Denkmalrettung der Erinnerung wegen

Gößnitz.  Die Steinmetzmeisterin Jacqueline Hausotte restauriert auf dem Gößnitzer Friedhof mit ihrem Team ein verfallenes Mausoleum von 1900

Jacqueline Hausotte zusammen mit den Steinmetzen Friedrich Winkler und Maximilian Klein (von links)

Jacqueline Hausotte zusammen mit den Steinmetzen Friedrich Winkler und Maximilian Klein (von links)

Foto: Philipp Brendel

Ein ruhiger Spaziergang auf dem Friedhof. Die Novembersonne strahlt. Doch da wird auf einmal fleißig gewerkelt. Mit Schaufeln wird alter, bröckliger Schutt beiseite geräumt. Die Baustelle des alten Mausoleums auf dem Gößnitzer Friedhof wird gerade winterfest gemacht. Das altehrwürdige Grabdenkmal schien schon verloren zu sein. Halb zerfallen, Dach eingestürzt und schlichtweg vergessen. Doch Jacqueline Hausotte will das Mausoleum wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwecken – und dass nicht nur aus Liebe zum Denkmal.

Ruinöser Zustand kaum noch zu erahnen

Wie Jacqueline Hausotte berichtet, muss sich das Mausoleum vor dem Beginn der Restaurierung in diesem Frühjahr in einem erbärmlichen Zustand befunden haben. Das alte Zinkdach sei vollkommen zerstört gewesen, Bäume wuchsen aus dem Inneren des Grabmals. Im September 2019 sei eine dringend erforderliche Notsicherung erfolgt. Schon jetzt ist der vorherige ruinöse Zustand kaum zu erahnen. Frischer Grundputz ist mittlerweile aufgetragen und ein neues Zinkdach ziert das Mausoleum. „Die größte Herausforderung war es, dass originale Zinkblech für das Dach aufzutreiben“, erklärt Hausotte.

Steinmetz werden nach Besuch böhmischer Friedhöfe

Jacqueline Hausotte ist schon seit langer Zeit von der Schönheit von Friedhöfen begeistert. Auf einer Reise im Jahr 2000 ist sie von den böhmischen Friedhöfen fasziniert gewesen. Danach entschließt sie sich, Steinmetz zu werden. Im Jahr 2005 legt sie die Gesellenprüfung ab, 2016 folgt die Meisterprüfung. Seit 2016 ist sie in Leipzig als selbstständige Steinmetzmeisterin tätig. Mit ihrem Team von fünf Steinmetzen und zwei Auszubildenden arbeitet sie vor allem für den Friedhofs- und Grabmalbereich.

Bronzene Tafel und Schriftrollen aus Grabmal geborgen

Was ist eigentlich über das Mausoleum noch bekannt? Wie die Steinmetzmeisterin informiert, wurde das Grabdenkmal wohl für die Gößnitzer Fabrikantenfamilie Brandt errichtet: „Das Bauwerk wurde um 1900 erbaut. Es hat Bauelemente, die einen Übergang vom Historismus zum Jugendstil aufweisen.“ In den 1950er- und 1960er-Jahren habe es anscheinend auch noch einen Umbau gegeben. Doch mittlerweile seien weitere Erkenntnisse nur noch schwer herauszufinden. Während der Restaurierungsarbeiten wären bisher keine versteckten oder verborgenen Schätze aufgetaucht. Nur eine Bronzeplatte und zwei Schrifttafeln konnten aus der Ruine geborgen werden. Auch in den Särgen der Gruft seien keine Gebeine mehr auffindbar gewesen, so Hausotte: „Diese wurden wohl irgendwann einmal ausgeräumt.“

Fertigstellung für 2022 geplant

Das besondere Verdienst von Jacqueline Hausotte und ihrem Team ist es, dass sie das Grabdenkmal alleine in Eigenregie restaurieren: „Bis jetzt haben wir schon mehrere zehntausend Euro investiert. Allein das Dach hat 25.000 Euro gekostet.“ Auch künftig könnte das Mausoleum wieder eine Grabstätte werden. Doch die Steinmetzmeisterin, die nun Besitzerin der Grablege ist, könnte sich ebenso vorstellen, dass das Mausoleum als Ort beispielsweise von literarischen Lesungen genutzt werden könnte. Bis das Grabmal endgültig im neuen, alten Glanz erstrahlt, wird es jedoch noch etwas dauern, informiert Hausotte: „Insgesamt soll das Mausoleum im Jahr 2022 fertig gestellt sein.“

Restaurierung mehr als nur eine Leidenschaft

Für Jacqueline Hausotte ist es aber nicht nur die Liebe zum Denkmal gewesen, was sie veranlasste, dieses Mausoleum vor dem endgültigen Verfall zu retten. Sie ist in Gößnitz aufgewachsen, verlebte hier ihre Kindheit und wohnte bis 1997 in der Stadt: „Ich stand schon als Kind vor dem Mausoleum. Es ist verbunden mit romantischen Kindheitserinnerungen. Ich fand den Gößnitzer Friedhof immer schon wunderschön.“ Sie könne sich sogar vorstellen, irgendwann einmal wieder nach Gößnitz zu ziehen. Denkbar wäre eine Steinmetzwerkstatt vor Ort. Schon jetzt ist mit der Restaurierung des Mausoleums mehr als nur eine Leidenschaft verbunden: „Für mich ist es ein Zurückkommen.“