Corona im Altenburger Land: Amtsarzt appelliert für längere Schulschließungen

Leiter des Gesundheitsamtes äußert sich in Videobotschaft zur Corona-Mutation und Impfterminen.

Amtsarzt Stefan Dhein mit einer Karte des Landkreises, auf welcher alle Infektionen der vergangenen sieben Tagen verzeichnet sind. "Es ist praktisch kein Ort ausgenommen", sagt er.

Amtsarzt Stefan Dhein mit einer Karte des Landkreises, auf welcher alle Infektionen der vergangenen sieben Tagen verzeichnet sind. "Es ist praktisch kein Ort ausgenommen", sagt er.

Foto: Andreas Bayer / Landratsamt Altenburger Land

Altenburg. "Es ist praktisch kein Ort ausgenommen", sagt Amtsarzt Stefan Dhein und präsentiert eine Karte des Landkreises, auf welcher alle Corona-Infektionen der vergangenen sieben Tagen verzeichnet sind. Er reagiert damit auf die von verschiedenen Medien geforderten gemeindegenauen Fallzahlen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Dhein kritisiert im aktuellen Video-Podcast auf der Internetseite des Landratsamtes zugleich die in seinen Augen "unsägliche Berichterstattung", in welcher kritisiert wird, dass das Gesundheitsamt keine nach Kommunen aufgeschlüsselten Infektionszahlen veröffentlicht, wie es in einigen Thüringer Landkreisen üblich ist. Seine Interviewerin Jana Fuchs, Pressesprecherin des Landratsamtes, offenbart in ihrer Frage, dass vereinzelt Einwohner und auch Bürgermeister nach den tagesaktuellen Fällen in den jeweiligen Kommunen fragten.

Bisherige Darstellung des Amtes war gelogen

"Selbstverständlich haben wir alle Zahlen. Zu allen Gemeinden, zu jeder Straße, zu allem", sagt der Amtsarzt und präsentiert eine weitere Karte, auf der einzelne Straßenzüge zu erkennen sind. Mit roten Kreisen ist hier genau verzeichnet, in welchem Haus wie viele Personen infiziert sind. Nach Dheins Angaben verwende man die aktuellste Software, die es gibt. "Bei der Cholera ist das ne tolle Sache", so Dhein weiter. Bei Covid-19 hingegen bringe die Karte nicht viel, weil die Menschen sich meist nicht Zuhause, sondern bei Treffen infizierten. Zudem würden Krankheiten manchmal erst 14 Tage später erkannt.

Beispielsweise zu sagen, in Lumpzig gäbe es fünf Fälle und in Schmölln 40, "das bringt aus unserer Sicht überhaupt nichts", so der Amtsarzt. Man würde damit nur Unfrieden stiften und dass die Leute mit dem Finger aufeinander zeigten. Bemerkenswert ist daran jedoch, dass das Landratsamt auf entsprechende Anfragen bisher immer eine andere Auskunft parat hatte. Es sei personell nicht leistbar, hieß es immer wieder vonseiten der Pressestelle.

Kita-Betreuung nur in kleinen, festen Gruppen

"Die Haupt-Hotspots sind Pflegeheime", sagte Stefan Dhein weiter. Allerdings äußert er auch den dringenden Appell, dass die Schulen nach dem 10. Januar nicht wieder ihr Präsenzmodell fahren. Auch in den Kitas solle man auf kleine, feste Gruppen drängen, ohne Durchmischung. "Es kann nicht so weiterlaufen wie bisher", sagt der Amtsarzt unter Verweis auf die kürzlich entdeckte Mutation des Coronavirus. Diese wirke sich zwar nicht auf die Schwere der Erkrankung aus, allerdings sei diese ansteckender und befalle verstärkt jüngere Menschen. Eine neue Studie der AOK zeige zudem, dass Arbeitnehmer aus den Bereichen Kinderbetreuung und -erziehung mit Abstand die meisten Krankschreibungen wegen Corona aufwiesen, so der Amtsarzt.

Auf die Frage, warum der Landkreis Altenburger Land als Thüringer Spitzenreiter beim Inzidenzwert keinen höheren Stellenwert bei den Impfungen aufweist, äußert sich Dhein ausweichend. Diese Entscheidung werde von der Thüringer Gesundheitsministerin und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) getroffen, welche die Impfungen in den Zentren und mobilen Teams organisiert. Gesundheitsämter und die niedergelassenen Ärzte hätten keinen Einfluss darauf, wer zuerst geimpft werde. Das entscheide die KV nach der Anmeldung über die Internetseite anhand einer Prioritätenliste. Ab Montag soll die Anmeldung zur Impfung in Thüringen auch telefonisch möglich sein.