Tourismusprojekte in Harra und Saalburg vor dem Baustart

Harra/Saalburg.  Der Rosenthaler Bürgermeister Peter Keller und die Saalburger Privatinvestorenfamilie Anders erklären bei der Regionalkonferenz ihre Vorhaben.

Die Gemeinde Harra gehört zu den besonders leidtragenden Orten, wenn Tourismusangebote immer wieder durch den niedrigen Pegel im Stausee beeinträchtigt sind. Hier der Blick auf den Campingplatz am Trepplesfelsen.

Die Gemeinde Harra gehört zu den besonders leidtragenden Orten, wenn Tourismusangebote immer wieder durch den niedrigen Pegel im Stausee beeinträchtigt sind. Hier der Blick auf den Campingplatz am Trepplesfelsen.

Foto: Peter Hagen

Als der Rosenthaler Bürgermeister Peter Keller (Freie Wähler) bei der Regionalkonferenz „Thüringer Meer 2020“ von den Problemen bei den Planungen für den Aussichtsturm an der Hohenwarte-Staumauer hörte, machte er als Referent einen Vorschlag: „Also ich würde den Turm gern nehmen und im Ortsteil Kießling auf den Rennsteig stellen. Die Besucher hätten eine schöne Aussicht auf das Thüringer Meer in Harra und die geplanten längsten Hängebrücken der Welt über das Höllental“, sagte Keller.

Bei der Konferenz am Donnerstagabend in Krölpa wurde deutlich, dass die touristische Entwicklung an der Bleilochtalsperre einen Schritt weiter ist als am Hohenwarte-Stausee, es aber dennoch etliche Probleme zu lösen gilt.

Harra ist einer der acht Orte am Thüringer Meer und neben Saaldorf, Saalburg, Staumauer Bleiloch und Ziegenrück einer von fünf Anker- beziehungsweise Ankunftsorten im Saale-Orla-Kreis, die über eine Kommunale Arbeitsgemeinschaft (KAG) mit Unterstützung des Freistaates touristisch entwickelt werden.

Harra und Blankenstein als Schnittstelle zwischen Rennsteig und Thüringer Meer

„Unsere Ortsteile Harra und Blankenstein bilden eine einmalige Schnittstelle zwischen Rennsteig, Thüringer Meer und den künftig längsten Hängebrücken der Welt“, sagte Bürgermeister Peter Keller. Er zählte auf, was vom Abriss der Industriebrache und Errichtung des Wanderdrehkreuzes mit Touristinformation am Blankensteiner Selbitzplatz bis zum Campingplatz Trepplesfelsen am Saale-Ufer bei Harra in den vergangenen Jahren alles entstanden ist.

In Harra besteht bereits saisonal die Möglichkeit, mit Ausflugsschiffen anzukommen und auf einem zu übernachten. Es gibt ferner direkte Anlegemöglichkeiten für den privaten Bootsverkehr. Geplant sind elektrische Anschlüsse, damit die Boote ihre Dieselmotoren über Nacht ausschalten können, aber auch E-Bike-Ladestationen in beiden Ortsteilen. In Harra soll in den nächsten zwei Jahren eine Mountainbike-Arena entstehen, ferner eine Ruhe- und Erholungszone, ein Themenspielplatz unter anderem mit einem Holzschiff und Wackelfloß sowie eine Lichtinstallation auch für die Bogenbrücke.

In Blankenstein sollen der Wanderstützpunkt umgebaut und ganzjährige Gastronomie- und Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden. Peter Keller erhofft sich nach Fertigstellung der beiden Hängebrücken im benachbarten oberfränkischen Lichtenberg im Jahr 2023 deutlich mehr Touristen. Denn ein Teil der jährlich erwarteten 450.000 Besucher werde in Blankenstein von der Bahn in Elektrobusse umsteigen, die sie zu den Brücken im Höllental fahren und auch wieder zurückbringen. Auch die Insassen der 100 Pkw, für die ein Parkplatz bei Blankenstein entsteht, sollen die Elektrozubringerbusse nutzen.

Die Gäste in Harra holen auch Heike und Claus Anders ab, die im Jahr 2019 die Fahrgastschifffahrt Saalburg einschließlich des Werftgeländes gekauft haben und nun unter Marina Saalburg firmieren. „Wir würden Harra künftig gern mit einem Elektroschiff anfahren. Doch ein solches kostet leider ein Vielfaches eines Ausflugsschiffes mit Dieselantrieb“, erklärte Claus Anders, weshalb er sich mit seiner Frau ein solches nicht leisten könne.

Er bedauerte, dass es herstellerseitig keine Linienschiffe gäbe, die ausreichend Fahrräder und Pedelecs an Bord nehmen könnten. „In Brandenburg haben von 90 Besuchern etwa 70 ein Fahrrad dabei. Wir werden unser Schiff umbauen, um den Trend nicht zu verschlafen“, sagte Claus Anders, der auch Nachholbedarf bei den Radwegen am Stausee sieht.

Er kritisierte das regelmäßige Ablassen des Wassers aus dem Stausee durch Kraftwerksbetreiber Vattenfall, was enorme Probleme für die Fahrgastschifffahrt sowie lange Wege und viele Treppen für die Passagiere mit sich bringe. „Wir hoffen, wenn die neuen barrierefreien Zugänge zu den Schiffen errichtet werden, dass wir mehr gehbehinderte Passagiere mitnehmen können“, sagte Claus Anders.

Er kritisierte ferner, dass auf der Autobahn keine Vorwegweiser für die einseitig gesperrte Anschlussstelle Schleiz existieren, Gäste Umwege fahren müssen und zu spät kommen.

Die aus dem Landkreis Hof stammende Familie Anders hat 2004 ein Feriengrundstück in Saalburg und vier Jahre später sowie 2018 weiterer Grundstücke für einen möglichen Yachthafen mit Gastronomie erworben. „Aufbauend auf den bisherigen Entwicklungen starten wir im Herbst mit dem Ausbau der Sanitäranlagen auf dem Werftgelände. Im Anschluss erfolgt die Modellierung des Geländes und die Erschließung von Caravan-Stellplätzen bis 2021. Zudem soll das Portfolio durch die Planung und Ausschreibung von XS Ferienhäusern erweitert werden“, sagte Claus Anders.

Schwimmbus im Linienverkehr

Die Idee, einen Schwimmbus im Linienverkehr auf beiden Stauseen und zwischendurch auf der Straße fahren zu lassen, ist ausgearbeitet und werde derzeit bewertet, sagte Frank Drehmann von der Wenzel & Drehmann Planungs-Entwicklungs-Management GmbH aus Weißenfels.

Thomas Fügmann (CDU), KAG-Vorsitzender und Schleizer Landrat, erklärte als eine Lehre aus der Corona-Pandemie, dass der Fahrradtourismus – in der hügeligen Saalelandschaft insbesondere per E-Bike – enorm zugenommen habe und der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur beschleunigt werden müsse.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief die Digitalisierung und Vernetzung der touristischen Angebote am Thüringer Meer zur Schicksalsfrage aus. Das betreffe nicht nur die aktuellen gastronomischen Angebote und Öffnungszeiten. „Am Koberfelsen hat die Landesbehörde eine wunderbare Schautafel mit allen Informationen und QR-Code aufgestellt, an der einzigen Stelle, an der es keinen Handyempfang gibt. Die Sinnhaftigkeit einer solchen Tafel erschließt sich mir als Digitalnutzer nicht“, nannte Ramelow ein Beispiel.