Auf Tour durch Moor und Wald rund um Pöllwitz

Tobias Schubert
| Lesedauer: 4 Minuten
Mystisch, ursprünglich und mit viel Geschichte ist der Pöllwitzer Wald. Allerdings steht er vor Herausforderungen, etwa durch lange Dürre. Im Foto ist eine der wenigen Stellen zu sehen, an denen das Moor am Erlebnispfad noch offen Wasser führt.

Mystisch, ursprünglich und mit viel Geschichte ist der Pöllwitzer Wald. Allerdings steht er vor Herausforderungen, etwa durch lange Dürre. Im Foto ist eine der wenigen Stellen zu sehen, an denen das Moor am Erlebnispfad noch offen Wasser führt.

Foto: Tobias Schubert

Pöllwitz.  Der Pöllwitzer Wald ist nicht nur durch seine Natur attraktiv. Er ist ein Spiegel der Geschichte, sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft.

Neben dem Elstertal zwischen Wünschendorf und Greiz und der Talsperre Zeulenroda-Triebes gilt der Pöllwitzer Wald allein schon wegen seiner wechselhaften Geschichte als einer der Ausflughöhepunkte im Landkreis Greiz.

Grund genug, ihm einen Besuch zu widmen und entlang des Rundwanderweges durch Wald und Moor zu wandern. Grundlage für die Tourenbeschreibung ist die Broschüre „Wildes Wandern – Unterwegs im Pöllwitzer Wald“.

Ausgangspunkt der Tour ist Pöllwitz, wo es zunächst in Richtung Ebergsrün auf der Südschleife des Rundweges entlanggeht. Wegweiser ist ein gelber Punkt auf weißem Grund, der sich immer wieder gut erkennbar an Bäumen und Schildern findet. An der Pöllwitzer Gaststätte Deutscher Adler rechts aus dem Ort heraus, gelangt man über zwei Bahnschienen schnell in den Wald hinein.

Das erste Ziel heißt Waldspitz, das schon einen kurzen Einblick gibt, welche geschichtliche Bedeutung der Wald schon lange hat. Hier fand sich einmal das Dreiländereck zwischen den ehemaligen Fürstentümern Reuß älterer Linie und Reuß jüngerer Linie und Kursachsen. Zugleich soll der Ort in den 1690er-Jahren Bauern aus 22 Dörfern des Oberlandes gedient, um sich gegen die Herrschaft von Heinrich VI. zu verschwören und gegen Willkür und hohe Steuern zu demonstrieren, wie ein Schild verrät. Heute ist er aber eher wegen seiner Aussicht ein Anziehungspunkt. Eine große Bank, die laut Schild eine Gruppe „Waldspitz-Freunde“ im Oktober 2020 stiftete, lädt zum Verweilen ein.

Überhaupt hat der Wald eine lange Geschichte. Schon vor 12.000 Jahren sind Besiedlungen in der Region nachgewiesen. Vor allem im Mittelalter wird er Wirtschaftswald. Sein Holz dient zum Hausbau, für Bäcker, Schmiede, Brennöfen und Brauer. Pech, Harz oder Holzkohle werden gewonnen. 1964 wird er militärisches Sperrgebiet, größere Teile werden gerodet. Erst seit der Wende ist der Pöllwitzer Wald, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Von der Waldspitz geht es zurück nach Pöllwitz, wo man entlang des Pöllwitzer Teiches auf die Nordschleife und damit zum Moorerlebnispfad kommt. Vor allem auf diesem Teil der Strecke werden die Herausforderungen sichtbar, vor denen der Wald steht. Das sind nicht nur Borkenkäfer, Trockenheit oder Sturmschäden, die an vielen Stellen umgefallene Bäume hinterlassen haben. Dass ein großer Teil von ihnen in der Landschaft liegen bleibt, ist Absicht. Das Totholz dient als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Weil die Waldeigentümerin, die DBU Naturerbe, plant, den Wald irgendwann einmal sich selbst zu überlassen, wird das Holz nicht herausgeschafft. Aus ähnlichen Gründen werden auch an vielen Stellen Laubbäume angepflanzt, was vor allem am Waldrand sichtbar wird. Allerdings hat die Dürre der vergangenen Jahre überall Spuren hinterlassen., Das zeigt sich auch am Moor selbst, das nur an wenigen Stellen an der Oberfläche Wasser führt. Auch hier will man im Zuge des Waldumbaus aktiv werden und beispielsweise die Entwässerungsgräben zuschütten, die während der Zeit des Wirtschaftswaldes angelegt wurden und dem Moor Wasser entziehen.

Ab dem Moorerlebnispfad, der durch seine kindgerechte Gestaltung vor allem für Familien zu empfehlen ist, kann es auf mehreren Strecken weitergehen. Der Rundwanderweg führt über ein paar Kilometer zurück nach Pöllwitz, auch kürzere Direktrouten gibt es dorthin. Ein kurzer Weg ist es auch nur noch bis Neuärgerniß.

Die Routen

Der Rundweg ist circa 16 Kilometer lang. Er besteht aus Nord- und Südschleife, die sich in Pöllwitz treffen. Beide Schleifen können getrennt gegangen werden mit circa jeweils der halben Länge. Die Wege sind zum größten Teil eben und breit. Größere Anstiege fallen nicht an.

Alternativen: Der weniger als einen Kilometer lange Moorerlebnispfad ist sowohl von Pöllwitz als auch aus Neuärgerniß in kurzer Zeit erreichbar. Ab Wellsdorf kann auf rund sechs Kilometern der Naturlehrpfad begangen werden. Für Radfahrer gibt es den Sagenweg, der Greiz und Zeulenroda-Triebes verbindet und auch durch den Pöllwitzer Wald läuft.

Die Broschüre „Wildes Wandern“ ist auf der Internetseite des Landkreises zu finden und in den Tourist-Informationen in der Region, wenn diese wieder öffnen.