Einstiges Kinderheim Sonnenschein: Seit 100 Jahren Teil von Ebersdorf

Ebersdorf  Vom Kinderheim Sonnenschein der Brüdergemeine über Rüstzeitenheim zur Buga 2021-Herberge. Festschrift erhältlich.

Die Gäste feierten das Jubiläum des ehemaligen Kinderheims Sonnenschein in Ebersdorf.

Die Gäste feierten das Jubiläum des ehemaligen Kinderheims Sonnenschein in Ebersdorf.

Foto: Sandra Smailes

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Aus der Not heraus ist vor 100 Jahren das Kinderheim Sonnenschein in Ebersdorf entstanden. Nun wurde mit zahlreichen Gästen der runde Geburtstag gefeiert, auch wenn das Haus schon lange nicht mehr als Kinderheim genutzt wird, sondern als Herberge für Rüstzeiten, Familienfeiern, ­Seminare und Stille Tage dient.

Das Gebäude gehört zur Herrnhuter Brüdergemeine Ebersdorf, wird vom Ältestenrat verwaltet und vom Freundeskreis „Sonnenschein“ unterstützt. Pfarrer Albrecht Stammler leitet die Geschäfte und führte zum Fest durch das Haus.

Dabei hatte er zahlreiche ­Fragen zum damaligen Leben zu beantworten und die heutigen Nutzungsmöglichkeiten zu erläutern.

Zum Beispiel auch, dass das Angebot bis 2021, wenn Ebersdorf als Außenstandort der Bundesgartenschau in den Park, auf den Zinzendorfplatz und den Gottesacker der Brüdergemeine einlädt, für Tages- und Übernachtungsgäste noch ausgebaut werden könnte. Vielleicht wird es zudem Angebote zum Mittagessen geben.

Was heute eine so großartige Geschichte birgt, ist aus der Not geboren: Der Anstoß für die Einrichtung des Kinderheimes kam aus Herrnhut. Dort hatten die Schwestern Toni und Hilde ­Moeschler bereits 1910 ein Kinderheim gegründet.

In einem Brief nach Ebersdorf beschreibt die Schwester im ­April 1918 die Not: „Wir haben hier zumeist recht elende, schwächelnde Kinder. Die Hälfte stammt aus Familien, in denen Tuberkulose verbreitet ist. Dazu haben Trunksucht der Eltern, mangelhafte Pflege und schlechte Wohnungsverhältnisse das ihrige getan, um die Kinder körperlich und seelisch zugrunde zu richten.“

Daraufhin beschloss der ­Ältestenrat der Herrnhuter Brüdergemeine, in Ebersdorf ein Kinderheim einzurichten. Schon bald darauf kamen die ersten Kinder. Die Nachfrage nach Heimplätzen war groß. 1921 waren 21 Schulkinder, dazu mehrere Kleinkinder und Säuglinge im Haus, bald reichte der Platz nicht mehr aus.

So wurde 1922 ein zweites Gebäude zum Kinderheim Gottesschutz. Dadurch konnten die Säuglinge und Kleinkinder und die größeren Kindern getrennt voneinander wohnen. 1941 lebten in Ebersdorf 104 Heimkinder.

Diese wurden von der Diakonissenanstalt Emmaus, der Kirchgemeinde und vielen Einwohnern unterstützt. All das und viele Informationen, ­Geschichten und Bilder aus 100 Jahren Sonnenschein sind in der Festschrift nachzulesen, die Heinz-Dieter Fiedler zum ­Jubiläum erstellt hat.

Zu DDR-Zeiten wurde die Belegung mit Heimkindern weniger und ab 1960 konnten Schaustellerkinder aufgenommen werden. Diese besuchten die Ebersdorfer Schule, waren Pioniere, wurden von den Schwestern im Heim aber christlich erzogen. Eine Besucherin zum Fest am Samstag sagte, dass sie von der ersten bis zur zwölften Klasse ein Schaustellerkinder als Klassenkameradin hatte und nun sehen wolle, wie das Haus eingerichtet war.

Ein Kinderzimmer, der kleine Speisesaal und die Küche sind noch fast original eingerichtet und weckten so mache Erinnerung. So auch bei Johanna Tauchnitz. Sie hat 1967/1968 ihr Eignungsjahr zur Kinderdiakonin im Haus Sonnenschein verbracht und kam zum Jubiläum am Samstag wieder. Pfarrer Albrecht Stammler freute sich über ihren Besuch, wie über das Interesse der anderen Gäste am Haus.

Gegenwärtig wird mit zwei Mitarbeiterinnen der Gastbetrieb geführt. Die 40 Betten sind oft belegt, doch an die Auslastung von damals, im Jahr 1998 wurden von Heimleiterin Magdalena Fiedler 6600 Übernachtungen notiert, kommt man nun nicht mehr ganz heran. Gäste sind jederzeit willkommen, ob in Bläsertreffen, Jugendfahrten, Klassentreffen oder als Kaffeegäste von Familienfeiern. Wie gut es sich dort feiern lässt, wurde am Samstag bewiesen. Mit Bastel- und Spielangeboten, Kaffee und Kuchen, Gebratenem vom Rost, Bläsermusik, Führungen durch das Haus und allerlei Geschichten waren alle Gäste gut versorgt und bestens unterhalten.

Kontakt: Freundeskreis Rüstzeitenheim/ Pfarramt der Brüdergemeine, Albrecht Stammler, Tel. 036651/ 870 06

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