Raubüberfall in Altenburg: Opfer mit Pistole auf Kopf geschlagen

Gera.  Die Attacke auf offener Straße war äußerst brutal. Der Angeklagte kommt dank seines Geständnisses und des Jugendstrafrechts mit einer vergleichsweise milden Strafe davon.

Ein Justizwachtmeister bringt den Angeklagten in den Verhandlungssaal.

Ein Justizwachtmeister bringt den Angeklagten in den Verhandlungssaal.

Foto: Tino Zippel

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Das Landgericht Gera hat am Montag einen 20-jährigen Mann zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Er hatte im Prozess zugegeben, einen Griechen in Altenburg überfallen zu haben. Dabei brachte er eine Schreckschusspistole zum Einsatz. Der Intensivtäter zeigte wenig Reue.

Die Tat hatte sich am 19. März 2018 in den frühen Morgenstunden ereignet. Das Opfer war zu Gast auf einer privaten Feier, stritt sich dort aber mit seiner Lebensgefährtin. Er machte sich mit seinem Rucksack und einem Koffer auf den Weg zum Bahnhof, ohne zu wissen, ob um diese Uhrzeit ein Zug hält.

Opfer die Pistole auf den Kopf geschlagen

In der Wettinerstraße bemerkte er den Angeklagten, der schließlich mit vorgehaltener Waffe die Herausgabe von Geld forderte. Der Ausländer verstand nicht, was der Angreifer sagte. Als der Altenburger kein Geld bekam, hat er die Waffe durchgeladen und abgedrückt. Es löste sich aber kein Schuss. Deshalb schlug der junge Mann dem Opfer mit der Waffe auf den Kopf und flüchtete schließlich mit dem Koffer. Diesen ließ er nach dem Durchwühlen zurück, weil sich nichts Verwertbares darin fand.

Nach einer Verfahrensabsprache räumte der Angeklagte die Tat vollumfänglich ein. Er sei zuvor bei einem Kumpel gewesen, habe Schnaps und Bier getrunken. Auf dem Weg zu einem anderen Kumpel sei er durch Zufall auf das Opfer gestoßen, dessen Koffer ihn interessiert habe.

Zahlreiche Strafen im Bundeszentralregister

Der Angeklagte hat weder Schulabschluss noch Ausbildung. Er ist bereits wegen mehrerer Gewaltdelikte verurteilt und sitzt eine Jugendstrafe in der Anstalt in Arnstadt ab, die ins neue Urteil einfließt. Geahndet wird auch ein Einbruch in einen Kiosk in Ponitz (Altenburger Land).

Staatsanwalt André Sbick beantragte drei Jahre Jugendstrafe. Verteidiger Thomas Lehe plädierte auf zweieinhalb Jahre Jugendstrafe und blieb damit am unteren Ende des abgesteckten Rahmens. Der Angeklagte, der schon während der Verhandlung desinteressiert wirkte, wollte dem nichts hinzufügen.

„Die Kammer hat keinen Zweifel daran, dass ein Reifeverzug vorliegt“, sagt der Vorsitzende Richter Berndt Neidhardt und nennt als Indiz das „unangemessene, arrogante Verhalten während der Hauptverhandlung“. Die Kammer erkannte, dass schädliche Neigungen vorliegen. Wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung kam die Kammer auf die Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. „Es braucht diese Zeit, um pädagogisch mit ihm zu arbeiten“, sagt Neidhardt.

Bei Anwendung des Erwachsenenstrafrechtes hätten den Angeklagten mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe erwartet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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