Bahnbrechendes Künstlerleben in Altenburg leidenschaftlich nachgezeichnet

Altenburg.  Die Kunsthistorikerin Marianne Risch-Stolz hielt jüngst in der Volkshochschule Altenburg einen Vortrag über den Künstler Monet

Marianne Risch-Stolz vor einer Abbildung eines Gemäldes, welches das Parlamentsgebäude Londons zeigt. Dieses Gemälde gehört zu einer Serienreihe mit über hundert Bildern.

Marianne Risch-Stolz vor einer Abbildung eines Gemäldes, welches das Parlamentsgebäude Londons zeigt. Dieses Gemälde gehört zu einer Serienreihe mit über hundert Bildern.

Foto: Philipp Brendel

Der Künstler Claude Monet dürfte vielen durch seine Malerei von Mohnblumen bekannt sein. Auch das Gemälde mit den Titel „Sonnenaufgang“ beziehungsweise „Impression“, das der neuen Kunstrichtung des Impressionismus den Namen verlieh, ist weltberühmt. Doch Monet kann nicht auf diese Werke reduziert werden. Er war ein Perfektionist in der Wiedergabe naturgegebener Momentaufnahmen. Allein das britische Parlamentsgebäude in London malte er annähernd hundertmal unter dem Einfluss unterschiedlicher Naturphänomene und -einflüsse.

Eine besondere Auffassungsgabe in Monets Karikaturen

Der im Jahr 1840 geborene Künstler Claude Monet gehörte zu einer jungen Gruppe von Malern wie auch Auguste Renoir oder Paul Cézanne, die einen neuen Weg in der Malerei des 19. Jahrhunderts eingeschlagen haben. Es sei die Abkehr von einem akademischen Malereistil gewesen, hin zur Wiedergabe natürlicher Eindrücke und Momentaufnahmen aus Natur und Alltag. Nicht allzu bekannt dürfte sein, dass Monet auch Karikaturen gestaltet hat. Gerade diese frühen Kunstwerke seien jedoch ein Beispiel für die besondere Auffassungsgabe des Künstlers, erklärt die promovierte Kunsthistorikerin Marianne Risch-Stolz: „Die Karikaturen zeigen Monets Blick für die Menschen.“

Junge Künstler erschüttern die Kunstwelt

Die jungen Impressionisten haben eine lange Zeit gebraucht, um sich in der Kunstwelt des 19. Jahrhunderts behaupten zu können. Sie lebten häufig in ärmlichen Verhältnissen, wobei das Monet nicht daran gehindert haben soll, auf seine Art selbstbewusst aufzutreten. So beschreibt etwa ein Malerkollege sein dandyhaftes Auftreten: „Er trägt Hemden mit Spitzenmanschetten, obwohl seine finanzielle Situation nicht rosig ist.“

Heute ist kaum vorstellbar, welche Kunstskandale die Impressionisten mit ihrer neuen Malweise ausrichteten. So sei vor der ersten großen Ausstellung der Impressionisten im Jahr 1874 regelrecht gewarnt worden, erläutert Risch-Stolz. Wie die Impressionisten die Kunstwelt damals erschütterten, zeigt auch eine Kritik in der damaligen Presse an Monets Gemälde „Sonnenaufgang“, das ebenfalls in dieser Ausstellung zu sehen war: „Eine Tapete im Urzustand ist ausgearbeiteter als dieses Gemälde.“ Doch was macht Monet zu einem Wegbereiter für die Kunst der Moderne? Für Claude Monet ist es nicht nur die Wiedergabe eines einzigartigen Naturereignisses, eben einer Impression, in einem bestimmten Moment, die seine Gemälde einzigartig macht.

Eine einzigartige Farblichkeit

Es sei vor allem auch die Farblichkeit in seinen Gemälden erklärt Kunsthistorikerin Risch-Stolz am Beispiel des Gemäldes „Sonnenaufgang“ genauer: „Er wählt zarte Farben, der Situation entsprechend. Die Motive verschwimmen dabei.“ Diese besondere Farblichkeit zeige sich beispielsweise an der Darstellung der Kathedrale von Rouen, die Monet in den 1890er- Jahren in 33 Serienbildern zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten festhält. Es gehe dabei nicht einfach nur um die Kathedrale, sondern um die Malerei an sich, wie etwa der russische Maler Malewitsch festgestellte.

Heuschober sorgen für einen Skandal

Monets Perfektionismus zeige sich gerade in diesen Serien-Gemälden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten diese sogar für einem weiteren Kunstskandal. Monet soll in einer Ausstellung nur Gemälde mit Heuschobern gezeigt haben. Was damals als Skandal galt, ist aus heutiger Sicht ein wegbereitender Schritt für die moderne Kunst gewesen.

Um seine Serien-Bilder zu malen, soll Monet seine Staffeleien nebeneinander aufgestellt haben, um somit die Eindrücke, wie etwa den unterschiedlichen Lichteinfall auf die Heuschober, festzuhalten.

Monet-Gemälde für 46 Millionen Euro verkauft

Claude Monet sei es als einem der wenigen Künstler der damaligen Zeit vergönnt gewesen, noch zu seinen Lebzeiten ein Gemälde zu einem Höchstpreis zu verkaufen. So habe er im Jahr vor seinem Tod, 1925, das Gemälde „Frauen im Ruderboot“ für damals unglaubliche 200.000 französische Francs verkauft. Heutzutage ist Monet wohl einer der begehrtesten Künstler überhaupt. Das zeigt allein die Versteigerung eines Seerosengemäldes im Jahr 2008 für 46 Millionen Euro. Mit solchem fundierten Hintergrundwissen konnte Marianne Risch-Stolz das Künstlerleben Monets diesen Montag eindrucksvoll nachzeichnen, meint auch Nancy Weise aus dem Publikum: „Die Darbietung der Dozentin ist einfach leidenschaftlich und mitreißend. Ich selber habe die Monet-Ausstellung im Potsdamer Barberini gesehen.“