Teergetränkter Altar strahlt wieder im alten Glanz

Lumpzig.  Hinter Gemäuern der Kirchen verbergen sich turbulente Geschichten und Geheimnisse

Andreas Mühle in der hell erleuchtenden Kirche Lumpzig. Im Chorbereich steht der bis in DDR-Zeiten dunkel getränkte Altar.

Andreas Mühle in der hell erleuchtenden Kirche Lumpzig. Im Chorbereich steht der bis in DDR-Zeiten dunkel getränkte Altar.

Foto: Philipp Brendel

Weithin sichtbar ist der strahlende Turm der Lumpziger Kirche. Von der Landstraße nach Altenburg ist die für ein Dorf etwas zu groß geratene Kirche ein echter Blickfang. Im Inneren gibt es neben der Orgel des bekannten Orgelbaumeisters Mende einen Altar zu entdecken, der wortwörtlich ein dunkles Kapitel in seiner Geschichte erlitt.

Vorgängerkirche durch Blitzschlag in Schutt und Asche

Die Sonne strahlt hell auf die weiße Altarkanzel mit ihren dezenten goldenen Verzierungen. Der neogotische Kirchenbau von 1830 sei für eine Dorfkirche schon ungewöhnlich groß, erklärt Andreas Mühle, Kirchenmitglied der Evangelisch-lutherischen Gemeinde Mehna-Dobitschen: „Es ist ein relativ großer Kirchenbau aus einem Guss. Im Inneren ist er eher schlicht gehalten.“ Der Ursprung der ersten Kirche von Lumpzig liege hingegen im Dunkel der Zeit. Die Vorgängerkirche sei wesentlich kleiner gewesen und habe unweit des Herrenhauses gestanden. Ein Blitzschlag am 8. August 1802 habe das kleine Kirchlein zusammen mit der Scheune des Rittergutes in Schutt und Asche gelegt.

Braunshainer zerschlagenKircheninventar

Danach mussten die Lumpziger eine Zeit lang in die Nachbargemeinde nach Braunshain zum Gottesdienst ausweichen. Am 22. August 1829 wurde der Grundstein der heutigen Kirche gelegt. Als Baumaterial seien Steine der Brandruine der Lumpziger Kirche und der wegen Baufälligkeit abgetragenen Braunshainer Kirche verwendet worden. Doch die Braunshainer seien nicht besonders erfreut über die Abtragung ihrer Kirche gewesen und dass auch noch das Kircheninventar nach Lumpzig verbracht werden sollte. Kurzerhand haben sie selber Hand angelegt und zerschlugen Teile des Kircheninventars in der Braunshainer Kirche. Dabei kam dem Altar eine sonderbare Rettung in letzter Minute zugute, schildert Andreas Mühle: „Durch einen engagierten Bürger aus Hartha ist der Altar gerettet worden.“

Schönheit des Altars mit dunkler Farbschicht übermalt

Damit begann ein langer Leidensweg des wertvollen Altars, dessen Bauzeit in den Jahren 1487 oder 1497 vermutet wird. Auf einen Schlitten geworfen und auf den Dachboden des Lumpziger Pfarrhauses gebracht, war er Schmutz, Regenwasser und Zerstörungen ausgesetzt. Wenn das nicht schon genug gewesen wäre: Der Altar sei mit einer dunklen sepiafarbenen Schicht überzogen worden. Ob es sich dabei um Teer gehandelt hat, kann heute nicht mehr genau gesagt werden, erklärt Andreas Mühle: „Es sollte unkenntlich gemacht werden, dass es sich bei dem Altar um etwas Wertvolles handelt.“

Restaurierter Altar fährt über holprige DDR-Autobahn

Versteckt in einer dunklen Kammer fristete der Altar nun sein finsteres Dasein. Erst zu DDR-Zeiten sei der er wiederentdeckt worden. Auf Initiative des damaligen Pfarrers Martin Zunkel sei der Altar schließlich in Dresden restauriert worden. Die westdeutsche Partnergemeinde aus Stuttgart habe das Blattgold gestiftet. Andreas Mühle kann sich auch noch an die Anekdoten rund um den Altar aus damaliger Zeit erinnern. So soll dieser nach seiner Restaurierung nur mit Stroh und Decken abgedeckt auf einem einfachen Autoanhänger über die holprigen DDR-Autobahnen gefahren worden sein. Doch nach der huckeligen Piste wurde die Kirchgemeinde und zahlreiche Gäste durch den Anblick des wieder strahlenden Kunstwerkes entlohnt. Zur 150-Jahrfeier der Kirche ist der Altar im Jahr 1980 feierlich enthüllt worden, erinnert sich Andreas Mühle: „An das volle Kirchenhaus kann ich mich als Kind noch gut dran erinnern.“

Freie Deutsche Jugend zerstört Kirchenfenster

Doch so feierlich ging es für die Kirche zu DDR-Zeiten nicht immer zu. So seien die Kirchenfenster in den 1960er-Jahren Opfer von Mitgliedern der Freien Deutschen Jugend geworden, die scheinbar nicht mehr viel von Glauben und Religion gehalten haben. Die Fenster im Chorbereich sind damals zerstört worden, konnten aber wiederhergestellt werden. Auch heute noch besticht die Kirche gerade durch ihren Turm, meint Andreas Mühle: „Von dem Turm wurde immer gesagt, dass er an den Wartburgturm erinnert.“ Von der Turmplattform in 25 Metern Höhe gäbe es eine einzigartige Aussicht bis ins Erzgebirge und zum Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Doch die nächsten Jahre sind für die Kirchgemeinde eine große Herausforderung. Zwar sei der Turm in den 1990er-Jahren saniert worden, doch die Fassadensanierung lasse aufgrund fehlender Gelder auf sich warten: „Es geht bei diesen Dimensionen der Kirche immer nur Schritt für Schritt.“