Schüler aus dem Altenburger Land entwickeln Theaterstück

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Bei den Schultheatertagen Altenburg wurde ein Stück erarbeitet und aufgeführt.

Bei den Schultheatertagen Altenburg wurde ein Stück erarbeitet und aufgeführt.

Foto: Catharina Jacobi

Altenburg.  50 Jugendliche aus dem Altenburger Land waren bei den Schultheatertagen dabei. Das Ergebnis wurde auf der Bühne präsentiert.

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause konnten die Schultheatertage Altenburg wieder stattfinden – und wurden ein voller Erfolg, wie Teilnehmer Lars Tunçay schreibt.

Eine wütende Meute marschiert über die Bühne. Die Demonstranten halten Schilder in der Hand, auf denen „Haut ab!“ und „Geht nach Hause!“ steht. Aus den Kehlen schallt es „Ausländer raus!“.

Am Rand der Bühne sitzt eine verwirrte und verängstigte Familie, die gerade erst nach Deutschland geflohen ist. „Im Zusammenhalt finden sie trotzdem so etwas wie Hoffnung und sie machen das Beste aus der Situation“, erklärt die Neuntklässlerin Amy. Sie ist eine der Schülerinnen, die diese Szene auf der Bühne des Theaterzelts in Altenburg darstellen.

„Hoffnung“ lautet das Motto

Seit Januar haben rund 50 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 der Regelschulen Gößnitz, Rositz, Schmölln und des Lerchenberggymnasiums Altenburg diese und weitere Szenen einstudiert.

Unter dem Motto „Hoffnung“ setzten sich die Jugendlichen mit Situationen auseinander, die ihnen vertraut sind, erklärt Josie: „Es geht um Mobbing, Rassismus und Einwanderung und um Oberflächlichkeit und das ist etwas, womit sich unsere Gesellschaft und insbesondere wir Jugendlichen oft auseinandersetzen müssen. Dies soll vielleicht auch auf unser späteres Leben Einfluss haben, dass wir auf verschiedene Dinge mit verschiedenen Ansichten blicken.“

Bisher entwickelten die Schulen im Rahmen der Schultheatertage individuelle Stücke, die dann am Ende vorgetragen wurden. Nun haben die Jugendlichen zum ersten mal an einem gemeinsamen Stück gearbeitet, das Mitte Mai in Altenburg zusammengeführt wurde. „Mein Wunsch für die Altenburger Schultheatertage war es, dass die Teilnehmenden eine gemeinsame Aufführung zeigen“, sagt Organisatorin Anna Fricke.

Ein One-Night-Stand, der die wahren Gedanken eines Paares entlarvt, Vernachlässigung, die in einem Mutter-Tochter-Konflikt mündet, Straßenkinder auf der Suche nach Geborgenheit – die jugendlichen Darstellerinnen und Darsteller wurden motiviert, gemeinsam mit ihrer Lehrerin kreativ mit der Textvorlage umzugehen. Ideen wurden gesammelt, ausprobiert und ausgearbeitet, bis schließlich die Szene stand.

Lehrerin ausgefallen

Für die Klasse aus Gößnitz waren die Voraussetzungen besonders schwierig. Die Lehrerin fiel über Wochen hinweg aus. Ein Ersatz wurde nicht gefunden und so entfiel das Fach komplett und damit auch die Arbeit mit dem Stück. Die Schülerinnen und Schüler wollten aber nicht aufgeben und so probten sie in ihrer Freizeit daheim und studierten ihr Stück ohne die Unterstützung der Schule ein.

Am 12. Mai trafen sich die Klassen im Theaterzelt. In Workshops, geleitet von Schauspielern sowie Theaterpädagoginnen des Theaters Altenburg-Gera, lernten die Jugendlichen, sich auf der Bühne zu bewegen, wie man sich die Bälle zuspielt und Nervosität überwindet. „Wir waren auch mit Begleitung auf der Bühne“, sagt Lennox. „Die hat uns hier und da verbessert und uns Tipps gegeben, wie man besser rüberkommt, wie man nicht zittert und dass man zum Publikum guckt und nicht auf den Boden. Das hat auch noch mal sehr geholfen.“

Gespannt auf andere Gruppen

Vor allem waren die Teilnehmer aber gespannt auf die anderen Gruppen. „Wir wussten ja nicht, wie weit die anderen Schulen sind“, erklärt Yannik. „Da überlegst du: Machen wir mehr als die anderen Schulen? Machen wir weniger? Hängen wir hinterher? Wie ist es dann, wenn du auf die anderen Schulen triffst? Wie sind die mit dem Text umgegangen?“

„Ich finde es auch gut, dass wir alle etwas unterschiedlich sind“, ergänzt Anna. „Wenn wir alle die Szenen gleich interpretieren, das wäre doch viel zu langweilig.“ Auch Josie stimmt zu: „Grundsätzlich war es gut, dass wir auch mit anderen arbeiten. Zumal sie ja auch so alt sind wie wir, da kann man sich vielleicht noch was abgucken. Nach jeder Szene, die wir uns angeschaut haben, sollten wir Kritik aufschreiben und das kann man ja dann auch weiterverwenden für die nächsten Stücke, die wir spielen könnten.“

Die unterschiedlichen Interpretationen in ein Stück zu fassen, war die Herausforderung. Am Ende waren alle begeistert: Das Publikum, aber vor allem die jungen Darsteller.