Enthüllungsjournalist Günter Wallraff fordert mehr Mut gegen Rechts

Der Autor spricht gestern vor Schülern in der Schmöllner Regelschule Am Eichberg über Fremdenfeindlichkeit und seine Erfahrungen als Enthüllungsjournalist.

Autor Günther Wallraff im Gespräch mit OTZ-Redakteurin Petra Lowe in der Schmöllner Regelschule "Am Eichberg".

Autor Günther Wallraff im Gespräch mit OTZ-Redakteurin Petra Lowe in der Schmöllner Regelschule "Am Eichberg".

Foto: zgt

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Schmölln. Der Enthüllungsjournalist und Autor Günter Wallraff forderte gestern in Schmölln mehr Zivilcourage gegen Rechtsextremismus. "Wir müssen gemeinsam etwas gegen Rassismus tun", sagte er vor rund 80 Schülern und Lehrern aus dem Herzog-Gymnasium, dem Schmöllner Förderzentrum, der Regelschule Gößnitz und denen der Schmöllner Regelschule "Am Eichberg", wo die Veranstaltung stattfand. So solle man sich im Kampf gegen Diskriminierung stets Unterstützer suchen und Mehrheiten schaffen, sagte Wallraff.

Der Journalist, der durch seine Reportagen bekannt wurde, in denen er gesellschaftliche Missstände enthüllt, kam im Rahmen des Landesprogrammes gegen Rechtsextremismus in die Knopfstadt. Das Projekt wird vom Lokalen Aktionsplan Altenburger Land gefördert und wurde in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Thüringen sowie dem Förderverein des Roman-Herzog-Gymnasiums durchgeführt. OTZ-Redakteurin Petra Lowe moderierte die Veranstaltung.

Im Gepäck hatte Wallraff das, was die Menschen schon vor drei Jahren schockierte. Er zeigte Ausschnitte aus dem 2009 erschienen Film "Schwarz auf Weiß", in dem er schwarz geschminkt als Somalier Kwami durch die Republik reiste. So ist in der Aula der Regelschule zu sehen, wie sich Kwami in einem Zug, der voll besetzt mit Fußballfans ist, immer wieder angefeindet wird. Oder wie er vergebens versucht, sich bei einer Behörde über den Erwerb eines Jagdscheines zu informieren. Ihm gar mit Polizei gedroht wurde.

Die Schüler zeigten sich betroffen. Er würde dazwischen gehen, wenn er mitbekäme, dass Menschen bedrängt werden, meinte ein Schüler. Ein anderer war überrascht von den Reaktionen der Deutschen in dem Film. So zum Beispiel als Kwami seinen Hund in die Hundeschule bringen wollten. War für eine weiße Frau die Gebühr noch erschwinglich, wurde Kwami ein viel höherer Preis genannt. "Ich wurde als Kwami immer wieder mit Gewalt bedroht", sagte Wallraff. "Es gab immer wieder Situationen, die grenzwertig waren", beschrieb der Autor. Angst habe er vor allem im Zug mit den pöbelnden Fußballfans gehabt. Auch wenn "die wachsende Mehrheit der Menschen nicht fremdenfeindlich" sei, müsse man sich gegen jeden einzelnen Fall von Rassismus stark machen.

Wallraff hat seine Erfahrungen auch in seinen Büchern veröffentlicht. Mit dem neuesten Werk "Aus der schönen neuen Welt" ist er gerade auf Tour. Der Besuch im Altenburger Land führte Günter Wallraff gestern Abend auch in die Music Hall nach Altenburg.

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