US-Außenminister Pompeo zu Gast

Mödlareuth wird für Stunden zum Sperrgebiet 2.0

Mödlareuth/Juchhöh.  Wegen des Besuchs von US-Außenminister Michael Pompeo am Donnerstagmittag an der ehemaligen innerdeutschen Grenze wird Mödlareuth 30 Jahre nach dem Mauerfall für Stunden erneut zum Sperrgebiet.

Thüringer Bereitschaftspolizisten überprüfen an der Einfahrt nach Mödlareuth in Juchhöh jedes Fahrzeug und jede Person.

Thüringer Bereitschaftspolizisten überprüfen an der Einfahrt nach Mödlareuth in Juchhöh jedes Fahrzeug und jede Person.

Foto: Peter Cissek

„Herzlich willkommen. Heute geschlossen wegen?“ steht auf der Schiefertafel vor dem Gasthaus Juchhöh. Dieses hat am Donnerstag gar nicht erst geöffnet. Vor dem Haus nahe der Straßenkreuzung mit der B2 stehen Bereitschaftspolizisten aus Erfurt. Sie kontrollieren jeden Wagen und jede Person wegen des Besuchs von US-Außenminister Michael Richard „Mike“ Pompeo (Republikanische Partei) am Donnerstagmittag in Little Berlin. So wird das Nachbardorf Mödlareuth genannt, das wie Berlin bis November 1989 durch Mauer und Stacheldraht getrennt war. Die meisten Personen müssen wieder kehrt machen. Wer keine Akkreditierung hat, darf kein Augenzeuge des Treffens von Pompeo mit dem deutschen Außenminister Heiko Maas (SPD) im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth werden.

„Ich komme jedes Jahr am 3. Oktober zum Deutschlandfest der CDU und CSU nach Mödlareuth, wenn hochrangige Unionspolitiker sprechen. Als politisch interessierter Bürger wollte ich auch den Besuch des US-Außenministers an den erhaltenen Grenzanlagen verfolgen. Ich bin menschlich zutiefst enttäuscht, dass man die Bevölkerung aussperrt“, sagt der 67-jährige Christian Hummel aus dem vogtländischen Netzschkau. Also setzt er sich in seinen Skoda Fabia und wendet.

Ähnlich geht es Eckhard Müller aus Krölpa bei Pößneck: „Wir machen gerade einen Ausflug und wollten auch Mödlareuth besuchen. Schade, echt schade“, sagt er. Einige Kraftfahrer, die mit ihrem Auto zur Grünschnittannahmestelle weit vor dem Ortseingang von Mödlareuth fahren wollten, müssen ihr Vorhaben verschieben.

Landrat Fügmann musste zuvorLebenslauf mailen

Wenn hochrangige US-amerikanische Politiker wie der ehemalige CIA-Direktor Pompeo, der in den späten 80er-Jahren als Panzerkommandeur an der innerdeutschen Grenze stationiert war, ins Ausland reisen, herrscht in den Orten die höchste Ausnahmestufe. „Ich musste am Dienstag dem Bundeskriminalamt meinen Lebenslauf mailen, um eine Akkreditierung zu erhalten. Ich bin sehr für Sicherheit, halte das aber für übertrieben“, sagt der Schleizer Landrat Thomas Fügmann (CDU), der mit seinem Chauffeur am Kontrollpunkt aussteigen musste, bevor die Bereitschaftspolizisten mit einem Kontrollspiegel am Teleskoprohr den Fahrzeugunterboden inspizierten sowie den Kofferraum und das Fahrzeuginnere durchsuchten.

Seit 7 Uhr haben die Thüringer und die Bayerische Bereitschaftspolizei die Straßensperren an den Zufahrtsstraßen nach Mödlareuth eingerichtet. Mindestens ein Beamter an der Kontrollstelle in Juchhöh hat eine Maschinenpistole umgehängt, auf dem Gaststättenparkplatz steht unter anderem ein gepanzerter Sonderwagen bereit. In Mödlareuth vor Ort kontrollieren Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes und des Secret Service das Geschehen.

„Bei Staatsbesuchen aus den USA ist das normal“, sagt NTV-Moderator Christopher Wittich von der RTL-Mediengruppe, während sein TV-Team und auch Kameraleute des ZDF filmen, wie ihre schwarzen Mercedes-Transporter durchsucht werden. Zwei Reporter des russischen TV-Senders RT deutsch können keine Akkreditierung vorweisen und filmen nun die Straßensperre, später auch am Ortsausgang von Gebersreuth. Das Gepäck der akkreditierten Journalisten wird später in Töpen von einem Sprengstoffsuchhund geprüft, bevor es dann mit Shuttle-Transportern nach Mödlareuth geht.

„Der Staatsbesuch ist vollkommen problemlos verlaufen. Es gab keinerlei Zwischenfälle. Die beiden Außenminister sind nun auf dem Weg nach Leipzig zum nächsten Termin“, bilanziert Klaus Mergner, Leiter der Polizeiinspektion Saale-Orla den Einsatz. Zur Anzahl der eingesetzten Polizeikräfte dürfe er keine Angaben machen.

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