Schleiz: Wenn Schulverweigerer nicht zur Schule dürfen

Burgk  In der Awo-Kindereinrichtung im Schleizer Ortsteil Burgk werden Schüler, die sehr oft den Unterricht schwänzten, pädagogisch intensiv betreut. In Zeiten des Lockdown eine große Herausforderung.

Mia rodelt am Hang neben der Einrichtung. Im Awo-Kinderheim Burgk werden Schulverweigerer pädagogisch intensiv betreut und wieder in den Unterrichtsalltag integriert.

Mia rodelt am Hang neben der Einrichtung. Im Awo-Kinderheim Burgk werden Schulverweigerer pädagogisch intensiv betreut und wieder in den Unterrichtsalltag integriert.

Foto: Peter Cissek

Schüler, die dauerhaft den Unterricht schwänzen oder wegen Verhaltensauffälligkeiten als nicht beschulbar gelten, werden in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Burgk pädagogisch intensiv betreut. Ziel ist es, die Schulverweigerer wieder in den Unterrichtsalltag zu integrieren und auf eine Berufsausbildung vorzubereiten. Doch wegen der verschärften Corona-Eindämmungsmaßnahmen dürfen auch die Bewohner der Awo-Einrichtung derzeit nicht zur Schule. Beim häuslichen Unterricht stößt das Heim jedoch an seine Grenzen.

Computer sind Mangelware

Die 15 Bewohner im Alter zwischen sechs und 18 Jahren stammen aus Berlin, Gera, Chemnitz, Zwickau, dem Vogtland- und Saale-Orla-Kreis. „Weil ihre Eltern erziehungsunfähig sind und es nicht auf die Reihe brachten, ihre Kinder regelmäßig zur Schule zu schicken, sammelten sich enorme Fehlzeiten an. Die Jugendämter haben gehandelt“, erklärte die Leiterin der spezialisierten Einrichtung, Ellen Krause. In normalen Zeiten wurden die Burgker Heimbewohner mit Kleinbussen in die Schulen nach Remptendorf, Schleiz, Oettersdorf, Neustadt, Gefell und Tanna gefahren. Doch aus der logistischen Herausforderung ist eine neue geworden: Anders als eine Tierpfleger-Auszubildende werden die 14 Schüler „häuslich unterrichtet“, wofür ihnen lediglich ein Computer zur Verfügung steht. „Wenn unsere Kinder Fernunterricht am Computer machen sollen, dann kommen wir an unsere Grenzen“, sagte die Einrichtungsleiterin. Sie wäre sehr dankbar, wenn Unternehmen oder Privatpersonen nicht mehr benötigte, internetfähige Computer spenden könnten. Denn momentan sei es so, dass die Lehrer ihren Schülern die Aufgaben online zuschicken. „Wir drucken diese dann aus. Viel mehr geht nicht“, sagte Ellen Krause, die die Schüler der 1. bis 10. Klasse abwechselnd und in Schichten mit Erzieher Ralph Hennig beim Heimunterricht unterstützt.

Mit Bogenschießen dem Lagerkoller entkommen

Dank des 1,5 Hektar großen Geländes und zahlreicher Freizeitmöglichkeiten hätten die Bewohner des 1922 errichteten und in den 90er-Jahren von der Arbeiterwohlfahrt sanierten Gebäudes gute Möglichkeiten, einem Lagerkoller zu entkommen. Dieser Tage toben sich die Schüler in ihrer Freizeit vor allem beim Rodeln aus. Nebenan gibt es zudem eine Bogenschießanlage, die Ralph Hennig als Mitglied des Schützenclubs Neundorf bei Bad Lobenstein betreut. „Wir haben jeweils eine Gruppe im Alter von sieben bis 13 und eine von 14 bis 18 Jahre. Beim Bogenschießen lernen sich unsere Bewohner zu konzentrieren und werden ehrgeizig, weshalb wir auch Wanderpokale angeschafft haben. Das Wichtigste ist, dass sie bei dieser Sportart die Einhaltung von Regeln lernen und nicht den ganzen Tag auf das Handy schauen“, sagt Ralph Hennig. Dazu trage auch eine organisierte aktive Freizeitgestaltung bei. Wenn kein Shutdown herrscht, können die Kinder nicht nur über die Kreismusikschule Instrumente erlernen. Die von Musiklehrer Robert Walter angeleitete Hausband Blacksheep trat schon zu verschiedenen Festen in der Region auf. In der Holz- und Kreativwerkstatt wurden im vergangenen Jahr ein Pavillon für die Streuobstwiese und Hochbeete für das Gelände errichtet.

„Am besten ist es, wenn unsere Bewohner ihren Schulabschluss in unserer Region machen. Denn bei Rückkehr in ihr früheres Umfeld stellen sich ganz oft die alten Verhaltensweisen ein. Wir hatten zwei Jungen, die in der Region ihr soziales Umfeld gefunden haben und nicht zurück nach Berlin wollten. Sie haben ihre Ausbildung angefangen und wollen sich hier eine Arbeit suchen. Manche kommen Jahre später zu Besuch und berichten stolz von ihrem Werdegang“, sagte Ellen Krause.