Ostthüringerin von der Schweiz nach Schleiz

Schleiz  Christel Werner wurde 2011 als Thüringerin des Jahres ausgezeichnet. Vor kurzem kehrte sie in ihre Heimat zurück

Christel Werner zog aus der Schweiz nach Schleiz. Sie kandidiert als Parteilose für die SPD im Wahlkreis 33 im Saale-Orla-Kreis zur Landtagswahl am 27. Oktober 2019.

Christel Werner zog aus der Schweiz nach Schleiz. Sie kandidiert als Parteilose für die SPD im Wahlkreis 33 im Saale-Orla-Kreis zur Landtagswahl am 27. Oktober 2019.

Foto: Peter Cissek

Großfeuerwerke setzten wichtige Meilensteine im ­Leben der Christel Werner.

Bei einem Feuerwerk zum Nationalfeiertag am 1. August 2005 habe sie sich in die Schweiz verliebt, so dass sie gern dort leben und arbeiten wollte, was sie dann auch sieben Jahre später umsetzte. „Bei der Installation des Abschlussfeuerwerkes zur 800-Jahr-Feier der Stadt Weida mit meinem Vater, der wie ich ausgebildeter Pyrotechniker ist, entdeckte ich enorme Schäden an der Turmspitze der Osterburg“, blickte sie zurück. Ihr Engagement und vielfältige Aktionen mit dem Förderverein „Freunde der Osterburg“ brachten eine Spendensumme von 56.000 Euro und der Kommune den Eigenanteil zur millionenschweren Sanierung des Bauwerks ein. Christel Werner wurde dafür 2011 vom MDR und der Ehrenamtsstiftung als Thüringerin des Jahres ausgezeichnet. Ein Jahr später erhielt die damals 27-Jährige den „Mitteldeutschen Fundraisingpreis“ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschlands.

Begeistert vom Engagement und der Energie der jungen Frau bat sie der SPD-Landesvorsitzende Wolfgang Tiefensee nach einem Besuch der Osterburg im März 2019, als Parteilose für die Sozialdemokraten zur Landtagswahl am 27. Oktober 2019 anzutreten. Christel Werner sagte zu. So kam sie aus der Schweiz über kurze Zeit auf dem elterlichen Hof in Sirbis bei Weida nach Schleiz.

Doch der Reihe nach: Über gute Freunde, mit denen sie an der TU Chemnitz erfolgreich Medienkommunikation studiert hatte und die anschließend bei der Habegger AG in Zürich tätig waren, bekam sie im Jahr 2012 das Angebot einer Festanstellung in jener Firma. „Für mich ist damals der Traum, in die Schweiz zu gehen, in Erfüllung gegangen“, blickte sie zurück.

Bei der Firma Habegger – einem Dienstleistungsunternehmen im Bereich Live-Kommunikation – war Christel Werner in der Abteilung Content-Produktion als Projektmanagerin und Producerin tätig. Sie konzipierte, plante und organisierte mediale Inhalte für Events wie Messen, Ausstellungen oder Generalversammlungen. „Ich war weniger die Kreative, sondern die, die dafür sorgt, dass die Kreativen pünktlich fertig werden, ­alles wie am Schürchen läuft und im Kostenrahmen bleibt“, erklärte sie ihre Arbeit. So hatte sie beispielsweise auch dafür zu sorgen, dass Bühnenbauer für die Fernsehshow „The Dance“ eine 105 Quadratmeter große Bühnenspezialanfertigung bauen, die passend zur Markteinführung dem neusten Smartphone-Modell eines Hauptsponsors gleicht. Auf dem Display der im Hallenstadion Zürich aufgebauten Smartphonebühne mussten Apps platziert werden, die für die Deckenkamera sichtbar beim Öffnen zu Beiträgen weiterer Sponsoren führten.

Andererseits war sie für Imagefilme und Werbespots von bekannten Unternehmen wie Danone, Lindt oder die Schweizerischen Bundesbahnen für Technik, Drehplan, die personelle Zusammensetzung, Flüge und Hotelbuchungen zuständig. „Besonders gern denke ich an einen Auftragsfilm für die Fifa mit Fußball-Altstars Roberto Carlos, Iker Casillas, Marcel Desailly und Vitor Baia in Porto zurück, der dann in der Fifa-Fanzone in Moskau zur Fußball-WM 2018 gezeigt wurde“, sagte Christel Werner.

Doch dann überwog das Heimweh ihre Liebe zur Schweiz mit ihren hohen Mieten und Lebenshaltungskosten. „Damals habe ich nur für meinen Job gelebt und war lediglich zum Schlafen zuhause. Ich wollte einen Schnitt im Leben machen“, erzählte sie. Sie wollte wieder in der Nähe ihrer Familie sein. Außerdem war es aus der Schweiz schlecht möglich, ihre Arbeit als Vorsitzende des Ostdeutschen Feuerwerkervereins mit Sitz in Bad Berka auszuüben.

Werner, die zwischendurch eine Ausbildung zur Eventmanagerin absolvierte, entschloss sich Ende 2018, in ihre ostthüringische Heimat zurückzukehren und sich selbstständig zu machen. In ihrer ­Firma Commoveo Production deckt sie ein ähnliches Aufgabengebiet wie in der Schweiz ab und arbeitet von Schleiz aus auch als Freiberuflerin für ­Habegger.

Wenn sie nun einen Imagefilm über Christel Werner, die in den Landtag will, drehen sollte, was müsste dieser dann zeigen? „Die Bevölkerung im ländlichen Raum darf nicht das Gefühl ­haben, vergessen zu werden. Grüne Politik und Klimaschutzprojekte könnten in größeren Städten mit gutem ­Öffentlichen Nahverkehr umgesetzt werden, im ländlichen Raum allerdings nicht. Hier braucht man den günstigen Diesel in der Landwirtschaft und um auf Arbeit zu kommen. Die künftige Landesregierung muss auch dafür sorgen, dass massiv ausgelastete Schwerpunktfeuerwehren wie hier in Schleiz vom Land finanziertes hauptamtliches Personal bekommen“, zählte sie einige Punkte auf. Fremdenfeindlichen Tendenzen erklärt sie den Kampf. „Ich war in der Schweiz immer die Ausländerin und habe gesehen, wie schwer das Leben ist. Selbst bei der Wohnungssuche“, sagte sie.