Aufs Jubiläum wird nicht gepfiffen

Altenburg.  Die 30. Orgelakademie ist abgesagt worden, der runde Geburtstag wird aber nachgefeiert.

Teilnehmer und Gastprofessoren der 29. Thüringischen Orgelakademie im vorigen Jahr in Holzhausen (bei Arnstadt) in die Dreifaltigkeitskirche, um die wertvolle Johann Michael Hesse-Orgel zu erkunden.

Teilnehmer und Gastprofessoren der 29. Thüringischen Orgelakademie im vorigen Jahr in Holzhausen (bei Arnstadt) in die Dreifaltigkeitskirche, um die wertvolle Johann Michael Hesse-Orgel zu erkunden.

Foto: Hans-Peter Stadermann

„Wir hätten im vorigen Jahr über 40 Teilnehmer gehabt. Das sind zu viele, wir mussten einigen absagen und haben sie aufs nächste Jahr vertröstet. Und dann kam Corona. Das ist jetzt richtig dumm“, sagt Felix Friedrich. Der Altenburger Schlossorganist bedauert sehr, dass er ausgerechnet die 30. Auflage der Orgelakademie absagen musste. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Trennung wegen Kleinstaaterei

Erstmals fand die Orgelakademie 1991 statt, damals noch als Sächsisch-Thüringische. „Die ersten Jahrgänge haben wir so absolviert. Und dann kamen plötzlich die Politiker“, erinnert sich der Mitgründer der Akademie. Sowohl von Thüringer als auch von Sächsischer Seite aus hatten einige kein Verständnis dafür, dass die Freistaaten etwas mitfinanzieren sollten, das nicht ausschließlich im eigenen Bundesland stattfand. „Wir haben alles umständlich erklärt, aber es hat nichts genützt. Die Kleinstaaterei funktioniert noch, wir mussten uns trennen“, bedauert Felix Friedrich.

Ab 1994 haben sich die beiden Orgelakademien dann gegenseitig etwas Konkurrenz gemacht, obwohl zumindest bei den Zeiten darauf geachtet wurde, dass es nicht zu Überschneidungen kam. Inzwischen gibt es das sächsische Pendant nicht mehr, vor zwei Jahren wurde es aufgelöst.

Anliegen der Orgelakademie ist, das kulturelle Erbe unserer Region Studenten aus der ganzen Welt zu präsentieren. „Wir haben so viele berühmte und gute Orgeln in Mitteldeutschland. Die Orgelwelt von Bach, Liszt oder Schumann wollen wir den Teilnehmern zeigen“, erklärt der Schlossorganist. Und offenbar wollen die jungen Leute die sehen und vor allem, auf den wertvollen Instrumenten spielen. Die Musiker kommen nicht nur aus ganz Europa in unsere Region, sondern auch aus den USA, aus Japan, Südkorea, Russland und China. Sogar aus Südafrika konnten schon Orgelinteressierte begrüßt werden. Auch Exoten seien unter den Ländern, aus denen die Gäste stammen, dabei gewesen. Friedrich nennt etwa Malta und Malaysia.

Finanziert wird die Orgelakademie – etwa Honorare für Gastprofessoren und Mieten für die Kirchen – zu einem Drittel aus den Teilnehmergebühren. Das Land übernimmt ein weiteres Drittel der Kosten, die Stadt Altenburg ist ebenfalls mit einem Drittel mit im Boot.

Konzert im Dom Merseburg

Geplant hatte Friedrich zum Jubiläum, das Gastprofessorenkonzert, das sonst in der Mitte der Orgelakademie stattfindet, gleich zu Beginn zu veranstalten. „Es sollte im Dom Merseburg gegeben werden, das wäre etwas Besonderes gewesen“, ist er überzeugt. Zudem wollte er das 30-Jährige mit einem Empfang im Residenzschloss Altenburg begehen. „Wir wollen das nächste Jahr nachholen, so der Corona-Spuk vorbei ist“, hofft Felix Friedrich, dass der 30. Geburtstag seines Babys nachgefeiert werden kann.