Tablet statt Schulbuch

Schleizer Regelschule ist Vorreiter beim digitalen Lernen

Schleiz.  An der Goetheschule in Schleiz haben sich knapp 100 Lehrer aus Schulen in Thüringen angesehen, wie Schüler mit iPads lernen.

Emma Mayer (l.) und Larissa Reißig lösen Mathematik-Aufgaben mit ihren iPads. An der Schleizer Regelschule fand am Donnerstag die inzwischen dritte Auswertungsveranstaltung zum digitalen Lernen mit iPads statt.

Emma Mayer (l.) und Larissa Reißig lösen Mathematik-Aufgaben mit ihren iPads. An der Schleizer Regelschule fand am Donnerstag die inzwischen dritte Auswertungsveranstaltung zum digitalen Lernen mit iPads statt.

Foto: Peter Cissek

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Die Achtklässlerinnen Larissa Reißig und Emma Mayer lösen ihre Mathematik-Aufgaben zu „Terme, Gleichungen und rationalen Zahlen“ nicht im Schulheft, sondern auf einem iPad. „Wir geben unsere Lösungen ein und sehen, ob die Antwort richtig oder falsch ist. Wenn wir eine Antwort öfter falsch angeben, wird uns im Video der Lösungsweg erklärt. Das ist einfacher als in einem Schulbuch“, erklärte Larissa Reißig. Die beiden Mädchen gehören zu jenen 61 Schülern der Schleizer Regelschule, die knapp 100 Teilnehmern des inzwischen dritten „iPad-Events“, darunter Vertretern aus Schulen in Thüringen, die Vorzüge und Nachteile des digitalen Lernen erklärten.

Eltern und Lehrer bezahlen iPads selbst

Die Schleizer Goetheschule hat vor sechs Jahren den Schülern die Möglichkeit gegeben, mit elternfinanzierten Tablets des US-amerikanischen Herstellers Apple zu arbeiten. Seitdem wurden zwölf iPad-Klassen ins Leben gerufen, von denen es noch neun an der Schule gibt. „Die Eltern jener Schüler haben insgesamt 135.000 Euro für die Tablets bezahlt. Auch jeder der knapp 30 Lehrer hat mindestens ein iPad gekauft, manche haben inzwischen das vierte Gerät. Wenn wir das zusammen rechnen, kommen wir inklusive Weiterbildungen mit Fahrtkosten und Übernachtungen auf einen Preis von 75.000 Euro. Wir haben an unserer Schule für etwa 60.000 Euro eine entsprechende Infrastruktur geschaffen. Das sind alles eigenerwirtschaftete Mittel durch den Förderverein, durch Spenden und die Initiative meiner Kollegen“, erklärte Schulleiter Toralf Hieb die von einem Behördenvertreter kritisierten „Schleizer Verhältnisse“.

Der Schulleiter setzt auf die Freiwilligkeit und das Engagement interessierter Lehrer und halte nichts von Zwangslehrgängen. Immerhin will die Bildungseinrichtung Schüler auf Berufe vorbereiten, die es noch nicht gibt, so Hieb. Dank einer Anschubfinanzierung der Kreissparkasse konnte der Schulförderverein den ­Eltern eine Ratenzahlung für die rund 400 Euro teure Schulversion des iPad Pro anbieten. Es gibt aber auch Schulfächer, in denen das gedruckte Schulbuch im Unterricht den Vorzug findet.

Lehrer Florian Rau erklärte den Teilnehmern der später am Tag stattfindenden Workshops an Beispielen aus der Praxis, wie es gelingt, Schüler interaktiv zum Lernen zu motivieren.

Mit Sdui verfüge die Schule über eine whatsapp-ähnliche Plattform zur Kommunikation von Lehrern, Schülern und Eltern.

Thüringencloud ab Januar

Julia Günther vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) erklärte den Teilnehmern die Details der „Thüringencloud“, die ab Januar 2020 von den Schulen genutzt werden soll. Als Bestandteil des Thüringer Schulportals soll die Cloud den Lehrern unter anderem die Möglichkeit geben, ihre Materialien einzustellen, damit im Krankheitsfall der Vertretungslehrer auf die aktuellen Inhalte des Kurses zugreifen kann. Außerdem können auf diese Weise Erfahrungen der Pilotschulen thüringenweit verbreitet werden, nannte Julia Günther einige Beispiele. Schüler könnten über diese Plattform zeit- und ortsunabhängig Aufgaben gestellt bekommen und die Ergebnisse senden.

Den Erlös aus dem Imbiss- und Getränkeverkaufs will die Goetheschule an ihre neuen Partnerschule in Uganda spenden.

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