Knapp 20 Grüne Kreuze stehen im Saale-Orla-Kreis

Görkwitz  Zwischen Görkwitz und Neundorf steht ein Symbol des stillen Protestes der Landwirte

„Respektiert die Arbeit der heimischen Landwirte. Sonst ist die Existenz der Betriebe hier bedroht und der ländliche Raum wird geschwächt“, lautet die Botschaft von drei Landwirte, die sie mit einem Grünen Kreuz nahe Görkwitz senden wollen.

„Respektiert die Arbeit der heimischen Landwirte. Sonst ist die Existenz der Betriebe hier bedroht und der ländliche Raum wird geschwächt“, lautet die Botschaft von drei Landwirte, die sie mit einem Grünen Kreuz nahe Görkwitz senden wollen.

Foto: Peter Cissek

Vielerorts in Deutschland sieht man derzeit grüne Holzkreuze auf Wiesen und Feldern stehen, so auch nach der Autobahnbrücke von Görkwitz kommend Richtung Neundorf. Aufgestellt haben dieses Grüne Kreuz zwei Landwirte aus Pahnstangen und einer aus Görkwitz, die zusammen einen Landwirtschaftsbetrieb führen, aber nicht namentlich erwähnt werden wollen. „Es soll ein stiller Protest sein“, bat einer von ihnen um Verständnis.

„Wir Bauern haben derzeit kein gutes Ansehen in weiten Teilen der Politik und der Bevölkerung. Wenn wir auf das Feld fahren, zeigt man uns den Vogel oder hält sich die Nase zu. Und das auf dem Dorf“, sagte einer der Redaktion namentlich ­bekannten Landwirte.

Die Bauern im Lande haben die Nase voll. Agrarpaket, Düngeverordnung, Klimagesetz, Insektenschutz, Glyphosatverbot – immer neue Auflagen und Forderungen. Viele Landwirte fühlen sich durch Politik, Gesellschaft und Medien stigmatisiert und an den Rand gedrängt.

Das am 4. September 2019 vom Bundeslandwirtschafts- und Bundesumweltministerium verabschiedete Agrar-Umweltpaket stelle gerade für kleine, familiengeführte Betriebe ein Problem dar. „Seitdem geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert und in Einzelfällen nahezu unmöglich gemacht wird. Die Maßnahmen greifen massiv in die Eigentumswerte von uns Landwirten ein. Einzelne Flächen werden wertlos und können nicht mehr der für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. Die Folge: Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert, ohne Rücksicht darauf, wie sie dort produziert wurden“, steht unter anderem auf dem Zettel, den die drei Landwirte an das Kreuz geheftet haben. Links in der Ecke sieht man ein Symbol mit einer Faust, die eine Möhre hält. Um diese steht: „Respektiere die Arbeit der Landwirte“.

Die Idee dazu hatte vor einigen Wochen Willi Kremer-Schillings aus Rommerskirchen, ein Landwirt aus dem Rheinland, der in den sozialen Netzwerken als Bauer Willi von sich reden macht. Er kritisiert in einem Beitrag auf Facebook, dass beispielsweise zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr für den Ackerbau, sondern für den Insektenschutz genutzt werden sollen. Ähnlich sei es mit den fünf Meter breiten Uferrandstreifen. Das Grundstück sei für den Bauern wertlos, weil man dieses nicht verkaufen könne, kritisierte er. Laut Bauer Willi wollten manche Landwirte aus Protest Autoreifen anzünden, Gülle vor die Rathäuser kippen oder die Autobahnen blockieren. Doch auf dieses Niveau wollten sich die meisten Bauern nicht begeben.

Im Saale-Orla-Kreis stehen derzeit knapp 20 Grüne Kreuze, teilte Gunner Jungmichel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes mit. „Es werden garantiert mehr, denn wir werden unsere Mitglieder Ende der Woche aufrufen, Grüne Kreuze aufzustellen“, sagte Jungmichel.

In vielen Fällen kommen die Regelungen einer „kalten Enteignung“ gleich, kritisieren auch die Landwirte aus Pahnstangen. Denn die Flächen können nicht mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewirtschaftet werden. „Wir arbeiten täglich von 5.30 bis 20.30 Uhr und wollen unsere Familien ernähren können, was für uns immer schwieriger wird. Wir arbeiten ohne gentechnisch verändertes Saatgut und nach Tierwohlkriterien. Dabei müssen wir mit Billigimporten konkurrieren, wo keiner nach den Bedingungen fragt“, sagte ein Landwirt.

Meine Meinung: Peter Cissek über wütende Landwirte und Grüne Kreuze

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