwerkes, die als die bedeutendste in die Geschichte einging. Das Projekt sah die Erweiterung der Pumpspeicheranlage vor. Eine Nürnberger Firma baute eine Betonsperre von 118 Metern Länge und 15,5 Metern Höhe in die Saale, so entstand die Talsperre Walsburg. Zur gleichen Zeit wurde das Maschinenhaus flussauf- und flussabwärts vergrößert, um Pumpspeicheraggregate einbauen zu können. Die bislang letzte Ausbaustufe gab es 1954/55. In diesen beiden Jahren erfolgte die Erhöhung der Staumauer, neue Stahlschütze wurden montiert und eine Hangrohrleitung ausgewechselt, hieß es in einem Bericht dieser Zeitung zum 90-jährigen Bestehen im Jahr 2010.

Verein lässt Ziegenrück-Fotos digitalisieren

Die Vattenfall Europe Generation AG hat im Jahr 2014 eine umfassende Revision des 1939 in Betrieb genommen Pumpspeichersatzes Maschine A vornehmen.

Der Verein zur Erforschung der Wasserkraftnutzung an der oberen Saale habe Buchbinder Dirk Zaumsegel zudem damit beauftragt, rund 1300 Archivfotos der Stadt Ziegenrück zu digitalisieren und niedrigauflösend mit Wasserzeichen ins Internet zustellen. Interessenten könnten dann Fotos beim Verein erwerben. Außerdem will der Verein mit einer Tafel an die 1945 in den letzten Kriegstagen gesprengte Stahlbeton-Bogenbrücke bei Walsburg über die Saale erinnern, die ein gutes Beispiel der Brückenbaukunst vor der Jahrhundertwende war.