Ein parteiloser Streber mit Erfolg, der aus Schmölln stammt

Schmölln.  Der Schmöllner Friedrich Bude hat einen autobiografischen Roman herausgebracht.

Der Schmöllner Friedrich Bude hat ein Buch herausgebracht. Dieses Bild ist auf dem Titel zu sehen.

Der Schmöllner Friedrich Bude hat ein Buch herausgebracht. Dieses Bild ist auf dem Titel zu sehen.

Foto: Archiv Bude

Mit seinem unlängst erschienenen autobiografischen Roman „Der Überhebliche – Im Namen des Volkes – Erinnerungen eines Ost-Erfinders“ hat sich der aus Schmölln stammende Friedrich Bude ein Geschenk zu seinem 80. Geburtstag gemacht.

Bude lebt zwar nicht mehr in Thüringen, dennoch ist er seiner Heimat bis heute eng verbunden. „Bei einer Lesung in Schmölln wollte ich das Buch vorstellen, aber die ist wegen Corona abgesagt worden“, bedauert der Senior, der hofft, dass die Veranstaltung nachgeholt wird. Bude hat Schmölln vor über 50 Jahren wegen der Arbeit verlassen, lebte fortan in Cottbus und arbeitete beim Institut für Kraftwerke.

Nicht angepasst

Er war „verdienter Erfinder“ in der DDR, viele seiner Patente seien wirtschaftlich bedeutend gewesen. Dennoch sei er weit davon entfernt gewesen, ein Angepasster zu sein. Das habe ihm seine Stasi-Akte bestätigt, in der stehe, dass er zum „besonders zu überwachenden Personenkreis“ gehört habe. „Die Akte strotzt vor Häme und Neid der mich belauernden inoffiziellen Mitarbeiter und der korrigierenden Auslese wichtiger Fakten durch deren Führungsoffiziere. Damals habe ich meine Erinnerungen zu den Ereignissen noch mit unverblümtem DDR-Blick aufgeschrieben. Später ist daraus ein Lebensbericht geworden – aus Zeitmangel liegengeblieben“, erzählt der 80-Jährige, der sein Werk nun vollendet hat. Der Neid sei es auch gewesen, der ihm die wenig schmeichelhafte Bezeichnung „der Überhebliche“ eingebracht habe. Und genau deshalb hat er sie, die Provokation suchend, als Buchtitel gewählt.

Aufstand vom 17. Juni aufgearbeitet

Fast die Hälfte seines Buches widmet der Schmöllner Erlebnissen in der Heimat. „Historisch bedeutend“ findet er seine Aufarbeitung des Aufstandes vom 17. Juni 1953. Den hat er als 13-Jähriger miterlebt. „Zwei politisch Beteiligte des Aufstandes gehören zu meiner direkten und angeheirateten Verwandtschaft, so dass ich nach der politischen Wende aus kommunistischer Führungssicht und unmenschlicher Strafverfolgung deren unterschiedliche und meine Erinnerungen gegenüberstellen kann“, so Bude, der in der Schmöllner Knopfmaschinenfabrik gelernt hat.

Schon da war er erfinderisch tätig. „Als technischer Zeichnerlehrling durfte ich unter Anleitung des Chefkonstrukteurs Walter Pohle einen Knopfautomaten entwerfen, alle Einzelteile zeichnen, mit konstruieren, die Fertigung überwachen und erleben, wie in 60 Knöpfe pro Minute vier Löcher gebohrt und geglättet wurden“, erzählt er.

Später habe er seine Erfindungen eigenständig projektieren, konstruieren, deren Produktion überwachen, in der DDR und im Ausland verkaufen können. Er habe sogar aussuchen können, welcher Mitarbeiter finanziell vergütet wurde. Das sei das Besondere gewesen: „Der patentrechtlich festgeschriebene Erfinder entschied, wer gebraucht wurde und mitverdienen durfte an den erheblichen Patentvergütungen.“

Gesellschaftliche Verwerfung

Bereits Kindheit und Jugend in Schmölln seien von gesellschaftlicher Verwerfung geprägt gewesen, so Bude, der sich als parteilosen Streber mit bürgerlicher Herkunft bezeichnet. „Mein schon damals verstorbener Vater besaß die Tischlerei am Bahnhofsplatz 4. Ich war Handwerkersohn, somit Mensch zweiter Klasse“, erinnert er sich. Das habe sich früh herauskristallisiert. Leicht habe es der Schmöllner nicht gehabt, wenngleich er mitunter auch Glück hatte. Etwa, als von ihm nachgemalte pornografische Bilder, die verboten waren, in der Stadt kursierten – da hätte er in die Fänge der Stasi geraten können. Dankbar ist er auch dafür, dass ein Verwandter seiner Frau ihn vor dem Studienabbruch und der erzwungenen Spitzeltätigkeit bewahrt habe. Es ist mit Sicherheit eine spannende Lebensgeschichte, die Friedrich Bude aufgeschrieben hat.

Friedrich Bude, „Der Überhebliche“, ISBN: 978-3-347-06676-2.