Ziegenrücker Revierförster für Förderung von Jungwaldpflege

Dörflas.  Pflege von Jungwäldern bringe mehr als großflächige Aufforstung, sagt Wolfgang Ladwig beim Besuch von Ministerpräsident Bodo Ramelow in Dörflas.

Ministerpräsident Bodo Ramelow, Forstdienstleister Jörg Riedl und Revierförster Wolfgang Ladwig (von links) sprechen über die Borkenkäfer- und Dürreschäden im Wald bei Dörflas.

Ministerpräsident Bodo Ramelow, Forstdienstleister Jörg Riedl und Revierförster Wolfgang Ladwig (von links) sprechen über die Borkenkäfer- und Dürreschäden im Wald bei Dörflas.

Foto: Peter Cissek

Die anhaltende Trockenheit und der Borkenkäferbefall sorgen für enorme Probleme in den Wäldern der Region, die vielen Waldbesitzern auch finanziell zu schaffen machen. Dass der Holzpreis bei dem Überangebot falle, sei klar, „aber nicht um 50 Prozent“, sagte Günther Martens, der 160 Hektar Wald rund um Dörflas besitzt, bei einem Besuch von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Montag.

„Ich habe mir vergangene Woche zwei Leisten im Baumarkt gekauft und ketzerisch gesagt, dass ich die Leisten von dem billigen Holz haben möchte. Da habe ich nur ein Lächeln geerntet. Irgendjemand verdient sich auf Kosten der Waldbesitzer und des Staates, der die Schadholzaufbereitung finanziell unterstützt, eine goldene Nase. Anders als die Kraftstoffpreise nach dem Ölpreisverfall werden die Schnittholzfertigprodukte nicht günstiger angeboten“, beklagte Günther Martens. Er habe vor 19 Jahren 155 Hektar Wald von der Treuhandanstalt und später fünf Hektar dazu gekauft. Das Geld, das er mit dem Holz verdiente, habe er größtenteils in den Wald investiert. Doch seit dem Preisverfall sei selbst die Ernte von Käferholz ein Minusgeschäft für Waldbesitzer.

Ziegenrücker Revierförster für Flächenprämie zwecks CO2-Bindung

Wegen der Situation seiner Kunden, der Waldbesitzer, hat der Crispendorfer Forstdienstleister Jörg Riedl vor knapp einem Jahr einen Brief an Ministerpräsident Bodo Ramelow geschrieben, der am Montag der Einladung folgte.

„Rund 90 Prozent aller Erlöse der Waldbesitzer stammen aus dem Holzverkauf. Doch der Holzmarkt ist zusammengebrochen“, sagte der Ziegenrücker Revierförster Wolfgang Ladwig. Er schlägt eine Flächenprämie von rund 150 Euro pro Hektar Wald wegen der CO2-Bindung vor, ebenso die Verdopplung der Schadholzaufbereitungsprämie auf 15 Euro pro Festmeter. „Wir sollten das retten, was noch zu retten ist, bevor wir mit der Aufforstung den zweiten Schritt gehen“, sagte Ladwig. Er plädiert dafür, die Pflege von klimaangepassten Jungwäldern stärker zu fördern, da diese mehr bringe und kostengünstiger sei als die großflächige Aufforstung. „Viele Waldbesitzer nutzen bereits die Förderprogramme zur Aufforstung, merken aber, dass die Jungpflanzen nach kurzer Zeit vertrocknen. Dagegen haben wir Jungwuchs in Größenordnung, der gepflegt werden will“, so der Revierförster.

Die Pflanzaktionen verglich Forstdienstleister Jörg Riedl mit einem Hausbrand, bei dem statt der Feuerwehr der Zimmermann gerufen werde. „Wir sollten das erhalten, was zu erhalten geht“, sagte der Crispendorfer. Er schlägt mit seinem Holzvollernter Harvester jährlich bis zu 25.000 Festmeter im Kleinprivatwäldern zwischen Großebersdorf und Liebengrün ein. Riedl hatte vor 20 Jahren die 1991 von seinem Vater gründete Firma übernommen. „Wir haben Arbeit ohne Ende, doch die Unzufriedenheit wird immer größer, weil sich immer mehr Privatwaldbesitzer die Waldpflege nicht mehr leisten können“, sagte der Lohnunternehmer.

Nachdem Ministerpräsident Bodo Ramelow auf Bedenken des Landesrechnungshofes hinwies, schlug Wolfgang Ladwig vor, bei der Jugendwaldpflege auch wieder Eigenleistung und damit eine Förderung nach Kontrolle durch die Revierförster zu erlauben. „Das hat früher prima geklappt“, sagte der Leiter des 2000 Hektar großen Forstreviers Ziegenrück.

Jörg Riedl zeigte sich nach dem Besuch angenehm überrascht, weil sich Ramelow „in der Materie und der Gegend gut auskennt, dennoch offen für unsere Argumente war“.