Politik

Auch Schmöllns Bürgermeister ist schon beschimpft worden

Sven Schrade, Marcel Greunke und André Neumann zur Forderung nach mehr Schutz für Bürgermeister befragt.

Hass steht auf einem Bildschirm.  Vor allem in sozialen Netzwerk werden Bürgermeister beleidigt oder gar bedroht.

Hass steht auf einem Bildschirm. Vor allem in sozialen Netzwerk werden Bürgermeister beleidigt oder gar bedroht.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Schmölln/Altenburg. Immer häufiger hört man, dass Bürgermeister oder Landräte beschimpft oder gar bedroht werden. Auch von Stalking wurde schon berichtet. Vereinzelt haben Amtsinhaber deshalb schon das Handtuch geworfen. Der Städte- und Gemeindebund fordert nun mehr Schutz für die Betroffenen.

Wir wollten wissen, ob auch bei den hiesigen Bürgermeistern Beschimpfungen zur Tagesordnung gehören. „Ja, leider regelmäßig“, erfahren wir von Sven Schrade (SPD). Der Schmöllner Rathauschef bekomme öfter Mails oder Facebook-Nachrichten, teils von Profilen, die den Urheber nicht erkennen lassen. „Dort werde ich manchmal mit ‚Na, du Nichtskönner‘ angeredet“, berichtet Schrade, der solche Nachrichten dann ignoriert. Bedroht wurde der Rathauschef aber nicht. Noch keine Gedanken hat er sich darüber gemacht, wie besserer Schutz für Amtsträger aussehen könnte. Viel wichtiger findet es Sven Schrade, generell verstärkt gegen Hetze in sozialen Netzwerken vorzugehen. Beobachtet hat er, dass verbale Eskalationen durch die starke Nutzung sozialer Netzwerke zugenommen hat. Das direkte Gespräche werde weniger gesucht. „Facebook ist der digitale Stammtisch geworden“, meint Sven Schrade, der das nicht nur negativ sieht. Wenn Kommunikation aber nicht mehr ohne Beleidigung auskomme, sei das schon sehr bedenklich.

„Ich hatte bisher großes Glück“, sagt Marcel Greunke (CDU). Zwar wurde der Ponitzer Bürgermeister vor einiger Zeit einmal via Facebook beschimpft, aber seitdem ist Ruhe. „Aber die Forderung kann ich nachvollziehen. Wie man von anderen hört, ist das schon ein Problem. Es sind ja sogar Kollegen zurückgetreten“, so Greunke. Gerade in der Zeit, als viele Flüchtlinge zu uns gekommen sind, seien Amtsträger ständig beleidigt worden.

Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann (CDU) ist im Laufe seiner politischen Laufbahn sogar schon bedroht worden. Sätze wie „Du hängst samt Familie auf dem Markt“ musste er schon lesen. „Beleidigungen unter der Gürtellinie“ kommen regelmäßig vor. „Die Mehrzahl davon in sozialen Medien. Es gab aber auch schon Situationen, in denen mich Leute, die ich nicht kenne und denen ich nichts getan habe, direkt beschimpft haben“, erzählt Neumann. Über einen möglichen Schutz der Amtsträger hat sich André Neumann noch keine Gedanken gemacht. Er könne sich aber eine finanzielle Unterstützung beispielsweise zum Kauf von Überwachungskameras in Rathäusern vorstellen.

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