Neben den Kosten steigt auch die Gerechtigkeit

Schmölln.  Wieso die Abwassergebühren in Schmölln so stark angehoben werden müssen

Hochdruck-Spül- und Saugfahrzeuge wie dieses haben einen Tank mit einem Nutzvolumen von 13 Kubikmetern. Damit werden Kanäle gespült und ebenfalls Kleinkläranlagen entleert.

Hochdruck-Spül- und Saugfahrzeuge wie dieses haben einen Tank mit einem Nutzvolumen von 13 Kubikmetern. Damit werden Kanäle gespült und ebenfalls Kleinkläranlagen entleert.

Foto: Klaus Moritz

„Ich bin stark verwundert darüber, dass die Bürger Schmöllns gegen diese Gebührenerhöhung nicht schon Sturm gelaufen sind“, schreibt ein Leser in einem erbosten Brief an die Redaktion. Nach der Rückkehr von einer Reha-Kur habe er in dieser Zeitung erfahren, welche Erhöhung der Abwassergebühren der Stadtrat am Abend des 5. November beschlossen hat.

Der Leser beklagte, dass die Erhöhung der Grundgebühr von derzeit 50 Euro auf 120 Euro jährlich einer Erhöhung um 140 Prozent entspricht. Dazu noch die Mengengebühren, welche in den Bereichen „Schmutzwasser Volleinleiter“ und „Regenwasser privat“ ab kommenden Jahr ebenfalls um rund 50 beziehungsweise 25 Prozent angehoben werden. „Um 200.000 Euro Betriebsführungskosten auszugleichen sind meiner Meinung solche Preiserhöhungen nicht erforderlich“, schreibt der Leser.

Der technische Aufwand steigt

Mit dieser Kritik konfrontiert, kontert Stadtwerke-Geschäftsführer Severin Kühnast damit, dass es nicht daran allein liege. So zahle man bereits seit 2020 rund 100.000 Euro zusätzlich für die Klärschlamm-Entsorgung. Ab 2021 müssten rund 50.000 Euro pro Jahr zusätzlich für Energie und Chemie eingeplant werden, noch einmal so viel für Investitionen und Abschreibungen. Der hohe Anschlussgrad von 94 Prozent aller Haushalte im Versorgungsgebiet bedinge zudem, dass man rund 100.000 Euro mehr pro Jahr für Wartungsverträge sowie Reparaturkosten der technischen Anlagen einplanen müsse.

Dass der Anstieg der Abwassergebühren dermaßen stark ausfällt, liegt aber auch daran, dass man seit längerem nicht die tatsächlich anfallenden Kosten an die Kunden weitergegeben habe. „Wir bereichern uns nicht, diese Kalkulation wird von der Kommunalaufsicht seit Jahren gefordert“, so Kühnast. Die Stadtwerke dürften keine Gewinne erwirtschaften und sollten die Kosten genauer auf den einzelnen Haushalt abbilden als bisher praktiziert. Daher dürfen sich die Schmutzwasser-Teileinleiter über eine Gebührensenkung von über 70 Prozent freuen.

Sammelgruben-Besitzer werden geschont

Allerdings müssten dadurch auch die Gebühren im Bereich Fäkalschlamm von derzeit 31,67 Euro je Kubikmeter auf 71,27 Euro ansteigen. Weil man diese 170 Haushalte aber nicht einem Gebührensprung von über 100 Prozent aussetzen wollte, habe man zu dem Kniff der vorübergehenden Absenkung der Eigenkapitalverzinsung gegriffen. Das könne man natürlich kritisieren, wie dies auch einige Stadträte getan haben, weil dies im Grunde eine Ungleichbehandlung der Gebührenzahler darstelle. „Aber was können denn diese 170 dafür, dass wir die vergangenen vier Jahre von zu niedrigen Kosten ausgegangen sind“, so Kühnast. Man habe die Kommunalaufsicht sowie den externen Berater frühzeitig in diese Absicht eingebunden. Daher sei man zuversichtlich, dass es auch so genehmigt werde.

Doch der Leserbriefschreiber nennt einen weiteren Einwand: „Ich vermisste im Artikel eine genaue Erklärung, was prinzipiell an Mehrkosten auf die Bürger zukommt.“ Das liegt daran, dass dafür eine Vielzahl an Varianten möglich ist. Die neuen Mengenpreise wurden im Artikel genannt, die Grundgebühr ist derzeit noch abhängig von der Größe des Wasserzählers. In der kleinsten Variante (bis zu 2,5 Kubikmeter je Stunde) fallen wie erwähnt 120 Euro monatlich an. In der größten Variante (bis 60 Kubikmeter je Stunde) wären dies künftig 2880 Euro pro Monat. Die prozentuale Erhöhung ist bei allen Größen dieselbe. Zudem beauftragte der Stadtrat, dass ein Abrechnungsmodell nach Wohneinheiten geprüft werden soll.

Zugewinn liegt im Umweltstandard

Der Behauptung, dass die Stadtwerke nun kreisweit am teuersten im Bereich Abwasser seien, widersprach Kühnast. Die Gemeindewerke Oberes Sprottental seien etwas teurer, der Zweckverband Altenburger Land (ZAL) etwas günstiger. „Im Grunde kann man aber keinen seriösen Preisvergleich machen, weil der Anschlussgrad und die örtlichen Gegebenheiten überall unterschiedlich sind“, so Severin Kühnast. Darum greife man in der Regel auf einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt zurück. Hier liegen die Stadtwerke Schmölln künftig bei rund 600 Euro pro Jahr, am teuersten bundesweit sei Potsdam mit rund 930 Euro. Sobald der ZAL einen höheren Anschlussgrad erreiche, der aktuell bei etwa 43 Prozent liege, dürften auch dort die Gebühren ansteigen.

Im Grunde, so der Stadtwerke-Geschäftsführer, könne man den Preisanstieg auf zwei Faktoren zurückführen: technischer Fortschritt sowie gestiegene Umweltstandards. „Man möchte eine saubere Umwelt haben, das wurde hier in Schmölln vorbildlich umgesetzt. Das ist erfreulich, aber kostet eben auch.“