Kirschbaumschnitt-Aktion auf Streuobstwiese bei Burgk

Burgk  Aktion des Landschaftpflegeverbandes „Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale“, um zu retten, was noch zu retten ist

Studentin Constanze Grützmacher sägt einen Ast aus einem Kirschbaum.

Foto: Oliver Nowak

Fast wie ein kleines Idyll wirkt die Streuobstwiese oberhalb der sogenannten Eisbrücke bei Burgk – wären die zahllosen Kirschbäume dort in einem besseren Zustand. Während viele alte Kirschbäume mittlerweile abgestorben sind und allerlei Tieren einen Lebensraum bieten, sind die jüngeren Bäume unkontrolliert gewachsen und haben dabei Schaden genommen.

Und um zu retten, was an den jungen Bäumen noch zu retten ist, hat der Landschaftspflegeverband „Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale“ am Dienstag eine Streuobstschnitt-Aktion im Rahmen eines ENL-Projektes veranstaltet. ENL steht für „Entwicklung von Natur und Landschaft“ und wird mit Mitteln des Landes und der Europäischen Union finanziert.

„Es ist besser, Kirschbäume und Apfelbäume im Sommer zu schneiden, weil sie dann weniger ausbluten“, erklärt Projektleiterin Bettina Ermer vor Ort. Wie genau der Pflegeschnitt eines Kirschbaums aussehen sollte, zeigte Baumwartin Ariane Viller den mehr als ein Dutzend Freiwilligen, die zu der Aktion auf die Streuobstwiese gekommen waren.

Es müsse darauf geachtet werden, dass die belaubten Äste genug Sonne bekommen können. Deshalb müssten manchmal einige Äste abgeschnitten werden. Auch sei darauf zu achten, dass die Äste durch ihre Früchte nicht zu schwer werden und brechen. Das werde erreicht, indem man versucht, sie wie eine Fischgräte aussehen zu lassen: nach außen gehend schmaler werdend und mit Seitenästen, die im 45-Grad-Winkel vom Hauptast abstehen.

Die jüngeren Obstbäume auf der Streuobstwiese bei Burgk schätzt Ariane Viller auf etwa 15 bis 20 Jahre, die alten Kirschbäume seien wohl zwischen 80 und 100 Jahre alt. Bei den jüngeren Bäumen, die langsam dabei sind, Altbäume zu werden, ist die Pflege nicht mehr so einfach. Das Hochbinden vieler Äste ist nicht mehr möglich, teilweise sind sie so verwachsen, dass sie wohl nicht viel älter als 40 Jahre werden, schätzt die Baumwartin. An nahezu jedem jüngeren Baum ist zu sehen, dass die Bänder, die einst den Wuchs des Baumes gerade halten sollten, den Stamm eingeschnürt haben. „Diese Stellen müssen aufgeschnitten und verbunden werden. Als Verband eignet sich am besten Lehm mit Kuhdung oder Stroh.“ Wichtig sei, dass die Lehmmischung am Stamm pappt, dann kann sie zum Beispiel mit Jutestreifen verbunden werden und sollte drei bis vier Wochen richtig nass gehalten werden. „So kann eine solche Stelle gesund nachwachsen“, sagt Viller. Auf diese Weise können auch andere Wunden an Bäumen behandelt werden.

Mit zu den Freiwilligen der Aktion gehörten auch vier Studenten der Hochschule Anhalt aus Bernburg. Constanze Grützmacher und Esra Graul studieren beide Naturschutz und Landschaftplanung, erfahren haben sie von der Obstbaumschnitt-Aktion über ihre Professorin. Neben der Tatsache, dass die Veranstaltung gut für ihr Studium ist und quasi einen kostenfreien Obstbaum-Schnittkurs enthält, schätzen sie vor allem den praktischen Nutzen. Denn zu ihrer Wohngemeinschaft gehört auch ein Garten – mit einem alten Kirschbaum.

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