Bücherstube Gefell

Mauerfall ohne Blutvergießen war ein Wunder

Gefell.  DDR und Maueröffnung! „Wir möchten die Menschen anregen, dankbar zu sein, ins Nachdenken zu kommen“, sagte Tabea Ruß, eine der Organisatoren.

Das ist eines der Schaufenster der Christlichen Bücherstube in Gefell, die gegenwärtig an die DDR und die Maueröffnung vor 30 Jahren erinnern. Mit den so gestalteten Auslagen, nimmt der kleine Laden übrigens an einem Wettbewerb der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg teil. 

Das ist eines der Schaufenster der Christlichen Bücherstube in Gefell, die gegenwärtig an die DDR und die Maueröffnung vor 30 Jahren erinnern. Mit den so gestalteten Auslagen, nimmt der kleine Laden übrigens an einem Wettbewerb der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg teil. 

Foto: Simone Zeh

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Mit DDR-Fahne, Uniform und Büchern erinnern die Schaufenster der christlichen Bücherstube in Gefell derzeit an die Maueröffnung vor 30 Jahren. Diese Woche hatten die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die den kleinen Buchladen im Herzen der Stadt führen, zum Leseabend unter dem Thema „Die Wende, wie sie niemand erwartet hat“ eingeladen. „Wir möchten die Menschen anregen, dankbar zu sein, ins Nachdenken zu kommen“, sagte Tabea Ruß von den Organisatoren. Die Maueröffnung und damit das Ende der Diktatur der DDR sei nicht selbstverständlich und keine logische Folge gewesen.

Tabea Ruß zitierte die Worte von Helmut Kohl: „Die Mauer fiel schließlich ganz friedlich, ohne einen Schuss, ohne Blutvergießen. Es war wie ein Wunder.“ Ein weiteres Zitat stammt von Horst Sindermann/SED-Zentralkomitee in der DDR: „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete“. Für die Christen war es tatsächlich ein Wunder, für welches man dankbar ist. Das wurde in den Lebensberichten deutlich, welche in der Bücherstube vorgelesen wurden.

Im Buch „Mauer frei“ haben Menschen erzählt, wie sie die Zeit der Wende erlebt hatten. Von Gottfried Schauer aus Dresden las Helga Schödel, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Bücherstube. Er hatte studiert, da er aber seine kritische Meinung zur DDR nicht verhehlte, musste er als einfacher Arbeiter tätig sein. Der heute 49-Jährige schrieb Tagebuch über die politischen Ereignisse und persönliche Erlebnisse. Wie etwa am 2. Oktober 1989, als zehn Züge mit fast 6000 Menschen von Prag über Dresden nach Hof fuhren und dies gewalttätige Reaktionen der Zurückgebliebenen auslöste: „Sie wurden in Dresden brutal von Polizei und Armee niedergeschlagen. Wen sie fassten, warfen sie wie nasse Säcke auf die Ladeflächen der Lkw.“

Und weiter: „Ein junger Mann verlor beide Beine, als er eine Lok anhalten wollte.“ Und schließlich: „Es war eine irre Zeit, denn keine wusste, ob nicht auch eine brutal-blutige chinesische Lösung vom Platz des Himmlischen Friedens ins Peking als Schwarzer Peter gezogen wurde.“ Es komme ihm immer noch wie ein Rätsel, ein wirkliches Wunder vor, dass nicht geschossen wurde, obwohl die Schießbefehle ausgedruckt im Kasten lagen.

Der Gefeller Andreas Renner, ebenfalls ehrenamtlich in der Bücherstube tätig, berichtete aus seiner Zeit als Bausoldat. Als Christ eine Waffe in die Hand zu nehmen, wäre für ihn nicht in Frage gekommen - sagte er. Als Bausoldat die Zeit des Wehrdienstes zu umgehen, war eine Besonderheit in der DDR. „Das wurde auch auf Druck der Kirche in der DDR ab 1964 möglich. Das gab es nur in der DDR.“ Nicht in Polen, der Tschechoslowakei oder anderen osteuropäischen Ländern. „Ausgerüstet waren wir mit Schaufel, Hacke und Spaten.“ Normale Soldaten sollte nicht mit den Bausoldaten in Kontakt kommen, man war nicht geschätzt.

Und: „Bausoldaten gehörten zu den ersten, die schon 1984 Wahlfälschung aufdeckten.“ Tabea Ruß zitierte zwei Aussagen von Politikern aus den Jahren 1986 und 1987, als noch keiner an das Ende der DDR dachte. „Mister Gorbatschow, reißen Sie die Mauer nieder!“. Das sagte Roland Reagan, US-Präsident.

In weiteren Lesungen, die Karl-Heinz Vanheiden und Tabea Ruß abhielten, wurde an mutige Menschen erinnert. Wie etwa an Daniel und seine Freunde aus Babylon in der Zeit 605 Jahre vor Christus, die schon damals – so erzählt die Bibel – Standhaftigkeit zeigten. Wie auch Harald Bretschneider, in der DDR Landesjugendpfarrer in Dresden, der die Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ initiierte. Das Symbol ließ er auf Vlies drucken. Warum? Das zählte zur Textilveredelung und bedurfte keiner Druckgenehmigung.

Die Sicht von West auf Ost legte Karl-Heinz Vanheiden dar und berichtete, dass es auch die Kirchgemeinden in Westdeutschland waren, die den Kontakt zu Kirchgemeinden im Osten hielten und ihnen halfen. „Wenn sie sich heute mit der Geschichte befasse“, beschloss Tabea Ruß den Abend, „bin ich fasziniert und dankbar.“

Mit dem zum Mauerfall gestalteten Schaufenster nimmt die Christliche Bücherstube übrigens an einem Wettbewerb der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg teil. Familie Wehr aus Gefell und die Mitarbeiter des Buchladens haben verschiedene Sammlerstücke zur Verfügung gestellt. Außerdem sind im Laden noch weitere Fotos der Wendezeit zusehen, welche die Drogerie Bahner in Hirschberg zur Verfügung gestellt hatte.

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