Wurzbacher Bürgermeister sieht nur „Teilerfolg“

Wurzbach  Mit dem Vorschlag, Waldflächen an Wurzbach zu geben, sind die Pläne von der Stilllegung noch nicht vom Tisch

Protestaktion im Juli in Rodacherbrunn. Die 300 Teilnehmer lehnen die Stilllegungsabsichten grüner Landespolitiker für 1400 Hektar Waldfläche ab.

Protestaktion im Juli in Rodacherbrunn. Die 300 Teilnehmer lehnen die Stilllegungsabsichten grüner Landespolitiker für 1400 Hektar Waldfläche ab.

Foto: Sophie Filipiak

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Lediglich als „Teilerfolg“ wird im Wurzbacher Rathaus das jüngste Schreiben aus dem Thüringer Umweltministerium bewertet, mit dem Ministerin Anja Siegesmund (Grüne) dem Bundesumweltministerium vorschlägt, dem Antrag der Stadt auf Übernahme von ­Naturerbeflächen stattzugeben. „Der Brief von Frau Siegesmund zeigt, dass die Landesregierung nicht begriffen hat, was wir eigentlich wollen“, ärgert sich Bürgermeister Jan Schübel (CDU).

Es geht um jene 1400 Hektar Wald im Raum Rodacherbrunn, der größtenteils einen reinen Fichtenbestand aufweist mit „eingestreuten Offenland-Lebensräumen“. Diese Fläche soll zunächst zu einem Mischwald umgeforstet und anschließend aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen worden. Doch genau gegen diese Stilllegungsabsichten regt sich seit Monaten heftiger Widerstand in der Region.

„Unsere Position ist klar“, sagt Jan Schübel, „wir sind für einen Waldumbau, aber nicht für eine Waldstilllegung.“ Es bleibe aus seiner Sicht falsch, dass das Thüringer Umweltministerium die Waldflächen bei Rodacherbrunn in das Nationale Naturerbe zur langfristigen Waldstilllegung einbringen will. Der Wurzbacher Bürgermeister gegenüber unserer Zeitung: „Ich hätte mir gewünscht, dass nach allen bisherigen Protesten die Landesregierung ihren Fehler erkennt und klar sagt, dass diese Flächen grundsätzlich nicht zur Stilllegung geeignet sind. Das wäre ein wirklicher Erfolg für uns.“

Der Vorschlag, die Waldfläche der Stadt Wurzbach zu übertragen, sei daher „maximal ein Teilerfolg“. Schübel weiter: „Wir haben immer gesagt, nur wenn die Landesregierung bei ihrem Vorschlag bleibt und sich nicht bewegt, ist die Stadt Wurzbach bereit, die Flächen vom Bund zu übernehmen, um die Einflussmöglichkeiten der lokalen Ebene zu stärken.“ Ihm komme es jetzt ein bisschen so vor, als solle vor der Landtagswahl das Thema mit „Formel­kompromissen“ einfach ab­geräumt werden ohne die Bereitschaft zu zeigen, sich mit den grundsätzlichen Fragen nochmals zu beschäftigen.

Siegesmund nimmt in ihrem Schreiben darauf Bezug, dass in der Region Wurzbach und sogar in den angrenzenden Kommungen in Bayern eine intensive ­Diskussion um die Zukunft der dem Bund vorgeschlagenen Naturerbeflächen entbrannte, „die von öffentlichkeitswirksamen Protestaktionen begleitet ist.“ Unter anderem hatte es im Juli in Rodacherbrunn eine Demon­stration mit 300 Teilnehmern gegeben.

Angesichts von Dürreschäden und Borkenkäferkalamitäten wird die Forderung erhoben, einen langfristigen Waldumbau vorzunehmen und danach die Flächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. ­Diese Option unterstützt die Thüringer Umweltministerin ausdrücklich, „da sie die forstwirtschaftlichen und naturschutz-fachlichen Notwendigkeiten und Ziele sinnvoll zusammenführt und auch der Entwicklung des Naturtourismus im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale weiteren Rückenwind gibt“, heißt es in Siegesmunds Brief. Sollte der Bund einer Übertragung der Flächen zustimmen, unterstütze sie ausdrücklich die Bewerbung der Stadt, der Flächenempfänger zu werden. „Dies bietet für das anspruchsvolle Langzeitvorhaben, Fichtenforste in artenreiche, ­klimastabile Bergmischwälder umzubauen und sie anschließend aus der Nutzung zu nehmen, sehr gute Voraussetzungen“, so die Auffassung von Siegesmund. Keinen Hehl macht sie aus ihrer Hoffnung, in diesem Zuge eine hohe Akzeptanz in der Region zu finden und Konflikte mit angrenzenden Waldbesitzern auf örtlicher ­Ebene besser lösen zu können.

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