Wenn Herbert Grönemeyer plötzlich vor der Tür steht

Wallenfels.  In einem regionalen Betrieb im oberfränkischen Wallenfels interessiert sich Herbert Grönemeyer für einen Flügel

Herbert Grönemeyer an dem Flügel, für den er sich interessiert.

Herbert Grönemeyer an dem Flügel, für den er sich interessiert.

Foto: Susanne Deuerling

Was haben der Musiker und Sänger Herbert Grönemeyer und Gerhard Deckelmann aus dem oberfränkischen Wallenfels gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts, außer dass der eine gerne die Musik des anderen hört. Aber auf den zweiten Blick sieht es anders aus, denn sie verbindet der Bezug zu Klavieren und Flügeln renommierter Hersteller.

Der eine, Herbert Grönemeyer spielt sie und der andere, Gerhard Deckelmann restauriert, lackiert und baut sie um. Was bleibt, ist die Freude an Instrumenten, die mehr sind als nur reine Gebrauchsgegenstände. Doch was bringt Herbert Grönemeyer und Gerhard Deckelmann nun zusammen? Als bekanntes Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen weltweit ist der „Klavierbau Deckelmann“ ein Begriff in der Musikwelt, vor allem bei den Flügeln und Klavieren.

Als vor einigen Wochen eine E-Mail an Gerd Deckelmann eingetroffen ist, wunderte er sich noch zusammen mit seiner Frau Edel, dass der Absender so heißt wie der bekannte Musiker. Es gab Interesse an einem Flügel der Marke „Steinway & Sons“ in einer schon höheren Preiskategorie. Als Tage später das Telefon klingelte und sich ein Mann meldete, den Gerd Deckelmann aber nicht so ganz verstanden hat, einen Besichtigungstermin ausmachte und bald darauf vor der Tür stand, war sich der Klavierbauer immer noch nicht sicher, ob es tatsächlich der bekannte Musiker war. „Dann stand er in meinem Laden, die Maske bis hoch zu den Augen gezogen und ich hab ihn nicht erkannt“, erinnert sich Deckelmann. Erst als Grönemeyer lachend sagte „Ich bin es wirklich“, habe er es geglaubt.

Der Flügel, der aus der Berlinger Philharmonie stammt und in der Werkstatt von Klavierbau Deckelmann renoviert wurde, fand bei Grönemeyer großen Anklang. Fast 30 Minuten spielte er bekannte Lieder wie „Der Weg“ aus dem Jahr 2002. „Er war sehr nett, ohne Starallüren, ein Mensch wie du und ich“, sagt Deckelmann nach dem Besuch. Herbert Grönemeyer informiert sich natürlich auch bei anderen Klavierbauern, aber der Konzertflügel aus Wallenfels ist noch im Rennen. Der Besuch des berühmten Künstlers blieb natürlich nicht unbemerkt. Die ganze Familie Deckelmann versammelte sich vor dem Geschäft für Fotos und Autogramme.

Das Unternehmen „Klavierbau Deckelmann“ gibt es seit 2008. Damals hat sich Gerhard Deckelmann selbstständig gemacht und restauriert, lackiert und erneuert Flügel und Klaviere zusammen mit einem freien Mitarbeiter. Bereits seit 1985 übt er diesen Beruf aus, zuerst in Weißenbrunn und nun in Wallenfels. Das große Spektrum seiner Dienstleistung hat ihm einen guten Namen in der Branche eingebracht und eben den Besuch von Herbert Grönemeyer.

Der am 12. April 1956 im niedersächsischen Göttingen geborene Musiker, Schauspieler, Produzent Herbert Grönemeyer gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Musikkünstler. Mehr als zehn Studioalben veröffentlicht der Sänger seit seinen Anfängen 1979. Ebenso zahlreich sind auch die Branchenpreise, die Grönemeyer dafür im Laufe seiner Karriere gewinnt: In der Kategorie „Bester Künstler National“ bekommt er seit 1992 immer wieder den Echo Musikpreis verliehen, auch der renommierte Adolf-Grimme-Preis findet sich in seiner Sammlung. Außerdem trat der sozial sehr engagierte Musiker in mehreren Filmen auf, wie beispielsweise „Das Boot“ oder „A Most Wanted Man“.