Schlimmste Überflutung seit 1983: Moßbacher Ortskern bis zu 70 Zentimeter hoch überflutet

Moßbach.  Bei Starkregen ist Moßbach am Montag überflutet worden. Wasser und Schlamm standen auf dem Dorfplatz bis 70 Zentimeter hoch.

Überflutung in Moßbach

Überflutung in Moßbach

Foto: Oliver Nowak

Bei schweren Gewittern und Starkregen ist die Ortsmitte von Moßbach am Montag gegen 14.20 Uhr überflutet worden. Wasser und Schlamm standen auf dem Dorfplatz zeitweise bis zu 70 Zentimeter hoch.

„Es ist schrecklich, so etwas gab es in diesen Ausmaßen zuletzt 1983“, sagte Bürgermeisterin Gisela Krösel, während sie kurz nach dem Einbruch der Flutwasser mit einem Reisigbesen in der Hand durch das Wasser stapfte. Wasser und jede Menge Schlamm kamen von den höher gelegenen Feldern im Südwesten. Einwohner berichten von von mehr als 40 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb von 45 Minuten.

Die Wassermassen von den Feldern überspülten auf ihrem Weg zum Ortskern zwei Fischteiche. Die Fische wurden durch den Ort gespült. Wo das Wasser im Ort seichter wurde, blieben die Tiere auf der Straße liegen, andere steckten Hecken fest. Einwohner des Ortes sammelten die Fische zusammen und brachten sie notdürftig in wassergefüllte Behälter unter.

Die Häuser, die auf dem Weg der Flutwelle lagen, wurden teilweise überflutet. Wohnräume und Keller liefen voller Schlamm und Wasser, das durch die Türen gepresst wurde. Das Haus von Anne und Günter Seidel, das am südwestlichen Ortsrand steht, wurde als einer der ersten Häuser von der Welle erfasst.

„Ich habe gerade die Fenster zu gemacht, da kam es von den Feldern herunter und war im Haus“, schildert die 78-jährige Seniorin aufgelöst. Küche, Wohnzimmer, Kellerräume – überall standen zentimeterhoch Schlamm und Wasser. Der Strom fiel aus.

Geruch von Fäkalien

Zahlreiche Moßbacher kamen, um Wasser und Schlamm aus den Wohnräumen des Seniorenpaars zu schaufeln. „Eigentlich wollte ich zu meinem Sohn fahren, weil er heute Geburtstag hat, aber hier werde ich gebraucht“, sagte Gisela Krösel, die von Haus zu Haus ging, um überall mit ihrem Besen ein bisschen Hilfe zu leisten.

Die zuerst eingesetzte Feuerwehr Moßbach alarmierte zahlreiche Feuerwehren nach. Schlussendlich waren die Wehren aus Moßbach, Tegau, Dittersdorf, Dragensdorf, Chursdorf und Neustadt/Orla mit insgesamt rund 50 Einsatzkräften vor Ort. Auch Kreisbrandinspektor Uwe Tiersch wurde alarmiert. Den Einsatzschwerpunkt der Feuerwehren stellte dabei zuerst der Dorfplatz da.

Auf dem öffentlichen Parkplatz liefen mehrere Autos voll Wasser. „Ich wollte noch zum Auto laufen und es wegfahren, da stand ich schon hüfthoch im Wasser“, schildert eine Kindergärtnerin. Im Haus der ehemaligen Gaststätte drang das Wasser durch niedrig liegende Fenster. Der Innenhof der ehemaligen Gaststube wurde mit Schlamm überhäuft. Die Feuerwehr pumpte das Wasser vom Dorfplatz in Richtung Dorfteich, um der Überflutung Herr zu werden.

Der kleine Dorfteich wurde von der Welle ebenfalls überflutet und ergoss sich über den Spielplatz bis in den großen Dorfteich, der viel Wasser aufnahm. Durch den verrohrten Ablauf konnte so reichlich Wasser aus dem Dorf gespült werden. Trotzdem drang auch in die niedriger gelegenen Häuser im Nordosten des Dorfes Schlamm in die Keller ein.

„So schnell wie das Wasser kam, war es eigentlich auch wieder aus dem Keller raus, aber der Schlamm bleibt und stinkt. Dabei wollte ich eigentlich bald Silberne Hochzeit feiern. Was Corona nicht kaputt macht, schafft jetzt das Wasser“, sagte Tanja Dietrich, die im nordöstlichen Teil von Moßbach lebt. Dort machte sich im Laufe des Nachmittag teilweise ein unangenehmer Geruch von Fäkalien breit.

Bis in die späten Abendstunden waren die Einsatzkräfte der Feuerwehren mit der Beseitigung des Unwetterereignisses beschäftigt. Eine Höhe der entstandenen Schäden ist bisher nicht bekannt. Auf mehreren Straßen rund um Moßbach und Tegau wurde Straßenabschnitte ebenfalls von Schlamm und dem Splitt aufgelöster Fahrbahnbanketten bedeckt.

Auch in Tegau brach aufgrund des Starkregens in einen Keller Wasser ein. Aus einem niedrig gelegenen Gully sprudelte das Wasser heraus. Die Feuerwehr Schleiz wurde nach Görkwitz alarmiert, weil dort ein umgestürzter Baum die Straße blockierte.

Gera: Vollgelaufene Keller und angehobene Gullydeckel