Es mangelt auch am Problembewusstsein

Altenburg.  Ausstellung im Mauritianum beleuchtet die Umweltzerstörung und ihre Folgen in Bangladesch

Claudius Günther war für die Ausstellung zwei Mal in Bangladesch und hat zahlreiche Aquarelle angefertigt.

Claudius Günther war für die Ausstellung zwei Mal in Bangladesch und hat zahlreiche Aquarelle angefertigt.

Foto: Andreas Bayer

Man läuft über einen bunt bemalten Rundweg aus Altholz, eindrucksvolle Aquarelle wechseln sich mit handwerklichen Produkten einfacher Art ab. Weitgehend unbemerkt eröffnete das Naturkundemuseum Mauritianum kürzlich eine Ausstellung unter dem Titel „Wenn Wasser knapp wird – veränderte Lebenswelten im Ganges-Delta“. Für diese haben der Ethnologe Olaf Günther und sein Sohn Claudius Feldforschung in Bangladesch betrieben und eine aufschlussreiche Konzeption erarbeitet.

Der Rundgang leitet die Besucher durch die verschiedenen Lebenswelten, die sich stark unterscheiden. Vom Leben im Einklang mit dem Fluss, über massive Eingriffe in das Gleichgewicht bis hin zur Entwicklung nach den Überschwemmungen durch die jährlich wiederkehrenden Zyklone. Man wird auf eine Reise mitgenommen, die durch exotische Gegenden und doch zwangsläufig zurück in unsere sogenannte „Erste Welt“ führt. Deren globales Wirken beeinflusst Gegenden, wie das Tiefland von Bangladesch, massiv.

Etwa 90 Prozent der Klimafolgen in Bangladesch seien selbstverschuldet, schätzt Claudius Günther. Das sei

aber bedingt dadurch, dass so viel nach Europa oder die USA exportiert werde. Darum ist in einer Ecke auch ein Haufen Schrott aufgestapelt. „Das Problembewusstsein ist dort gar nicht vorhanden. Darauf angesprochen, warum sie ihren Müll einfach fallen lassen, sagen sie: Das machen doch alle so“, sagt Günther. Eine Müllabfuhr gebe es nur in den wohlhabenden Vierteln der Städte. Zudem sei das lokale Handwerk, etwa der Fischer und Korbflechter, bedroht, weil immer mehr Plastik aus China importiert werde. Die junge Bevölkerung wolle die Berufe ihrer Eltern und Großeltern nicht mehr lernen. Das Ergebnis sei eine extreme Landflucht.

Doch auch dort, wo die Natur noch das Leben bestimmt, geraten sie zunehmend in Bedrängnis. „Die im Flussdelta wohnenden Menschen müssen im Laufe ihres Lebens etwa siebenmal umziehen“, sagt Günther. Das sei schon immer so gewesen, doch zunehmend bestimme das Geld, wer eine Pachterlaubnis vom Staat erhalte. Aus ethnologischer Sicht sind die Lebensgewohnheiten höchst interessant. Claudius Günther hat in zahlreichen Aquarellen festgehalten, was er bei den Erkundungen seines Vaters Olaf, Vorstandsmitglied der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg (NfGA) und Professor für Zentralasienwissenschaften an der Palaky-Universität Olmütz, vorgefunden hat.

Profit steht auch hier an erster Stelle

„Ich hatte immer höchstens eine Stunde, um zwei oder drei Bilder zu malen“, berichtet Claudius. Ohnehin

habe er nur kurz freie Sicht gehabt, wenn er sich ein Motiv ausgesucht habe. Nach wenigen Minuten war er stets von zahlreichen Kindern umringt, denn Bangladesch ist eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde.

So erzählen seine Aquarelle viel, von Teeplantagen, der Bergbauregion und den umweltzerstörenden Shrimpsfarmen bis hin zum letzten Wald des Landes reicht die Palette. „Die Natur wird ausgeklammert, wenn es um den Profit geht“, so Günthers Erfahrung. Ein Reisestipendium der NfGA ermöglichte ihm, von Neujahr bis März 2020 die Zeit bis zu seinem Kunststudium zu überbrücken.