Leiharbeiter halten Wasserkraftmuseum Ziegenrück am Laufen

Ziegenrück.  Aus dem Einstieg der Thüringer Energie AG in die Museumsträgerschaft ist nichts geworden. Vattenfall setzt in Ziegenrück auf einen „Servicepartner“.

Führungen mit Laserschau wie hier im August 2018 finden derzeit Wasserkraftmuseum Ziegenrück nur noch für vorangemeldete Gruppen statt.

Führungen mit Laserschau wie hier im August 2018 finden derzeit Wasserkraftmuseum Ziegenrück nur noch für vorangemeldete Gruppen statt.

Foto: Peter Cissek

Die beiden festangestellten Mitarbeiter des Wasserkraftmuseums in Ziegenrück wurden von ihrem Arbeitgeber Vattenfall Wasserkraft GmbH „überzeugt“, Ende Dezember 2019 beziehungsweise Ende Februar 2020 in den Vorruhestand zu gehen. Seitdem und vor allem nach dem ersten coronabedingten Shutdown wird das Wasserkraftmuseum „Fernmühle“ über eine Zeitarbeitsfirma mit gut einem Dutzend 450-Euro-Kräften personell abgesichert. Meist sind nur wenige Mitarbeiter zu Kontrollzwecken da. Führungen finden nur noch für vorangemeldete Gruppen statt.

In dem unter Denkmalschutz stehenden ersten Laufwasser-Kraftwerk der oberen Saale können in normalen Zeiten Besucher erleben, wie Elektrizität seit über 100 Jahren aus Wasserkraft gewonnen wird. Hauptattraktion im Museum „Fernmühle“ ist die Ausstellung „Saalekaskade“ mit einem Reliefmodell und Modellen von den fünf Talsperren der oberen Saale. Im Freigelände ist eine Sammlung von Turbinen und Wasserrädern und eine Wasserradmodellanlage zu sehen, außerdem gibt es eine Besucherturbinenkammer und einen hydraulischem Widder.

Vattenfall suchte Partner für Wasserkraftmuseum Ziegenrück

Schon vor einigen Jahren kam die Sorge auf, dass sich Vattenfall Wasserkraft wegen der verschlechterten Einnahmesituation das Museum in Ziegenrück nicht mehr leisten könne und es möglicherweise schließen werde. Deshalb suchte der Energiekonzern neue Partnerschaften. Vor gut zwei Jahren kam mit Stefan Reindl der Vorstand der Thüringer Energie AG nach Ziegenrück, um sich über die Situation zu informieren. „Wir prüfen mehrere Möglichkeiten einer Beteiligung an der Trägerschaft. So unter anderem über unsere KomSolar-Stiftung, die Städten und Gemeinden im Freistaat den Bau und Betrieb von Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern öffentlicher Immobilien ermöglicht“, sagte der Teag-Geschäftsbereichsleiter Matthias Sturm im August 2018 am Rande des Tages der offenen Tür dieser Zeitung. Doch ein Einstieg der Thüringer Energie AG war seitens Vattenfall nicht gewollt. „Wir sind nach wie vor bereit, doch der Ball liegt nicht bei uns“, sagte Teag-Pressesprecher Martin Schreiber dieser Tage auf Anfrage.

Ende vergangenen Jahres, als erst eine fest angestellte Mitarbeiterin und zwei Monate später auch Museumsleiter Andreas Schmidt in den Vorruhestand gingen, schloss das Wasserkraftmuseum wegen „personellen Engpässen“ seine Pforten, was für Unruhe in der Saalestadt sorgte. Als es im Februar 2020 wiedereröffnen wollte, verlängerte der coronabedingte Shutdown die Schließzeit bis Ende Juni.

„Tragfähige Lösung gefunden“

Thomas Schubert, offizieller Vattenfall-Ansprechpartner in Sachen Wasserkraftmuseum, äußert sich auf mehrere Fragen lediglich mit der Antwort: „Der Betrieb des Museums mit einem Servicepartner ist für uns eine tragfähige Lösung.“ Von Juli bis Ende Oktober – also kurz vor dem jetzigen coronabedingten Shutdown – zählte das Wasserkraftmuseum rund 4500 Besucher. Sonst aber hält sich Thomas Schubert mit Auskünften zum Museumsbetrieb über eine Leiharbeitsfirma mit Filiale in Rudolstadt zurück.

„Unser Verein ist mit der Situation äußerst unzufrieden. Wenn das Museum nur von 12 bis 17 Uhr öffnet, wie sollen in normalen Zeiten Schulklassen mit Linienbussen nach Ziegenrück und zurück kommen“, sagte Andreas Schmidt, Vorsitzender des Vereins zur Erforschung der Wasserkraftnutzung der oberen Saale. Ansonsten will er sich nicht groß äußern, da er fast 30 Jahre im Wasserkraftmuseum tätig war.

Der Ziegenrücker Bürgermeister Horst Maschke (parteilos) ist froh, dass das privat betriebene Wasserkraftmuseum weiterhin existiert. Er wünscht sich jedoch, dass das Museum auch in Zukunft über kompetente Mitarbeiter verfüge.

„Das Wasserkraftmuseum in Ziegenrück hat für uns als Kommunale Arbeitsgemeinschaft aber auch als Landkreis in seiner Einzigartigkeit eine sehr hohe Bedeutung. Deswegen sind wir froh, dass es weiter betrieben wird, auch wenn es aus touristischer Sicht sicherlich noch Potenzial für mehr gibt. Letztlich ist es aber eine Frage des finanziellen Aufwands und hier muss jeder Träger für sich entscheiden, was ihm eine solche Einrichtung wert ist“, teilte Michael Siegmund, Fachdienstleiter Wirtschaft, Kultur, Tourismus im Landratsamt Saale-Orla und Geschäftsführer der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft „Thüringer Meer“, mit. Das Wasserkraftmuseum sei kein Einzelfall, fügte er hinzu: „Im Saale-Orla-Kreis gibt es viele Betreiber, die sich mit der Finanzierung ihrer Museen schwer tun. Aber auch wir als Landkreis haben nicht die Möglichkeiten, ihnen in dem Umfang unter die Arme zu greifen, wie es womöglich wünschenswert wäre“, sagte Michael Siegmund.