Tanna um Erdgasnetz bemüht

Tanna  Verhandlungen mit der Thüringer Energie AG laufen. Das könnte das Aus für die Fernwärmeversorgung bedeuten.

Ein Blick von einer Drohne auf Rothenacker, dem Ortsteil von Tanna, in dem das Blockheizkraftwerk der Güterverwaltung Nicolaus Schmidt steht, dessen ­Wärme die Fernwärmeversorgung Tanna bezieht.

Ein Blick von einer Drohne auf Rothenacker, dem Ortsteil von Tanna, in dem das Blockheizkraftwerk der Güterverwaltung Nicolaus Schmidt steht, dessen ­Wärme die Fernwärmeversorgung Tanna bezieht.

Foto: Stadtverwaltung Tanna/Michael Groth

Die Stadt Tanna befindet sich mit der Thüringer Energie AG in Verhandlungen, um die Häuser in der Stadt und den Ortsteil Frankendorf mit Erdgas zu versorgen, teilte Bürgermeister Marco Seidel am Montag (parteilos) mit. Sollte das gelingen, würde das perspektivisch das Aus für die Fernwärmeversorgung Tanna GmbH bedeuten. Denn dem Unternehmen machen immer häufiger undichte Leitungen im 11,5 Kilometer Versorgungsnetz zu schaffen.

Kohleöfen sorgten vor der Wende für Smog im Ort

Im Februar und März 2018 gab es elf Leckagen im Leitungssystem. Bei einem Fernwärmekunden kam es zu drastischen Schäden in der Wohnung. Die Schließung der Lecks führte teilweise zu Versorgungsstörungen, heißt es im Beteiligungsbericht des Unternehmens, der zur jüngsten Stadtratssitzung zur Kenntnis genommen und bestätigt wurde.

„Die Gesellschaft hat üblicherweise einen jährlichen ­Reparaturaufwand von 35.000 Euro. Die Reparatur des Leitungsnetzes im Jahr 2018 verursachte zusätzliche Kosten in Höhe von knapp 90.000. Dies schlägt sich bezogen auf die Erfolgsrechnung in den Jahresfehlbeträgen nieder. Bezüglich der Liquiditätsplanung konnten wegen dieser zusätzlichen Ausgabe die Zahlungsrückstände gegenüber der Güterverwaltung und der Biokraft GmbH nicht abgebaut werden. Und diese haben sich sogar noch erhöht. Des Weiteren gibt es noch Rückstände bei Lohn- und Gehaltszahlungen sowie gegenüber der Stadt Tanna. In den nächsten Monaten müssen diese Rückstände deutlich abgebaut werden“, erläuterte Fernwärme-Geschäftsführer Aribert Ondrusch.

Die Fernwärmeversorgung Tanna GmbH hat im Zeitraum von 2012 bis 2018 die Verbindlichkeiten der Gesellschaft um 700.000 Euro auf 1,1 Millionen Euro reduziert, obwohl neue Kredite in einem Gesamtvolumen von 208.000 Euro aufgenommen wurden. Diese dienten zur Finanzierung der Haus­anschlüsse, Ölkessel und Pkw.

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung zum 30. Juni 2019 weist nach dem ersten Halbjahr einen Gewinn von 64.000 Euro aus. Die Reparaturkosten werden im zweiten Halbjahr noch um circa 20.000 Euro über dem üblichen Rahmen liegen. ­Ursächlich dafür sind die ­Anschlusskosten für einen Ölkessel, heißt es im Beteiligungsbericht.

