Schulschließungen im Landkreis vom Tisch

Dobitschen/Altenburg.  Bildungsausschuss verständigt sich auf Erhalt aller Standorte, will aber Schulen zusammenlegen

Zuletzt versammelten sich Schüler, Lehrer und Eltern Anfang März vor dem Schulamt in der Hermann-Drechsler-Straße in Gera, um gegen den Lehrermangel im Landkreis Altenburger Land zu demonstrieren.

Zuletzt versammelten sich Schüler, Lehrer und Eltern Anfang März vor dem Schulamt in der Hermann-Drechsler-Straße in Gera, um gegen den Lehrermangel im Landkreis Altenburger Land zu demonstrieren.

Foto: Katja Grieser / Archiv

Eigentlich war die Sitzung des Kreistagsausschusses für Schule, Sport und Kultur nicht öffentlich. Doch wurde schon kurz nach der Sitzung bekannt, was seit Monaten die Gemüter im Landkreis bewegt: Die Schulen in Ponitz und Großstechau sollen erhalten bleiben, die Regelschule Dobitschen soll ohne Einschränkungen weitergeführt werden. Auch die Schließung der Regelschule in Lucka ist fürs erste vom Tisch.

Damit ist der von Landrat Uwe Melzer (CDU) vorgebrachte Entwurf zum Schulnetzplan Makulatur, die für diesen Sommer vorgesehene Schließung der Ponitzer Schule vorerst abgewendet. Am 24. Juni muss noch der Kreistag über den neuen Entwurf abstimmen. Die kleine Grundschule in Ponitz wird dabei aber ihre Selbstständigkeit aufgeben müssen, soll eine Filiale der Grundschule Gößnitz werden. Die Grundschule Großstechau, die ebenfalls nicht die Mindestschülerzahl erreicht, soll eine Kooperation mit der Grundschule Thonhausen eingehen. Das werde aber noch diskutiert, hieß es vonseiten eines Ausschussmitgliedes.

Erhalt der Schulen einstimmig verabschiedet

„Ich begrüße das“, sagte Rolf Herrmann (FDP), Bürgermeister von Löbichau und Mitglied im Bildungsausschuss des Kreistages. Eine Schule sei immer ein Aushängeschild für den Ort, das Kooperationsmodell eine gute Lösung. Die nun gefundene Lösung, die einstimmig von den Ausschussmitgliedern getroffen wurde, sei eine gute Alternative für alle Schulstandorte. „Man kann aufgrund des Defizits an Lehrern in allen Bereichen nicht die Schulnetzplanung ständig den Lehrerkapazitäten anpassen“, so Herrmann.

„Wir haben es im Wahlprogramm stehen, dass die Schulen erhalten werden sollen. Ich denke, das ist die erreichbarste Lösung“, sagte Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD), der ebenfalls Mitglied im Bildungsausschuss ist. In der neuen Fassung würden die Forderungen der Fraktion aus SPD und Grünen umgesetzt. Der Landrat werde gesehen haben, dass sich auch in seinen eigenen Reihen Widerstand gegen die Schulschließungen regte, vermutet der Bürgermeister hinter der 180-Grad-Wende. „Es verbietet sich eigentlich in der derzeitigen Situation, über Schulschließungen nachzudenken, wo die Schüler mehr Raum brauchen“, so Schrade. Sowohl der Landrat selbst als auch die Fraktion aus CDU und FDP hatten Änderungsanträge eingereicht, die auch den vehementen Forderungen aus den anderen Fraktionen Rechnung trugen.

Kritik am Schulamt bleibt bestehen

„Der integrative Schulverbund wäre etwas Innovatives gewesen, letztlich hat aber wohl der Mut vonseiten der Landesregierung gefehlt. So ist es aber auch okay“, sagte Sven Schrade. „Das Land hat uns damit total veralbert“, kommentiert das Marcel Greunke (CDU), Bürgermeister von Ponitz und ebenfalls Kreistagsmitglied. Er bezeichnete es als „unheimliche Erleichterung“, dass die Schließung der Grundschule noch in diesem Sommer abgewendet werden könnte. Die Demonstration Anfang März vor dem Schulamt habe ihm Kraft gegeben und gezeigt, dass die Bevölkerung hinter ihrer Schule stehe, so Greunke.

Er erneute seine Kritik am Schulamt Ostthüringen. „Die Anstrengungen, die man dort unternimmt, sind einfach zu gering.“ So war die freie Stelle für die Ponitzer Grundschule nie ausgeschrieben, erst wenige Tage vor der Demonstration im März erfolgte diese. „Kaum war sie ausgeschrieben, hat sich jemand beworben“, sagte Greunke. Die neue Lehrerin habe sich bereits an ihrer künftigen Schule vorgestellt, wann sie ihren Dienst antritt, konnte der Bürgermeister aber noch nicht sagen.

„So muss es am Ende sein, dass über Parteigrenzen hinweg die beste Lösung gesucht wird“, sagte Marcel Greunke auf die Frage, ob der Landrat aufgrund des Widerstands in der eigenen Fraktion eingeknickt sei. Uwe Melzer habe nur versucht, mit den vorhandenen Lehrkräften das Unterrichtsangebot abzusichern. Nun sehe er die Chance für einen Neuanfang mit der Gößnitzer Grundschule. Schulleiterin Angelika Vinzenz werde die volle Unterstützung erhalten. Man wolle nicht nur fordern, sondern auch geben. Durch die Verschmelzung der beiden Schulbezirke ergäben sich auch für Ponitz neue Möglichkeiten für eine Bereicherung der Region.