Kultur

Brüter in der Schule schafft Nähe zum Tier

Löbichau.  Nach einem halben Jahrhundert sind die Züchter aus dem südlichen Landkreis äußerst rege und hegen ambitionierte Pläne.

Bei Züchter Dietmar Köhler aus Löbichau dürfen die Grundschüler aus Großstechau auch Kaninchen der Rasse Helle Großsilber streicheln.

Bei Züchter Dietmar Köhler aus Löbichau dürfen die Grundschüler aus Großstechau auch Kaninchen der Rasse Helle Großsilber streicheln.

Foto: Andreas Bayer

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Die ersten, welche die Kreisrassegeflügelschau betreten durften, waren die Kinder des Kindergartens „Frechdachse“ aus Großstechau, welche auch sofort große Augen bekamen. Mit ihnen waren auch die 41 Schüler der anliegenden Grundschule „Theodor Körner“ gekommen. „Ich liebe Kaninchen!“ entfährt es dann auch mehr als einem Kindermund, als der Züchter Dietmar Köhler die Gelegenheit bietet, eines seiner Kaninchen zu streicheln.

„Die Hühner könnt ihr nicht streicheln, die würden an die Decke gehen“, muss er den kuschelfreudigen Kindern ihre Bitten bescheiden. Der Löbichauer ist schon seit der Gründung vor 50 Jahren Mitglied des Kleintierzuchtvereins Löbichau und Umgebung. „Das Wichtigste und Schönste ist, dass es seit 30 Jahren Futter zu kaufen gibt“, antwortet er auf die Frage, was sich seitdem grundlegend verändert habe. In der DDR habe es nur eine begrenzte Zuteilung über die LPG gegeben, „das nannte sich Futterdeputat“, sagt er.

Wichtig ist das Wohl der Tiere

„Sehr interessante Tiere, so eine Vielfalt sieht man selten“, staunt selbst die erfahrene Amtstierärztin Grit Thurau vom Veterinäramt des Landratsamtes. Bevor die große Jubiläumsschau in der Saatgutaufbereitungshalle Löbichau eröffnen kann, kontrolliert sie penibel, ob die rund 800 Tiere genügend Platz, Einstreu, Futter und Wasser zur Verfügung haben. Auch auf Anzeichen von Krankheiten achtet sie, überprüft stichprobenartig die Impf-Bescheinigungen.

Am Ende bescheinigt sie: „Alles sehr ordentlich, keine Beanstandungen.“ Ausstellungsleiter Martin Zapp ist zufrieden: „Es ist ja ein Hobby mit den Tieren. Wir wollen ja in erster Linie, dass es den Tieren gut geht. Wenn es ihnen an irgendwas mangelt, sieht man das ja und dann gibt es auch keine gute Bewertung.“ Darum darf auch keiner der 90 Geflügel- und 22 Kaninchen-Züchter seine Tiere in die Halle bringen, wenn keine Nachweise über die notwendigen Impfungen vorliegen.

Verein hat Pläne für die Grundschule

„Bei der letzten Ausstellung vor zwei Jahren war es bei den Kaninchen noch schwierig, wegen der damals grassierenden RHD2-Krankheit“, sagt Zapp. Damals seien nur 58 Tiere zu sehen gewesen, jetzt sind es wieder 116 Kaninchen. Ein für ihn wichtiger Aspekt der Schau sei die Nachwuchsgewinnung. Denn wie die meisten Vereine haben auch die Kleintierzüchter aus Löbichau und Umgebung nur geringen menschlichen Zuwachs. „Das Wissen um Tiere geht in der Gesellschaft verloren, wenn man nicht gerade auf dem Bauernhof aufwächst“, bestätigt auch Veterinärin Thurau.

Aus eben jenem Grund hat sich der Vereinsvorsitzende Erich Zapp etwas ausgedacht, das beide Sorgen auf einmal ausräumen kann. „Wir haben vor, in der Schule eine Brutmaschine aufzustellen. Es laufen schon Absprachen mit dem Hausmeister, der sich darum kümmern könnte.“ Bereits in der Vergangenheit habe es dort schon eine Arbeitsgruppe Kleintierzucht gegeben, die aber mit dem Wechsel der tragenden Akteure an die Regelschule eingeschlafen sei.

Unter Hochdruck produziert Zapp mit einigen Mitstreiter am Freitagvormittag noch 400 Exemplare des 56-seitigen Ausstellungskataloges, dem zum Jubiläum noch der Rechenschaftsbericht des Jahres 1970 beigefügt ist. Die Aufarbeitung des Vorläufervereins lässt allerdings noch etwas auf sich warten. „Ich habe versucht mich rein zu lesen, die Protokolle sind aber alle in Sütterlinschrift verfasst, daher konnte ich das nicht entziffern. Das kommt aber noch“, sagt Erich Zapp.

Die Kreisrassegeflügelschau in der Saatgutaufbereitungshalle Löbichau läuft Samstag und Sonntag ab 9 Uhr

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