Interview

Seit 200 Jahren keine Belege

Norbert Aust, Autor und Referent für Homöopathie-Kritik.

Norbert Aust, Autor und Referent für Homöopathie-Kritik.

Foto: Norbert Aust

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Altenburg. In dieser Woche hielt Norbert Aust (67) aus Schopfheim einen Vortrag an der Volkshochschule zum Thema „Homöpathie: Lehre, Überzeugung, Evidenz“. Der promovierte Ingenieur im Ruhestand hat in den vergangenen acht Jahren ein Buch sowie zahlreiche Artikel zum Thema veröffentlicht.

Was ist Ihre Kritik an der Homöopathie?

Sie ist keine medizinische Behandlungsmethode, sondern eine irrationale Glaubenslehre. Seit 200 Jahren versucht man in wissenschaftlichen Studien, ihre Wirksamkeit nachzuweisen, bislang ohne Erfolg. Sie widerspricht auch allen naturwissenschaftlichen Gesetzen, da die so genannten Arzneimittel selbst in niedrigen Potenzen keine Wirkstoffe enthalten.

Warum erfreut sie sich dann zunehmender Beliebtheit?

Unsere Apparatemedizin bringt die Leute dazu, dorthin zu gehen, wo mit ihnen geredet wird. Schon 2014 haben in einer Allensbach-Umfrage 60 Prozent gesagt, dass sie bereits homöopathische Mittel angewendet haben. Meist für kleinere Beschwerden, die von selbst wieder weggehen. Das fördert evolutionär bedingt unser Vertrauen in diese Methode. Auch trägt unser Gesundheitssystem vieles dazu bei, das zu fördern. Einige Krankenkassen bezahlen die vollen Behandlungskosten, auch an Universitäten wird das gelehrt, die Mittel sind nur in Apotheken erhältlich.

Wo sehen sie die Gefahr dieses Vorgehens?

Gefährlich wird es dort, wo ernsthafte Krankheiten homöopathisch behandelt werden sollen. Auch die Impf-Skepsis ist unter Homöopathen weit verbreitet. Manche Heilpraktiker und auch Ärzte behaupten, selbst Ebola oder Tollwut mit Homöopathie behandeln zu können. Durch die Dauermedikation mit den Zuckerkügelchen selbst bei Kleinkindern droht ihnen auf lange Sicht eine psychische Abhängigkeit.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.