Bad Lobenstein: Zehn Jahre gemeinsam gelernt

Sandra Smailes
| Lesedauer: 3 Minuten
In feierlichem Rahmen haben die Schülerinnen und Schüler ihre Abschlusszeugnisse erhalten.

In feierlichem Rahmen haben die Schülerinnen und Schüler ihre Abschlusszeugnisse erhalten.

Foto: Sandra Smailes

Bad Lobenstein.  Die Freie Montessori-Gemeinschaftsschule und die Michaelisschule Bad Lobenstein verabschieden 24 junge Menschen.

„Wir haben es zusammen gewagt und haben es zusammen geschafft“, sagt Anett Richter, Leiterin der Freien Montessori-Gemeinschaftsschule und Michaelisschule Bad Lobenstein, am Samstag zur Abschlussfeier dieser Schulen. Die Jugendlichen haben ihre Zeugnisse im Ebersdorfer Bürgerhaus im Rahmen einer überaus herzlichen Feier erhalten.

Der Schulleiterin Anett Richter war die Last der vergangenen Monate anzumerken, als sie ein letztes Mal zu den Schülern, deren Eltern und den Lehrkräften sprach. Denn leider waren nicht das gemeinsame Lernen und Erleben, das Entdecken und Verreisen die Themen der Abschlussklasse, sondern vor allem Verzicht, allein sein – Schule meist nur online erleben. Gemeinsame Unternehmungen und Projekte, die diese Schule zu einer besonderen in der Region machen, waren kaum möglich.

Die Schulleiterin deutete an, wie schlimm das für manchen Schüler war, der eine oder andere habe fast den Mut und dann auch den Anschluss an das Lernen verloren. Doch dank des starken Klassenverbandes und der engagierten Lehrer konnte nach den Abschlussprüfungen 15-mal ein Realschulabschluss, ein qualifizierter, zwei Hauptschulabschlüsse und sechs Abgangszeugnisse übergeben werden. Beste Schülerin ist Jana Sadura mit einem Durchschnitt von 1,1. Während sie und drei Realschüler am Reichard-Gymnasium in Bad Lobenstein weiter lernen wollen, um das Abitur zu erreichen, werden viele eine Ausbildung beginnen. Die Schulabgänger, Jungen und Mädchen mit Förderbedarf, die ihre Schullaufbahn in der Michaelisschule absolviert haben, wechseln in den Berufsbildungsbereich der Werkstätten Christopherushof. Dort werden die sechs Schülerinnen und Schüler in mehreren Arbeitsbereichen ihre Fähigkeiten und Interessen testen, bevor sie sich für einen Werkstattzweig, zum Beispiel die Bäckerei, Töpferei, den Metallbereich oder die Tischlerei entscheiden.

Ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler haben von der ersten bis zur zehnten Klasse in dieser Schule gelernt, sind zusammen groß und erwachsen geworden. Die enge Verbundenheit wurde zum Abschied deutlich. Die Schule gab den Jugendlichen neben dem Zeugnis und einer Blume einen Koffer mit. Darin war so manches Geschenk, das durch das Leben begleiten soll: bunte Stifte, als Symbol für ein buntes Leben, ein Kompass, eine Taschenlampe, Taschentücher, Süßigkeiten und ein Engel.

Mit diesen jungen Menschen hat die Schule ihre Geschichte weitergeschrieben: 1990 als Schule für geistig behinderte Kinder in Gefell gegründet, wurde diese 2002 um die freie Montessori-orientierte Grundschule erweitert. Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf war in Bad Lobenstein ein Pilotprojekt und wurde zum Erfolgsmodell. Das einzige Manko: Die Mädchen und Jungen mit geregelter Schullaufbahn mussten die Bildungseinrichtung nach der vierten Klasse verlassen, um in einer staatlichen Schule weiterlernen zu können. Schüler, Eltern und Lehrer wünschten sich, dass bis zum Ende der Schullaufbahn zusammen gelernt werden kann. Der Träger, das Michaelisstift Gefell, nahm diese Herausforderung an und erreichte die Änderung der Schulform.

Nun wurde bereits die zweite Klasse, die ihre Schulzeit komplett dort absolvieren durfte, verabschiedet.

Die Freude, an dieser Schule lernen zu dürfen, zeigte sich in den Dankesreden, Wünschen und Geschenken der Schüler und Eltern an die Lehrer und sämtliche Mitarbeiter. Vor dem endgültigen Abschied haben die Schulabgänger mit Eltern, Freunden und ehemaligen Schulkameraden gefeiert.

Für Musik sorgte Karsten Anders, und die Bewirtung übernahmen Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse.