Passfotos vom Amt: Bei der VG Seenplatte gibt es das schon

Oettersdorf/Schleiz/Tanna/Bad Lobenstein.  Der Vorstoß des Bundesinnenministeriums, Passbilder ab 2022 in Bürgerbüros der Ausweisbehörden anzufertigen, ist im Schleizer Oberland umstritten.

Sabrina Woche vom Einwohnermeldeamt der Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte in Oettersdorf fertigt auf Wunsch Passbilder zwecks Ausstellung von Personaldokumenten an.

Sabrina Woche vom Einwohnermeldeamt der Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte in Oettersdorf fertigt auf Wunsch Passbilder zwecks Ausstellung von Personaldokumenten an.

Foto: Peter Cissek

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Passfotos sind leicht manipulierbar. Das sagt das Bundesinnenministerium und will diese Aufgabe ab 2022 prinzipiell an die Ausweisbehörden übergeben. Während man in den Rathäusern und Fotostudios im Schleizer Oberland über diesen Regierungsvorstoß diskutiert, werden im Einwohnermeldeamt der Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte in Oettersdorf bereits seit über zehn Jahren Passbilder für Personaldokumente angefertigt.

„Da viele gehbehinderte und ältere Menschen nicht noch zusätzlich ins Fotostudio in die Stadt fahren wollten, kam unsere damalige Vorsitzende Martina Voll auf die Idee, dass wir in der Verwaltungsgemeinschaft selbst Passfotos anfertigen. Denn die Menschen müssen, wenn sie einen neuen Personalausweis oder Reisepass beantragen, sowieso zu uns kommen“, sagte Sabrina Woche vom Einwohnermeldeamt der VG Seenplatte. Eigens dafür hat sich die Verwaltung eine kleine Digitalkamera samt Stativ und Leinwand für den Hintergrund angeschafft. Im Jahr 2015 hat Sabrina Woche mit 553 die meisten Passfotos geschossen. Etwa doppelt so viele Personaldokumente wurden in jenem Jahr ausgegeben. In den anderen Jahren lagen die Zahlen niedriger. Drei Euro kostet das Passfoto, das ausschließlich digital übertragen wird. „Wir geben den Leuten keine Passfotos mit, da wir nicht in Konkurrenz zu den Fotostudios treten wollen“, sagte Sabrina Woche. Sie sehe kein Problem, die Übereinstimmung zwischen Antragsteller und mitgebrachtem Passfoto zu überprüfen. „Wenn das Foto nicht aktuell ist, bitte ich um ein neues“, sagte sie.

Die Stadtverwaltung Schleiz habe noch keine Vorbereitung getroffen, um beispielsweise ein Selbstbedienungsterminal für Passfotos aufzustellen. „Wir hoffen, dass das nicht kommt. Denn wir wollen die Fotostudios nicht um eine wichtige Einnahmequelle bringen“, sagte Hauptamtsleiter Christian Berndt. 480 Personalausweise und 275 Reisepässe hat das städtische Einwohnermeldeamt im vergangenen Jahr ausgestellt.

„Meiner Ansicht nach ist es nicht notwendig, Selbstbedienungsterminals zur Erstellung der Passbilder in den Meldebehörden zu installieren. Der Antragsprozess würde sich verlängern und gerade ältere Einwohner würden sich hierbei schwer tun“, teilte Michael Groth, Leiter Bürgerbüros der Stadtverwaltung Tanna, mit. Passfotos könnten im Schreibwarenladen gegenüber des Rathauses gemacht werden.

„Biometrische Fotos für Personaldokumente sind ein wichtiges Standbein für mein Geschäft“, sagte Steffi Hohlbein vom Ringfoto-Bilderboot unweit des Schleizer Rathauses. Karsten Schmidt von Photo König in Bad Lobenstein sagte, dass Passfotos einen Anteil von rund 25 Prozent des Umsatzes ausmachen. „Wenn wir keine Passfotos mehr machen dürfen, können wir unseren Laden schließen und nur bei Bedarf wie manche Hochzeitsfotografen öffnen“, sagte der Chef von zwei festangestellten Mitarbeiterinnen. Beide Geschäftsinhaber sagten, dass die Fotografenverbände gegen dieses Vorhaben Sturm liefen.

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