Schmöllner Unternehmerin stemmt sich weiter gegen das Aufgeben

Schmölln  Antje Henkel vom gleichnamigen Reiseservice ist seit Beginn der Coronapandemie ohne Einkommen. Seit Januar verstärken sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen das Team vom Gesundheitsamt des Kreises Altenburger Land

Ferne Länder besuchen können Antje Henkel und ihre Kundschaft aktuell nur mit dem Finger auf dem Kunststoff-Globus. Doch die Schmöllnerin gibt die Hoffnung nicht auf, dass Reisen bald wieder möglich sein wird.

Ferne Länder besuchen können Antje Henkel und ihre Kundschaft aktuell nur mit dem Finger auf dem Kunststoff-Globus. Doch die Schmöllnerin gibt die Hoffnung nicht auf, dass Reisen bald wieder möglich sein wird.

Foto: Jana Borath

Jede Krise ist eine Herausforderung. Diesen Satz kann Antje Henkel inzwischen nicht mehr hören. Die Inhaberin des gleichnamigen Reiseservice in Schmölln stellte sich in den zurückliegenden 20 Jahren so mancher beruflichen Herausforderung. Thomas-Cook-Pleite, Tsunami-Katastrophe, die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin – die Aufzählung der Ereignisse, die die Reisebranche jedes mal ordentlich durchschüttelte, kann die Schmöllnerin locker fortsetzen. Und dabei berichten, wie sie all diese geschäftlichen Klippen souverän umschiffte.

Den Jahresumsatz eigenhändig abgewickelt

Mit der Coronapandemie ist das anders. Denn mit ihr geht für sie beruflich nichts mehr. „Seit April vergangenen Jahres habe ich praktisch kein Einkommen.“ Ihre beiden Mitarbeiterinnen gingen – mit kurzer Unterbrechung im Sommer – auf Kurzarbeit Null. Sie selbst saß seit Beginn der Pandemie allein in ihrem Büro – um Reisen, die sie an ihre Kundschaft verkauft und vermittelt hatte, abzuwickeln. 339 sind es an der Zahl und damit 90 Prozent ihres gesamten Umsatzes 2020. Die restlichen zehn Prozent der Reisen sind umgebucht oder verschoben. Provisionen fließen dafür nicht.

„Ich geb mir Mühe, den Ball flach zu halten“, sagt Antje Henkel. Sie tut lieber alles dafür, um ihr Büro am Schmöllner Markt behalten zu können. „Es ist so ein schöner Platz.“ Auch die zwei Jahrzehnte als selbstständige Unternehmerin mag sie nicht abhaken. Darüber habe sie in den vergangenen Monaten nie nachgedacht. Trotz allem. Denn zu schwer hat sie für diese Selbstständigkeit gearbeitet in all den Jahren.

Weshalb sie mit der Überbrückungshilfe aus Förderprogrammen – erstmals im August gezahlt, eine zweite Überweisung steht für Januar in Aussicht – ausschließlich Miete und Nebenkosten für das Geschäft deckelt. Diese Hilfe, so sagt sie, halte ihren Reiseservice künstlich im Koma. „Es ist die Chance, dass es vielleicht mal weitergeht.“

Ihre persönlichen Lebenskosten bestreitet Antje Henkel von ihren privaten Rücklagen. Die größten Posten sind die Krankenversicherung und die Miete für ihre Wohnung. Ansonsten läuft alles auf Sparflamme. Wie lange das noch so gehen kann, weiß sie nicht.

Unterstützung für das Gesundheitsamt des Landkreises

Aber Jammern ist ihre Sache nicht. Ebenso wenig, anderen auf der Tasche zu liegen. 2021 stemmt sich die Schmöllnerin statt dessen weiter gegen das Aufgeben. Sie hat dem Landratsamt Altenburger Land ihre Hilfe angeboten bei der Arbeit in der Coronapandemie. Erstens, so zählt sie ihre Gründe dafür auf, weil man etwas tun müsse. Zweitens, weil sie dadurch ein wenig Geld verdiene. Drittens, weil ihre beiden Mitarbeiterinnen ein Einkommen benötigen. Seit 4. Januar verstärkt Antje Henkel nun mit einer ihrer Kolleginnen die Corona-Hotline im Gesundheitsamt, die Dritte aus dem Reiseservice Henkel fängt damit am Montag, 11. Januar an. „Kampf dem Virus“, lautet Antje Henkels Devise im neuen Jahr.