Gedenkstein für Opfer der Flakstellung in Neuposa eingeweiht

Neuposa/Nißma.  Zeitzeuge berichtet von den Ereignissen am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Einweihungszeremonie mit dem Ortschronisten und Musiker Volker Thurm, dem Zeitzeugen Gerhard Kühn und dem Heimatvereinsvorsitzenden Jens Gollub (v. l.).

Die Einweihungszeremonie mit dem Ortschronisten und Musiker Volker Thurm, dem Zeitzeugen Gerhard Kühn und dem Heimatvereinsvorsitzenden Jens Gollub (v. l.).

Foto: Wolfgang Riedel

Nachdem im April in Absprache des Heimatvereins Oberes Gerstenbachtal und der Gemeinde Starkenberg mit Vertretern des Burgenlandkreises und der Gemeinde Elsteraue an der Landesgrenze Thüringens zu Sachsen-Anhalt zwischen Nißma und dem Starkenberger Ortsteil Neuposa ein Gedenkstein für die Kriegsopfer der dort ehemals stationierten Flakstellung gesetzt wurde, erfolgte jetzt am Volkstrauertag die Einweihung des mit einer Schrifttafel versehenen Natursteins.

Die Platte mit dem Schriftzug „Zum Gedenken an die Opfer der Flakstellung (1944-1945)“ fertigte der Metallbauer Maximilian Brinkmann an.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Jens Gollub, begrüßte zu dieser Einweihungsveranstaltung 20 Gäste. „Den Stein sponserten die Starkenberger Baustoffwerke, die ihn auch per Radlager zum hiesigen Standort transportierten. Im Erdreich unter dem Stein kündet zudem eine Flasche mit Dokumenten vom Regionsgeschehen“, so Gollub.

Soldaten durch Schüler ersetzt

Sehr ausführlich beschrieb der Ortschronist von Kayna und Musiker, Volker Thurm, die grausamen Kriegsszenarien auf dieser Anhöhe bei Nißma in den Jahren 1944 und 1945. „Im Mai 1944 befand sich im Zweiten Weltkrieg die deutsche Wehrmacht in der Defensive und eine Offensive der Alliierten richtete sich vor allem gegen die deutsche Treibstoffindustrie. Am 12. Mai 1944 waren 1000 B-17-Bomber in Richtung Deutschland unterwegs“, so Thurm. Soldaten der Flakstellung, die an die Front mussten, wurden durch Schüler ersetzt, die nach einer Ausbildung als Luftwaffenhelfer zum Einsatz kamen. Den Bau der Flakstellungen mussten Häftlinge ausführen. Wegen Personalmangels wurden auch gefangene Sowjetsoldaten, die sich freiwillig als Flakschützen meldeten, eingesetzt.

Neben der Luftabwehr mussten die Flakbesatzungen zudem auch die vorrückenden amerikanischen Panzer ins Visier nehmen. Es tobte letztlich ein grauenvoller Kampf rund um die Treibstoffproduktion in Rositz und die Munitionsfabrik in Meuselwitz, der viele Opfer auf beiden kriegführenden Seiten forderte.

„Es kam zu schwersten Kampfhandlungen beim Vormarsch der amerikanischen Soldaten hier in unserer Region und somit zu vielen Opfern, die während der vielen Jagdbomber-Angriffe und dem fast pausenlosen Artilleriebeschuss verschüttet wurden und teils bis heute vermisst werden“, sagt Heimatvereinsvizechef Ralf Neuber. Mit Liedern wie „Sag mir, wo die Blumen sind“ umrahmte Volker Thurm musikalisch die Steineinweihung.

„Für uns Kinder war das Treiben der Soldaten rund um die Flakgeschütze eine amüsante Abwechslung, ehe es dann zu den grausamen Kampfhandlungen kam“, erzählt der damals neunjährige Zeitzeuge, der Neuposaer Heimatfreund Gerhard Kühn.