Schmöllner setzen Lichtmomente im Advent

Schmölln.  Kreative Ideen bringen Adventsstimmung auch ohne Weihnachtsmarkt nach Schmölln

Die angehende Konditorin Lisa Winges erhielt für ihr Keksothek-Projekt viel Unterstützung von ihrer Familie. Vater Thomas half beim Verkauf.

Die angehende Konditorin Lisa Winges erhielt für ihr Keksothek-Projekt viel Unterstützung von ihrer Familie. Vater Thomas half beim Verkauf.

Foto: Andreas Bayer

Am Eingang zu ihrem Grundstück auf dem Kellerberg begrüßt Ute Winges die Besucher mit Desinfektionsspray und herzlichen Worten. „Wir hoffen, dass die Menschen ein wenig von der Weihnachtsfreude mitnehmen. Man nennt es nicht umsonst das Fest der Liebe“, sagt sie. Die Premiere der Keksothek in Schmölln sieht sie als Drei-Generationen-Projekt.

Ihre Tochter Lisa hatte die Idee für das Konzept, Ute und Thomas Winges stellten dafür ihr Grundstück zur Verfügung. Die Großmutter von Lisa schließlich steht am Ende des von zahlreichen Lichtern beschienenen Weges und verabschiedet die Besucher mit freundlichen Worten, aufmunternden Postkarten sowie einem Lorbeerzweig. Der steht von Alters her für Erfolg und soll die Gäste daran erinnern, dass jede und jeder etwas besonderes sei. „Das, was Du kannst, kann keiner so wie Du“, fasst es Ute, die Trainerin für Herz- und

Rehasport, zusammen.

Angst macht die Menschen krank

Sie sieht die Keksothek daher auch als ein Projekt zur Gesundheitsförderung, weil es Freude verteile. „Die Freude lässt keinen Raum für Angst, denn Angst macht die Menschen krank“, sagt sie, während sie zahlreiche Freunde und Nachbarn am Gartentor begrüßt. Damit sich keine Grüppchen bilden und die Mindestabstände eingehalten werden, helfen Freunde von Lisa aus. Die 21-Jährige selbst, die seit Wochen ihre Ausbildung zur Konditorin im österreichischen Schloss Fuschl pausieren muss, steht mit Vater Thomas Winges derweil hinter dem improvisierten Verkaufstresen im Garten.

Letzten Endes habe sie doch fast drei Wochen lang gebacken und verziert, erzählt sie. Etwa 20 Kilogramm Kekse seien am Ende dabei herausgekommen. Sie nennt es eine „interessante Erfahrung“ und freut sich, dass so viele Menschen aus der Nachbarschaft vorbeikommen und ihre Grüße übermitteln. „Weihnachten wird es auch ohne Weihnachtsmarkt“, sagt Mutter Ute und weist die Nachbarn auf einen Glühweinstand ihrer Freundin Claudia Kirtzel hin. Das lassen sich die meisten nicht zweimal sagen und spazieren die 500 Meter den Berg hinunter, wo sie freundlich mit Heißgetränken empfangen werden.

Den Kopf nicht hängen lassen

„Viele lassen derzeit ein wenig den Kopf hängen“, sagt die Sozialarbeiterin, die sich scherzhaft als Trittbrettfahrerin bezeichnet. Eigentlich habe sie ein Türchen des Lebendigen Adventskalenders in ihrem

neu bezogenen Haus beherbergen wollen. Als sich aber im Oktober abzeichnete, dass es in diesem Jahr keinen geben wird, habe sie sich gemeinsam mit Ute Winges auf diesen Ausweg abgesprochen. „Wir haben keinen Plan, irgendetwas zu unterwandern. Das soll ein Lichtmoment sein“, sagt Claudia Kirtzel. Ein aufmerksamer Blick und ein aufmunterndes Wort sollte auch in diesen Tagen möglich sein. Sie zitiert Eleanor Roosevelt: „Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen.“

Da es in diesem Jahr auch keinen Weihnachtsmarkt geben darf, sei diese Variante im Freien und mit genügend Abstand die einzige Möglichkeit, sich noch auf dieser Ebene zu begegnen. Mit Ehemann Steffen verteilt sie Glühwein und Früchtepunsch an die gesamte Nachbarschaft, was in dieser Form vermutlich keine Wiederholung in diesem Jahr finden dürfte. „Man besinnt sich wieder auf die engsten Verwandten“, hat Claudia Kirtzel festgestellt.