Krankenhaus Schleiz sagt Geburtstermin kurzfristig ab

Tegau/Schleiz.  Der im Januar vereinbarte Termin für Melanie Becker wurde vom Krankenhaus wegen einer „Notsituation“ gestrichen. Die Klinik in Plauen springt ein.

Melanie Becker aus Tegau wurde kurzfristig vom Kreiskrankenhaus Schleiz der für kommenden Montag geplante Kaiserschnitttermin abgesagt.

Melanie Becker aus Tegau wurde kurzfristig vom Kreiskrankenhaus Schleiz der für kommenden Montag geplante Kaiserschnitttermin abgesagt.

Foto: Michael Andrä

Das Kreiskrankenhaus Schleiz hat einer hochschwangeren Frau aus Tegau kurzfristig den Termin für einen geplanten Kaiserschnitt abgesagt. Begründet wurde die Absage mit einer „Notfallsituation“. Melanie Becker (37), Mutter zweier Kinder, ist geschockt. Abgesagt wurde der Termin, der für kommenden Montag angesetzt war, am Dienstagmittag. Auch anderen werdenden Eltern wurde der Entbindungstermin wegen der noch nicht offiziell bestätigten Schließung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe abgesagt.

„Für mich als Schwangere im letzten Abschnitt dieser Phase ist das alles unfassbar. Seit Wochen jagen sich die Gerüchte, selbst Hebammen, Krankenschwestern und auch Ärzte haben bis heute keinerlei Informationen, was mit ihren Arbeitsverträgen und auch den Patienten passiert. Ich war eben noch einmal meine Unterlagen abholen, da ich ja jetzt zeitnah eine Lösung benötige, mein Kind zu bekommen. Auch jetzt ist im Krankenhaus Schleiz keiner der Verantwortlichen wirklich in der Lage, Auskunft über die Zukunft der Mitarbeiter und Patienten zu geben“, teilt Melanie Becker mit.

In Schleiz jeden gekannt

Der Kaiserschnitttermin war am 27. Januar mit dem Schleizer Krankenhaus vereinbart worden. „Ich bin nun froh, dass mir das Vogtland-Klinikum Plauen den medizinisch notwendigen Kaiserschnitt am kommenden Montag ermöglicht. Doch ich kenne dort niemanden, keinen Arzt und keine Hebamme“, sagte Melanie Becker.

Die Politiker des Landkreises Greiz haben ihrer Auffassung nach die Situation solange ausgesessen, bis das Unvermeidbare passiert ist: „Die Mitarbeiter des Schleizer Krankenhauses melden sich krank oder lassen sich abwerben. Es kann ohne Personal nicht mehr weiter gehen. Leider ist von Seiten des Landrats des Saale-Orla-Kreises auch nie eine Stellungnahme gekommen, um wenigstens den Mitarbeitern oder Patienten das Gefühl zu geben, dass etwas getan wird“, sagt die Betroffene.

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Den noch verbliebenen Mitarbeitern sei es hoch anzurechnen, dass sie bis jetzt durchgehalten haben – „bei dieser psychischen Belastung. Denn sie wissen seit Monaten nicht, wie es weiter geht, wie man Heim und Kinder im nächsten Monat finanzieren soll. Jetzt ist es soweit, es haben leider so viele Mitarbeiter aufgegeben, so dass die Gynäkologie nicht mehr haltbar ist“, klagt Melanie Becker. Für sie als werdende Mutter, die sich eigentlich auf die Geburt in Schleiz gefreut hat, ist diese Situation niederschmetternd und extrem belastend. In der Schleizer Klinik, in der ihre beiden älteren Kinder geboren wurden, kannte sie zumindest vom Sehen jeden. Sie habe sich da immer gut aufgehoben gefühlt, sagte Becker.

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