Politik

Landwirte wollen nicht am Pranger stehen

Kriebitzsch.  Die Landwirte schlagen Alarm, weil ihnen durch ideologisch motivierte Politik die Existenzgrundlage entzogen werde.

Drohnenaufnahme vom Protest der Landwirte in Kriebitzsch.

Drohnenaufnahme vom Protest der Landwirte in Kriebitzsch.

Foto: Marie Luise Lehmann / Moments of Agriculture

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Rund 200 Menschen und 25 Traktoren haben sich am Samstagabend an der B180 eingefunden, um Alarm zu schlagen. Wie in zahlreichen anderen Städten Deutschlands haben auch die Landwirte aus dem Landkreis Altenburger Land zu einem weithin sichtbaren Zeichen des Protestes aufgerufen. Die Landwirte sehen sich aus vielerlei Gründen zu Unrecht an den Pranger gestellt.

„Der Grund, warum wir zu diesem Mahnfeuer aufgerufen haben ist der, dass man nicht mehr mit uns Landwirten redet, sondern über uns“, sagt Kerstin Fröhlich vom Vorstand der Kriebitzscher Agrargenossenschaft. 28 Familien aus der Region betreiben seit 1991 unter ihrem Dach Ackerbau und Viehzucht, allerdings mit zunehmenden Verdruss. „Wir möchten, dass unsere Kinder auch noch Lust haben, diesen Beruf zu erlernen“, so Fröhlich. Der andere Vorstand der Genossenschaft, Denis Fischer sagt: „Wir haben die letzten Jahre keine Werbung für uns gemacht, das fällt uns jetzt auf die Füße.“

Ursachen des Insektensterbens nicht ausreichend erforscht

Ihre Kritik richte sich daher weniger gegen die Politik Julia Klöckner, Bundesministerin für Landwirtschaft, sondern eher gegen die der Umweltministerin, Svenja Schulze (SPD). „Weil uns für alles die Schuld gegeben wird“, so Fröhlich. Die Landwirte seien aber eben nicht schuld am Insektensterben, am Klimawandel oder am Nitrat im Grundwasser. Hier fehle Ursachenforschung, dafür herrsche blinder Aktionismus, der ideologische Entscheidungen verursache. Es seien historisch gewachsene Probleme und die Landwirte das letzte Glied in der Kette, erklärt Berndt Apel, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, und nennt ein Beispiel: „Vor zwei Jahren hat man verboten, dass das Saatgut mit Neonicotin gebeizt werden darf. Die Konsequenz davon ist, dass wir jetzt zweimal im Jahr mit der Spritze übers Feld fahren. Wem ist damit gedient?“

Man sei nicht gegen biologische Landwirtschaft, „aber man soll auch nicht so tun, als sei Bio das Allheilmittel“, so Fröhlich. „Wir können alles machen, was gewünscht wird, aber wir müssen auch davon leben können.“ Die Auflagen würden von Jahr zu Jahr mehr werden, während die Lebensmittel-Preise stagnieren. Es räche sich, dass man in Deutschland die strengsten Auflagen habe, aber gleichzeitig massiv Lebensmittel aus Ländern importiere, die nicht an diese Auflagen gebunden sind. Wie etwa durch Mercosur und weitere Außenhandelsabkommen der EU. „Das belastet unseren Markt. Die heimische Landwirtschaft hat das Nachsehen, weil sich billig-billig durchsetzt“, so Apel.

Man wolle an die Proteste in Berlin vom vergangenen Wochenende anknüpfen und mit häufigen Protesten die Gesellschaft wachrütteln, so Denis Fischer: „Wir wollen nicht in den Himmel gehoben werden, aber genauso viel Anerkennung wie andere Handwerker auch.“ Das Image der Bauern sei gerade in den Städten stark in Verruf geraten. „Man könnte ja auch erst einmal prüfen, wer oder was am Insektensterben schuld ist, bevor man die Landwirte verantwortlich macht“, so Fischer. Das neue Agrarpaket der Ministerinnen Klöckner und Schulze sei ohne Rücksprache mit den Landwirten und völlig überstürzt verabschiedet worden. Die Landwirte zeigen sich entschlossen, weiter zu kämpfen und planen bereits die nächsten Aktionen.

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