Online-Petition gegen die Waldstilllegungspläne der Thüringer Landesregierung gestartet

Rodacherbrunn  Vergleiche mit dem Zustand des Harzes

Toter Wald: Das Bild eines Demonstranten, der ein Motiv vom Harz zeigte, hatte im Juli in Hirschberg noch für Empörung gesorgt, weil ein Zusammenhang zum „Rennsteig der ­Zukunft“ hergestellt worden war. Jetzt entstand wenige Wochen später diese Aufnahme, die bei Rodacherbrunn tatsächlich Vergleiche zulässt.

Toter Wald: Das Bild eines Demonstranten, der ein Motiv vom Harz zeigte, hatte im Juli in Hirschberg noch für Empörung gesorgt, weil ein Zusammenhang zum „Rennsteig der ­Zukunft“ hergestellt worden war. Jetzt entstand wenige Wochen später diese Aufnahme, die bei Rodacherbrunn tatsächlich Vergleiche zulässt.

Foto: Photo-König

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sieht der „Rennsteig der Zukunft“ aus wie aktuell der Hochharz? Als Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) und Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) im Juli in Hirschberg auf Demonstranten trafen, entspann sich ein heftiger Disput. Der Harz diente auf dem Foto eines Protestlers als abschreckendes Beispiel, wie der Rennsteig der Zukunft aussehen könnte, wenn die Pläne zur Waldstilllegung tatsächlich umgesetzt werden.

Der Streit ist sechs Wochen her, und schon lassen sich am Rennsteig erste Fotos anfertigen, die denen vom Harz zum Verwechseln ähnlich sehen. Zumindest an einigen Stellen. „Durch unterlassene Forstschutzarbeit haben wir hier jetzt 10.000 Festmeter Schadholz“, ärgert sich Hartmuth Hoffmann über die Zustände in dem Revier der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG). Als Leiter des benachbarten Reuß‘schen Forstreviers treibt ihn die Sorge, dass diese Zustände sich ausbreiten und übergreifen könnten. „Alle Proteste der Anrainer gegen die Wirtschaftsweise der BVVG wurden bisher missachtet“, ärgert sich Hoffmann und unterstellt sogar, dass der beklagenswerte Waldzustand „bewusst herbeigeführt“ werde. „Was soll Waldumbau, wenn nichts mehr dasteht?“, fragt Hoffmann zur Zukunft dieses 1400 Hektar umfassenden Reviers, das nach ­Ansicht der Thüringer Umweltministerin an die Stadt Wurzbach übertragen werden könnte.

Bislang ist bekannt, dass es laut Landesregierung einen Waldumbau geben soll, um den Bestand resistent für die veränderten klimatischen Umweltbedingungen zu machen. Nach ­etwa 30 Jahren soll dieser Wald aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen werden mit der Absicht, die Artenvielfalt zu erhöhen. Doch diese „Urwald-Pläne“ hegen bei den Skeptikern die Befürchtung, dass es groß­flächige Schäden durch den Borkenkäfer geben werde – wie eben im Harz zu beobachten.

Unter der Forderung „Waldumbau statt Waldstilllegung“ hat der Wurzbacher Bürgermeister Jan Schübel (CDU) auf der Petitionsplattform des Thüringer Landtags eine Initiative gestartet, mit der eine Abkehr von den Stilllegungsplänen initiiert werden soll. „Ohne die Einbindung der umliegenden Waldbesitzer und ohne die Einbindung der Kommune vor Ort wurden diese Flächen durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz zur Stilllegung vorgeschlagen. Durch dieses Vorgehen fühlen sich die Menschen in der Region regelrecht übergangen“, heißt es in der Petition, mit der die Landesregierung aufgefordert werden soll, „ihren Vorschlag zur Stilllegung der entsprechenden Flächen im Umfang von zirka 1400 Hektar in der Gemarkung Wurzbach, Grumbach, Titschendorf und Rodacherbrunn wieder zurückzuziehen und darauf hinzuwirken, dass diese Flächen nicht stillgelegt werden.“ Man sei überzeugt, dass die vorgesehene Fläche für eine Stilllegung völlig ungeeignet ist.

„Eine Überführung in einen stilllegungsgeeigneten Wald ist nur dann zeitlich überschaubar möglich, wenn ausreichend naturnahe Flächen als Keimzellen vorhanden sind“, heißt es in der Petition, „die zwei bis drei Prozent naturnahen stilllegungsfähigen Flächen in diesem Gebiet reichen nicht für eine Stilllegungsstrategie aus.“ Zudem wird auf die besonders im süd­lichen Saale-Orla-Kreis vorhandene holzverarbeitende Industrie hingewiesen, für die eine Stilllegung des Wirtschaftswaldes einem „Rohstoffentzug“ gleichkäme. „Inwieweit es ­klimafreundlich ist, stattdessen den Rohstoff Holz aus weiter entfernten Gebieten anzuliefern, erscheint mindestens fraglich“, so die Petition.

Bis 16. Oktober werden 1500 Unterzeichner benötigt, um eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss zu erreichen.

Meine Meinung:

Die Online-Petition in einem Satz erklärt

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Landesverfassung des Freistaats Thüringen geben jedermann das Recht, sich mit einer Petition an ­seine Volksvertretung zu wenden.

Der Petitionsausschuss kann auf Antrag beschließen, dass Petitionen auf der Petitionsplattform des Landtags im Internet veröffentlicht werden.

Die veröffentlichten Petitionen können sechs Wochen lang auf der Petitionsplattform unterzeichnet werden.

An den Petitionsausschuss können auch Anregungen zur Landesgesetzgebung heran getragen werden.

Im Rahmen des Petitionsverfahrens versuchen die Mitglieder des Ausschusses, Lösungen im Sinne der Bürger zu vermitteln oder die Gründe einer Behörden­entscheidung transparent ­zu machen.

Zur Tätigkeit des Petitionsausschusses gehören auch Ortstermine, bei denen sich die Mitglieder unmittelbar ein genaues Bild über die örtlichen Gegebenheiten machen.

Seit dem Jahr 2013 bietet der Petitionsausschuss die Möglichkeit, Petitionen auf der Petitionsplattform des Landtags veröffentlichen und ­mitzeichnen zu lassen.

Um eine Petition online zu unterzeichnen, ist eine Registrierung mit Mailadresse und Passwort erforderlich.

Die Petition „Waldumbau statt Waldstilllegung“ ist unter der Internetadresse „ www.petitionen-landtag.thueringen.de/petitions/1685 “ zu erreichen.

Bis zum Donnerstag hatte diese Petition exakt 300 Unterzeichner.

Benötigt werden bis zum 16. Oktober 2019 mindestens 1500 Mitzeichner.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren