Urgestein Siegmar Hellfritsch verlässt Marmorwerk Saalburg

Saalburg.  Siegmar Hellfritsch wird nach 50-jähriger Tätigkeit im Saalburger Marmorwerk in den Ruhestand gehen.

Siegmar Hellfritsch bekommt zum Abschied von Geschäftsführer Martin Bentz eine Kettensäge geschenkt.

Siegmar Hellfritsch bekommt zum Abschied von Geschäftsführer Martin Bentz eine Kettensäge geschenkt.

Foto: Oliver Nowak

Im Alter von 14 Jahren begann Siegmar Hellfritsch am 1. September 1970 im Marmorwerk Saalburg seine Ausbildung zum Steinmetz. Nun, 50 Jahre später, verlässt der heute 65-Jährige das Unternehmen und geht in den Ruhestand.

Steine in der Reichskanzlei verbaut

Auf dem Gelände des Marmorwerkes Saalburg stehen unzählige Marmorsteine aller Farbvariationen. Sie sind grau, gelb oder schwarz mit unterschiedlicher Musterung. Und auch Blöcke vom berühmten Saalburger Königsrot, der unter anderem in der Neuen Reichskanzlei unter Adolf Hitler verbaut worden war, sind auf dem Werksgelände noch zu finden.

Siegmar Hellfritsch wuchs quasi mit diesen Steinen auf. „Jeder Stein ist anders“ sagt er, eine Lieblingssorte habe er nicht, sagt der gelernte Steinmetz. Am 1. September 1970 begann er als 14-Jähriger seine Lehre im damaligen Volkseigenen Betrieb (VEB) Saalburger Marmorwerke. „Ich bin aus Wernsdorf, also bot es sich an, in den Marmorwerken zu lernen. Das Werk war zu dieser Zeit einer der modernsten Betriebe dieser Art und die Ausbildung solide“, erläutert der heute 65-Jährige seine Beweggründe, wie er zu seiner Arbeit als Steinmetz gekommen ist. „Wir haben unsere Lehrlinge nie wie Handlanger oder Deppen behandelt, sie haben immer eine fachbezogene Ausbildung erhalten und sind nicht zum Leberwurstbrote schmieren abgestellt worden“, schildert Hartmut Weber, der ehemalige Ausbilder von Siegmar Hellfritsch.

In den halben Jahrhundert seines Arbeitslebens im Saalburger Marmorwerk hat der Wernsdorfer viel erlebt. Die dort verarbeiteten Steine kamen von nah und fern: Kuba, Jugoslawien, Italien, Indien und China sind dabei nur einige Länder der Welt, die ihre Steine nach Saalburg zur Verarbeitung schickten. „Mir ist in den ganzen Jahren noch nie ein Stein auf den Fuß gefallen, nur mal eine Faserplatte“, sagt Siegmar Hellfritsch. Sein eindrucksvollstes Erlebnis in seiner 50-jährigen Arbeitszeit sei das Fest zur 100-Jahr-Feier der Marmorwerke gewesen. Das war 1988. „Da gab es einen großen Festumzug“, erinnert er sich.

Als die Steinplatten zu rutschen begannen

Für Martin Bentz, der seit zehn Jahren die Geschäftsführung der jetzigen Saalburger Marmorwerke GmbH inne hat, fällt der Abschied von Siegmar Hellfritsch sichtlich schwer. Er ringt um Fassung all das in Worte zu fassen, was der Wernsburger für ihn bedeutet. „Ist das ein guter oder ein schlechter Anlass? Es gibt Menschen, die wachsen einem ans Herz. Vertrauensvoll aufrichtig, ehrlich. Ich wünsche Ihnen das Beste, was es gibt, das Beste für einen so aufrichtigen Menschen wie Sie. Es ist mir eine Ehre, Sie kennengelernt zu haben“, sagt der Geschäftsführer. Die beiden verbindet offenbar viel. Mehrfach geraten die Worte Martin Bentz’ ins Stocken, als er von einem Erlebnis von vor gut acht Jahren erzählt. Damals sollten Steinplatten aufgeschichtet werden und Siegmar Hellfritsch warnte noch davor, dies auf zuvor angedachte Weise zu tun. Dann begannen die Steinplatten zu rutschen und Begruben den Geschäftsführer. Siegmar Hellfritsch rettete ihn mit weiteren Mitarbeitern. „Er hat immer mit Weitsicht gearbeitet und auf unser aller Sicherheit geachtet“, betont Martin Bentz. Und überhaupt: Wer könne heutzutage noch von sich behaupten, 50 Jahre lang in ein und dem selben Betrieb gearbeitet zu haben – Siegmar Hellfritsch ist wohl einer dieser Wenigen.

Als symbolisches Abschiedsgeschenk überreichte Martin Bentz seinem langjährigen Mitarbeiter am Montag eine hochwertige Kettensäge, weil Siegmar Hellfritsch auch oft im Wald unterwegs ist. „Das kann ich gut gebrauchen, schließlich hat der Borkenkäfer ja auch gewaltig zugeschlagen“, sagt der Wernsdorfer. Für ihn werde sein Ruhestand nicht allzu viel Ruhe bringen. „Auf meinem Gehöft habe ich noch jede Menge zu tun, was erledigt werden will, solange die Gesundheit mitspielt“, sagt er.

Wenn die Corona-Zeiten vorbei sind, so sagt Martin Bentz, möchte er ein großes Abschiedsfest für Siegmar Hellfritsch geben. Das sei bei dessen Leistungen mehr als angebracht.