Auslaufmodell Tagesmutter im Saale-Orla-Kreis

Pahnstangen.  Karin Huck ist Tagesmutter in Pahnstangen und betreut derzeit einen Zweijährigen.

Tagesmutter Karin Huck beim Spielen mit dem zweijährigen Anton.

Tagesmutter Karin Huck beim Spielen mit dem zweijährigen Anton.

Foto: Oliver Nowak

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Gerade in den ganz jungen Jahren sind Kinder schier unberechenbar. Deshalb haben Eltern immer ein Auge auf ihren Nachwuchs. Wer jedoch tagsüber arbeitet, vertraut sein Kind meist einer Kinderkrippe an. Im Saale-Orla-Kreis gibt es jedoch auch Alternativen zur Krippenbetreuung: die Tagesmutter. Sie sorgt im häuslichen Umfeld für das Wohl von Kindern zwischen null und drei Jahren und kann ganz individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Die Kosten durch Elternbeiträge sind dabei fast in gleicher Höhe, wie bei einer Krippen-Betreuung.

„Ich habe schon immer gerne Kinder betreut. Eigentlich ist das der schönste Beruf, den ich je hatte“, sagt Karin Huck. Die 57-Jährige ist seit 2014 Tagesmutter im Saale-Orla-Kreis und betreut die Kinder in ihrem Haus in Pahnstangen. Sie ist damit die jüngste von allen Tagesmüttern im Saale-Orla-Kreis. Alle anderen nähern sich dem Rentenalter. An neuen Tagesmüttern fehlt es, weil der Beruf unattraktiv ist. Denn eine Bezahlung gibt es nur, wenn auch ein Kind betreut wird.

„Ich war bis 2013 bei den Schleizer Alben beschäftigt. Als diese schlossen habe ich überlegt, was ich künftig tun werde. Von einem Arbeitskollegen wusste ich, dass seine Frau Tagesmutter ist. Das wollte ich dann auch werden“, erzählt sie, während der zweijährige Anton neben ihr mit einem Puzzle im Spielzimmer des Hauses spielt.

Sehr individuelle Betreuung der Kinder

Um Tagesmutter werden zu können, musste Karin Huck eine vierwöchige Ausbildung absolvieren. „Wir haben dort unter anderem über die Erste Hilfe am Kind, gesunde kindgerechte Ernährung, Spiele und etwas Pädagogik gelernt“, erzählt die Tagesmutter. Aber auch Themen wie Unterhaltsansprüche standen auf dem Lehrplan.

Durch den Beruf als Tagesmutter hat Karin Huck ihr Haus wieder mit Leben gefüllt, nachdem ihre erwachsenen Kinder bereits ausgezogen waren. „Wir haben das Spielzimmer eingerichtet und ein Spielhaus, eine Schaukel und einen neuen Sandkasten im großen Garten aufgebaut“, berichtet sie. Im Sommer steht auch ein Planschbecken für ihre Schützlinge bereit.

Der zweijährige Anton ist zurzeit ihr einziger Schützling. „Weil die Betreuungsgruppen sehr klein sind, kann äußerst individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden“, erzählt sie. In gut einer Woche bekommt sie ein zweites Kind, dass sie für ein Vierteljahr betreuen wird. Denn das fünfjährige Mädchen hat sich einen Arm gebrochen. Damit es sich schonen kann, empfahl der Arzt eine Betreuung außerhalb vom Trubel eines Kindergartens.

Tagesablauf ähnlich wie in der Krippe

Der Tagesablauf ist dabei ähnlich, wie in einer Kinderkrippe. Morgens werden die Kinder von ihren Eltern gebracht. Die Uhrzeit wird mit den Eltern individuell vereinbart, ebenso die Zeit zum Abholen der Kinder. „Wir gehen eigentlich jeden Tag raus. Draußen gibt es für die Kinder so viel zu entdecken und die frische Luft tut ihnen gut“, meint Karin Huck. Sie hat einen großen Doppelkinderwagen für die Ausflüge bereitstehen.

Sie schätzt besonders die ruhige Lage von Pahnstangen und die Nähe zum Wald. „Wenn wir durch das Dorf spazieren, entdecken die Kinder fast in jedem Garten ein anderes Haustier.“ Nach dem Spaziergang gibt es ein Mittagessen. „Danach ist Anton immer so müde, dass er zwei Stunden durchschläft“, erzählt sie.

Sechs freie Betreuungsplätze im Saale-Orla-Kreis

Die Betreuung von Kindern zwischen null und drei Jahren bei einer Tagesmutter hält sie persönlich für sinnvoller als in einer Krippe. „Die Kinder im Alter von ein oder zwei Jahren spielen eigentlich immer für sich. Da ist eine individuelle Betreuung bei einer Tagesmutter sehr sinnvoll. Ab drei Jahren wollen sie dann mehr und mehr auch mit anderen Kindern spielen. Dann wird es Zeit für den Kindergarten“, sagt sie.

Nach Ansicht von Karin Huck ist das Wissen um die Möglichkeit einer Kinderbetreuung durch eine Tagesmutter zum Teil in Vergessenheit geraten. „Dabei ist es recht einfach, einen Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter zu bekommen und ist ähnlich günstig wie eine Betreuung im Hort“, schildert sie. Die Elternbeiträge für den Betreuungsplatz liegen etwa bei 200 Euro. Interessierte müssten lediglich im Landratsamt einen formlosen Antrag auf einen Betreuungsplatz stellen. Zuvor erhalten Eltern die Kontaktdaten der Infrage kommenden Tagesmütter, die freie Betreuungsplätze haben.

Beim persönlichen Kontakt der Eltern mit der Tagesmutter sollen dann individuelle Fragen geklärt werden. Circa zwei bis vier Wochen vor dem geplanten Beginn der Tagespflege wird ein Betreuungsvertrag zwischen Eltern, Tagesmutter und Landratsamt geschlossen. Momentan verfügt der Saale-Orla-Kreis über vier sogenannte Kindertagespflegestellen. Sie verteilen sich auf Schleiz, die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Seenplatte, zu der auch Pahnstangen gehört, die VG Triptis und die VG Oppurg. Aktuell sind sechs von zwölf Betreuungsplätzen bei Tagesmüttern frei. In Schleiz gibt es zurzeit keine freien Plätze.

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