Landratsamt in Schleiz besteht auf Benziner als Dienstwagen

Schleiz.  Der Saale-Orla-Kreis will 15 Kleinwagen für Mitarbeiter leasen. Doch die Ausschreibungskonditionen lassen keine alternativen Antriebsarten zu.

Der Fahrzeugpool des Landratsamtes Saale-Orla-Kreis ist in die Jahre gekommen.

Der Fahrzeugpool des Landratsamtes Saale-Orla-Kreis ist in die Jahre gekommen.

Foto: Conni Winkler

Das Landratsamt Saale-Orla will ab Mitte nächsten Jahres 15 neue Kleinwagen für dienstliche Zwecke der Mitarbeiter leasen. Doch in den Ausschreibungsunterlagen legt sich die Vergabestelle auf Fahrzeuge mit Benzinmotoren der Schadstoffklasse von mindestens Euro 5 fest. Batteriebetriebene Autos oder alternative Fahrzeugantriebe wie Autogas, die als umweltfreundlicher gelten, werden bei der Ausschreibung nicht zugelassen. Warum eigentlich?

„Unser Haus hat bislang gute Erfahrungen mit Benzin-Autos gemacht. Die Leasingraten sind hier erfahrungsgemäß am günstigsten auch im Vergleich mit Diesel-Autos“, erklärte Pressesprecher Alexander Hebenstreit die Vorgehensweise der Kreisverwaltung in Schleiz. Als öffentliche Einrichtung müsse das Landratsamt auf die Kosten schauen, die entstehen würden, wenn beispielsweise Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert oder Fahrzeuge mit Verbrennermotoren auf Autogas umgerüstet werden sollten.

Dienstwagen der Kreisverwaltung in Schleiz täglich bis zu 75 Kilometer unterwegs

Die Opel-Corsa-Dienstwagen der Kreisverwaltung fahren laut Pressesprecher Hebenstreit „im Schnitt 65 bis 75 Kilometer am Tag und etwa 1400 bis 1700 Kilometer monatlich“.

Die Umrüstung auf Autogas koste pro Fahrzeug dieser Größenordnung um die 1900 Euro, ist beispielsweise auf der Internetseite von Auto Fellmann in Triptis zu erfahren. Möglich sei diese auch bei Leasingfahrzeugen. Amortisieren würde sich die Umrüstung ab 30.000 gefahrenen Kilometern, sagte Inhaber Stefan Fellmann auf Anfrage und ergänzte: „Da die Dienstwagen viel Stadtverkehr fahren, bleibt es nicht bei sechs Litern Benzin auf 100 Kilometer. Je mehr Kraftstoff die Fahrzeuge verbrauchen, umso eher rechnet sich die Umrüstung“, sagte Fellmann.

Nach einer Stunde anderer Meinung

Bei Fahrleistungen von 65 bis 75 Kilometer täglich müssten auch skeptische Fahrer von Elektroautos keine Reichweitenangst haben, findet Wolfram Gräßer. Der Hirschberger fährt nicht nur privat ein batteriebetriebenen Renault Zoe, sondern nutzt als Vorsitzender der Agrargenossenschaft Dobareuth ein Elektro-Smart als Dienstwagen. „Wir haben einen Drei-Jahres-Vertrag mit der Thüringer Energie AG abgeschlossen. Das Unternehmen bietet eine Elf-Kilowatt-Ladebox für knapp 500 Euro an. Die Installation kostet etwa 300 Euro“, erklärte Wolfram Gräßer die Konditionen dienstlich wie privat. Als Ökostrombezieher kosten ihm 100 Kilometer mit dem Elektroauto etwa 4,50 bis fünf Euro.

Mit dem Renault Zoe und dem gewählten Akku komme er im Sommer mit einer Batterieladung rund 300 Kilometer weit, im Winter etwa 200. Der Smart schaffe dagegen im Oberland-Winter nur 110 Kilometer. Dafür sei die Smartbatterie an der Wallbox der Agrargenossenschaft in 30 bis 35 Minuten wieder vollständig aufgeladen. „Das Hauptproblem für Elektroautos ist die mangelnde Akzeptanz unter Autofahrern. Doch wer bei mir im Auto nur eine Stunde mitfährt, ändert meist seine Meinung und fragt sich, weshalb er noch nicht umgestiegen ist“, so Wolfram Gräßer.

Er könne sich sehr gut vorstellen, dass Energieanbieter der Kreisverwaltung gute Angebote zum Bau von Ladeboxen machen würden. Bei der täglichen Fahrleistung müsste nicht mal jeder Kleinwagen über Nacht geladen werden, sagte er.

Batterie zeigt erste Alterserscheinungen

„Ich verwende zum Laden eine Schukosteckdose mit extra Zähler, der über meine Firma läuft“, sagte Andreas Herklotz, der in Weltwitz ein Planungsbüro führt. Vor knapp vier Jahren hat er sich in Oettersdorf einen Nissan Leaf 30 kW gekauft. „Ich fahre am Tag 50 bis 150 Kilometer. Da reicht die Schukodose zum Laden vollkommen aus. Ich tanke nur zuhause, denn der Kartenwirrwarr an den öffentlichen Ladesäulen stinkt mich an. Aber ich fahre auch nicht nach Berlin zum Einkaufen“, sagte Herklotz.

Er habe mit seinem Elektroauto bislang gute Erfahrungen gemacht. Lediglich die für 100 Euro im Monat gemietete Batterie zeige erste Alterserscheinungen. „Ab dem Kilometerstand 70.000 fehlt einer der zwölf Ladebalken, inzwischen sogar ein zweiter. Folglich hat die Batterie nur noch eine Kapazität von 83 Prozent. Wenn fünf Ladebalken fehlen, kann ich sie austauschen lassen“, sagte Herklotz. Der Weltwitzer wünscht sich mehr Mut bei der Entscheidung pro Elektrofahrzeug.