Lindenaus Schatzkammer zieht in Interimsquartier um

Altenburg.  Nächste Woche zieht das prominente Altenburger Lindenau-Museum in ein Interimsquartier. Im Frühjahr soll die Sanierung beginnen.

Das Lindenau-Museum – hier ein historisches Foto von 1938 – wird saniert und erhält den benachbarten Marstall als Depot.

Das Lindenau-Museum – hier ein historisches Foto von 1938 – wird saniert und erhält den benachbarten Marstall als Depot.

Foto: Gottfried Semper

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Gerade ein Jahr nach der Finanzierungszusage über 48 Millionen Euro wird es schon ernst mit der Sanierung des Lindenau-Museums Altenburg. Wie Direktor Roland Krischke jetzt auf Nachfrage mitteilte, startet der Umzug in Interims-Unterkünfte in der Innenstadt bereits in der Nikolauswoche. Bis Frühjahr soll der historische Prachtbau von anno 1876 leergezogen sein und am 6. April 2020 die konkrete Baumaßnahme beginnen.

Eine Baugenehmigung gebe es zwar noch nicht, konzediert der alerte Museumsmann. Der Antrag werde Anfang des neuen Jahres gestellt. Offenbar gilt dieser Teil des Verfahrens nur noch als Formsache; Bauherr ist der Landkreis Altenburger Land als Eigentümer der Immobilie. Deshalb hat Krischke auch die komplette Bauplanung im Verein mit dem Landratsamt absolviert – und ist sehr erfreut über die effiziente und fruchtbare Zusammenarbeit. Nicht nur der Zeitplan steht fest, sondern es seien auch bereits Gewerke ausgeschrieben und vergeben. Und am 1. April 2023 will Krischke das restaurierte und umgebaute Lindenau-Museum wiedereröffnen – mit einer fulminanten Kunst-Ausstellung.

Damit legen die Ostthüringer ein bemerkenswertes Tempo vor. Von der 60 Millionen-Euro-Offerte zur Sanierung von Schloss Friedenstein hatte es bis zum Baustart in Gotha fast dreieinhalb Jahre gedauert; die Klassik-Stiftung Weimar benötigte von der Finanzierungszusage für ihren Masterplan bis zum Baustart im Residenzschloss sogar länger als ein Jahrzehnt. Roland Krischke räumt allerdings ein, dass mit dem Wiedereinzug 2023 ins Museum nur der erste Schritt des Vorhabens geschafft sein wird. Danach soll der Marstall, der zurzeit aus städtischem Eigentum an den Landkreis übertragen wird, saniert und zum Depot umgebaut werden – wenn alles gut geht, bis spätestens 2027.

Schon nächste Woche ziehen der Direktor und sein Team mit ihren Büros um, und ab Mitte Dezember setzen sie ihre kostbaren Kultur-Objekte in Bewegung. Die neue Adresse heißt Kunstgasse 1; dahinter verbirgt sich ein neumodisches Einkaufszentrum in Altenburgs Innenstadt. Rund 1800 Quadratmeter stehen dort zur Verfügung, nur halb so viel wie im Museum. „Wir gehen dort mit den Depots rein“, erläutert Krischke. Für Ausstellungen werde es etwa 200 Quadratmeter Platz geben. Für weitere Depotkapazitäten hat man sich in ein geeignetes Objekt in Südthüringen eingemietet.

„Die Italiener“ gehen auf Reisen

Die Kunstschule, die das zentrale pädagogische Anliegen des Museumsstifters Bernhard August von Lindenau repräsentiert, bleibt nur für einen Monat geschlossen. „Wir wollen vor allem die Vermittlungsarbeit präsent halten“, verspricht Krischke. „Ab Februar geht’s weiter.“ Für Grafikausstellungen hat er mit den Nachbarn auf Burg Posterstein Kooperationen verabredet. Unterdessen ziehen die exquisiten Gemälde aus der italienischen Frührenaissance – der größte Schatz des Museums – andere Kreise: Sie werden während der Altenburger Schließzeiten in Saarbrücken und Chemnitz gezeigt.

Der wichtigste Clou beim Umbau ist, dass das Museum einen barrierefreien, ebenerdigen Haupteingang ins Kellergeschoss erhält. In einem dem Haus vorgelagerten Bereich entstehen Kasse, Garderoben Sanitärbereich und Shop neu; Treppen und ein Aufzug führen in die drei Geschosse darüber. Ganz oben warten ab 2023 die „alten Italiener“ auf Besucher, dazu Gemälde und Plastiken. Das erste Obergeschoss nehmen dann die Antiken-Abgüsse und eine Sonderausstellungshalle ein, und im Erdgeschoss ist der Ostflügel für die Kunstschule reserviert. Den Westflügel indes will Krischke dem Andenken Lindenaus widmen.

Der sei in Sachsen wie in Thüringen ziemlich in Vergessenheit geraten, dabei haben beide Länder dem 1780 in Altenburg Geborenen viel zu verdanken. Als Minister wirkte er in Gotha ebenso wie Dresden; der kunstsinnige Baron, dessen Ankäufen Gothas Friedenstein ein Gutteil seiner Kulturschätze verdankt, war ein führender Astronom seiner Zeit, so dass heute ein Asteroid und ein Mondkrater nach ihm benannt sind.

Nach dem Umbau will Roland Krischke das galaktische Altenburg in den unendlichen Weiten thüringischen Kulturlebens neben dem Kosmos Weimar und dem Barock-Universum Gotha als weiteren Leuchtturm positionieren. Und im Unterschied zu den beiden anderen Standorten hat er eine Großstadt im Einzugsgebiet: Leipzig.

www.lindenau-museum.de

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