Kirche

Altenburger Kantor fristlos entlassen

Ein zerrüttetes Dienstverhältnis wird als Begründung genannt, nun sprechen die Anwälte. Das Mozart-Requiem wurde bereits abgesagt.

Philipp Göbel leitete bis Oktober zehn Jahre lang unter anderem den Chor der Kantorei und den Posaunenchor. Hier bei einem Konzert in der Brüderkirche Altenburg im Jahr 2015.

Philipp Göbel leitete bis Oktober zehn Jahre lang unter anderem den Chor der Kantorei und den Posaunenchor. Hier bei einem Konzert in der Brüderkirche Altenburg im Jahr 2015.

Foto: Uwe Wessel

„In 53 Jahren Kirchenmitgliedschaft war ich einem Austritt aus der Institution Kirche noch nie so nah wie angesichts dieser unglaublichen Vorgänge“, sagt Stefan Gerth aus Nischwitz, langjähriges Mitglied der Kantorei. Gemeint ist damit die fristlose Kündigung des Altenburger Stadtkantors Philipp Göbel. Der einstimmig gefasste Entschluss für die sofortige Kündigung sei auf einer Sitzung des Kreiskirchenrates im Oktober gefallen. Dem sei ein langer Abwägungsprozess vorausgegangen, heißt es in einer Stellungnahme der Suptur.

Folgende Sprachregelung gibt es zwischen den nunmehr streitenden Parteien: „Zwischen Herrn Göbel und dem Kirchenkreis als Anstellungsträger hat sich ein Konflikt aufgebaut, der in eine arbeitgeberseitige Kündigung mündete.

Die Ursachen und der Verlauf des Konflikts werden zwischen Herrn Göbel und dem Kirchenkreis gegensätzlich wahrgenommen.“ Beide Seiten hätten darüber hinaus Stillschweigen vereinbart. „Ich kann und möchte mich nicht äußern“, sagte der 43-jährige Göbel, der seit dem 1. August 2009 die Stelle des Stadtkantors ausübte und sich nun mit einem Anwalt gegen die Kündigung wehrt.

In einer vom Kirchenkreis gemeinsam mit der Landeskirche verfassten Erklärung heißt es, die Kündigung Göbels beruhe ausschließlich auf dienstlichen Sachverhalten. „Strafrechtlich relevante Tatbestände stehen ganz klar nicht im Raum.“

Vorwürfe zum Teil „an den Haaren herbeigezogen“

„In einer Stadt wie Altenburg den seit 10 Jahren engagiert arbeitenden Stadtkantor auf eine derart unwürdige Weise, von jetzt auf gleich, vor die Tür zu setzen, ist ein Skandal“, sagt Stefan Gerth. Vielen engagierten Sängern sei ohne Vorankündigung wenige Wochen vor Aufführung des Mozart-Requiems ihr Chorleiter genommen und die Früchte der Arbeit fast eines ganzen Jahres aus der Hand geschlagen worden. Gerth bezeichnet dies als „Rigorose Machtausübung anstelle von offener Kommunikation mit dem Ziel wirklicher Konfliktbewältigung, ohne Augenmaß, ohne Blick für den Menschen im Gegenüber und ohne Rücksicht auf die Interessen der Kirchgemeinde Altenburg.“

„Äußerst bedauerlich“ nennt es Christian Götze, der Vorsitzende des Altenburger Gemeindekirchenrates. Er hätte sich gewünscht, den Konflikt im Gespräch zu lösen. „Vieles an den Vorwürfen ist an den Haaren herbeigezogen“, sagt er.

Weihnachtsoratorium soll dennoch stattfinden

Die Streitigkeiten zwischen Göbel und Superintendentin Jahn auf der anderen Seiten hätten schon kurz nach deren Amtsantritt 2017 begonnen. Im April bekam Göbel gleichsam mit den anderen drei Kantoren des Kirchenkreises eine Abmahnung, weil er zu einem von Jahn anberaumten Treffen nicht erschienen ist, stattdessen eine Chorprobe leitete. „Wir haben als Kantorei extra einen Brief geschrieben, dass wir so kurz vor einem wichtigen Konzert nicht auf die Probe verzichten können“, berichtet Gerth. Genutzt hat es nichts, die Superintendentin beharrte auf dem Termin. „Obwohl wir seit gefühlt 100 Jahren immer am Mittwochabend proben.“ Als Vertretung hat man inzwischen Ines-Maria Drafehn gewinnen können, damit zumindest das Weihnachtsoratorium am dritten Advent stattfinden kann.

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