Große Wende 9. Oktober

Kristin Jahn,
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Kristin Jahn.

Kristin Jahn.

Foto: Andreas Bayer

Zum Sonntag von Kristin Jahn

Wenn mich jemand fragt, wann die „Wende“ begann, wann die friedliche Revolution um sich gegriffen hat und alles in Bewegung kam, dann sage ich: 9. Oktober. Der Tag, an dem erstmals sichtbar wurde: Da stehen Menschen gemeinsam auf. Sie stehen auf für Freiheit in diesem Land, für ein Leben, wo das Leben eines jeden geachtet wird. Sie stehen auf für ein anderes Land. Ein Land ohne Willkür, Unterdrückung, Gewalt.

In Leipzig sind am 9. Oktober 1989 tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie standen Menschen gegenüber, die Waffen in der Hand hatten. Die Bilder gingen um die Welt. Friedliche Revolution. So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treulich und rechtschaffen und lasst fahren die Götter und dient dem Herrn, Worte aus dem Buch Josua.

Damals haben Befehlshaber ihre Götter, ihre Machtansprüche, fahren lassen. Es gab – Gott sei Dank – keinen Befehl zum Schießen. Die Demonstranten konnten friedlich für ein anderes Leben demonstrieren. Das war die Wende. Das Leben selbst, der Respekt für das Leben war größer, größer als alle Machtansprüche der Regierenden und Menschen haben ihre Hoffnung laut gemacht. So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treulich.

Diese Worte stehen heute als Losung über dem 9. Oktober 2021. Seit 1989 ist viel Zeit vergangen. Vor zwei Jahren wurde am 9. Oktober ein Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt.

Ein Mann zog los mit einer Waffe in der Hand und dem festen Ziel zu töten, was nicht in sein Weltbild passt. Er wollte die Mitglieder der jüdischen Gemeinde töten. Nur eine Tür hat die Menschen vor diesem Anschlag bewahrt. Andere Menschen hat er auf offener Straße ermordet. Auch das ist der 9. Oktober. Da hat ein Einzelner seinen Hass und sein Weltbild über alles gestellt. Menschen wurden ermordet.

Ein Datum und zwei Erfahrungen. Gott will nicht, dass wir tatenlos zusehen, wenn ein Mensch einen anderen bedroht. Die große Wende, das habe ich gelernt, sie steht an für uns: Tag um Tag. Mich selbst hinwenden zu dem, was das Leben des anderen bewahrt; für das Leben meines Nächsten einstehen, es beschützen und dafür auch aufstehen, das steht jeden Tag auf dem Programm. Dazu helfe uns Gott, jetzt und allezeit. Amen.