Vor der Wiedervereinigung Deutschlands erfolgte die Wärmeerzeugung und Warmwasseraufbereitung in den Haushalten Tannas hauptsächlich über Kohleheizung mit Einzelfeuerstellen in jedem Zimmer. Durch den Brennstoff, die Vielzahl der Einzelfeuerstellen und das Fehlen von Filtertechnik kam es zu einer erheblichen Umweltbelastung. Die örtlichen landschaft­lichen Gegebenheiten führten noch zu einer Zuspitzung der Smogsituation in Tanna. Um dem entgegen zu wirken, wurde am 26. Januar 1993 die Fernwärmeversorgung Tanna gegründet. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb eines Wärmeversorgungssystems, bestehend aus einem Heizkraftwerk auf der Basis von Biomasse und die Versorgung der an das Leitungssystem angeschlossenen und anschließbaren Kunden mit Wärme und Warmwasser. „Der öffentliche Zweck des Unternehmens in der Gründungsphase bestand darin, durch eine zentrale Wärme- und Warmwasserversorgung die Umweltbelastung drastisch zu reduzieren und die Luft dadurch nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig sollte eine preiswerte Versorgung der angeschlossenen Haushalte mit Wärme und Warmwasser erreicht werden“, erklärte Geschäftsführer Ondrusch. Um den Kunden einen kostendeckenden, günstigen Wärmebezugspreis anbieten zu können, wurde Ende 2010 ein Biogas-Blockheizkraftwerk der Güterverwaltung „Nicolaus Schmidt“ AG errichtet. Im Februar 2012 wurde der ­Agro-Forst-Kessel im neuen Heizhaus an das Netz angeschlossen, im Herbst 2012 ein Pufferspeicher mit einem Speichervolumen von 50 Kubikmeter in Betrieb genommen. Die Aufgabe des Pufferspeichers besteht darin, Tagesspitzen abzufangen. In den Nachtstunden wird der Pufferspeicher geladen und in Spitzenbelastungszeiten in den Morgenstunden sowie in den frühen Abendstunden kann Wärme aus dem Speicher in das Netz eingespeist werden.

Der Pufferspeicher bewährt sich in den Übergangszeiten. Im Frühsommer 2013 war es deutlich zu kühl. Ohne den Pufferspeicher hätte an vielen Tagen mit Öl zugeheizt werden müssen, so Ondrusch. Im Mai 2019 hat die Gesellschaft einen gebrauchten Ölkessel mit einer Leistung von zwei Megawatt gekauft. Dieser Kessel ersetzt den Bioflamm-Kessel von 2002, der irreparabel verschlissen war.

Der neue Biomassekessel kann auch geschreddertes Material und Landschaftspflegeholz verwerten. Er ermöglicht es, Holzabfälle einer energetischen Nutzung zuzuführen, die üblicher Weise kompostiert werden.

„Nicht außer Acht gelassen werden soll neben den wirtschaftlichen Faktoren auch der ökologische Aspekt. Die Prozesswärme des Biogas-Blockheizkraftwerkes wird einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Eine bislang nur wenig genutzte Ressource wird genutzt, gleichzeitig der wertvolle Rohstoff Holz eingespart“, erklärte Ondrusch. Neben dem Geschäftsführer hat die Fernwärmeversorgung zwei Mitarbeiter. Einer davon arbeitet zu 75 Prozent für die Fernwärmeversorgung und zu 25 Prozent für die Stadt.

Die Wärmeversorgung in Tanna erfolgt derzeit zu 48 Prozent über die Fernwärme. Darüber hinaus heizen laut Geschäftsbericht 32 Prozent der Haushalte und Einrichtungen mit Heizöl, zehn Prozent mit Kohle und Scheitholz und zehn Prozent mit Gas und anderen Medien. Zum 30. Juni 2019 waren von 455 potenziellen Fernwärmekunden im Einzugsbereich des Fernwärmenetzes 218 Ein- und Mehrfamilienhäuser, Betriebe und Einrichtungen an das Fernwärmenetz angeschlossen. ­Aktuell werden 436 Haushalte und Gewerbeobjekte von der Fernwärmeversorgung Tanna GmbH versorgt.

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Neuer Aufsichtsrat bestellt

Nach den Kommunalwahlen im Mai 2019 hat die Gesellschafterversammlung einen neuen Aufsichtsrat für die Fernwärmeversorgung Tanna GmbH bestellt.

Er besteht aus folgenden Mitgliedern: Hartmut Glück (Künsdorf), Ralf Hüttner (Tanna) Dieter Seidel (Tanna), Janett Voigt ­(Tanna), Marcel Weinert (Willersdorf) und Ronny Wolf (Tanna).

Die konstituierende Sitzung des neuen Aufsichtsrates wird im Oktober 2019 stattfinden.

Alleiniger Gesellschafter ist die Stadt Tanna. Die Fernwärmeversorgung Tanna GmbH hat keine Beteiligung an anderen Unternehmen.

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