Tegkwitz: Dem Wolf mit der Gans im Maul auf der Spur

Tegkwitz.  Dorfkirchen in der Vorweihnachtszeit: Hinter Gemäuern der Kirchen verbergen sich turbulente Geschichten und Geheimnisse

Marina Mönnich im Chorbereich der Kirche. Es erforderte jahrelange Mühe  den desaströsen Zustand des Kircheninneren zu restaurieren. Das kuriose Wappen mit dem Wolf mit Gans im Maul ist auf dem rechten Kirchenfenster im Kleinen sichtbar.

Marina Mönnich im Chorbereich der Kirche. Es erforderte jahrelange Mühe den desaströsen Zustand des Kircheninneren zu restaurieren. Das kuriose Wappen mit dem Wolf mit Gans im Maul ist auf dem rechten Kirchenfenster im Kleinen sichtbar.

Foto: Philipp Brendel

Die Kirche von Tegkwitz hat in den letzten Jahrzehnten eine wahre Leidensgeschichte hinter sich. Zu DDR-Zeiten zur Ruine verkommen, ist sie in den vergangenen Jahren wieder auferstanden. Einem kuriosen Geheimnis der Kirche sind renommierte Forscher auf die Spur gegangen. Es ist ein Wappen, das einen Wolf mit Gans im Maul zeigt. Dass es sich hierbei wohl nicht um die Weihnachtsgans Auguste handelt, steht schon mal fest.

Wettlauf zur Rettung der Kirche

Die Kirche wie auch die Kirchgemeinde von Tegkwitz sei im Gemeindeverbund etwas Besonderes, sagt Marina Mönnich, Pfarrerin im Pfarrbereich Mehna-Dobitschen: „Tegkwitz ist mit nur 29 Mitgliedern meine kleinste Kirchgemeinde.“ Doch die kleine Gemeinde habe in den letzten Jahren wahrlich Großes auf die Beine gestellt. Zu DDR-Zeiten sei die Kirche derart desolat gewesen, dass das Dach undicht war, es hinein regnete, der Hausschwamm blühte und die barocken Emporen sowie der Kanzelaltar schlimmen Schaden genommen hatten. Im Jahr 1995 habe durch Arbeitseinsätze der Tegkwitzer Einwohner und der Aktion „Wollt ihr, dass eure Kirche einfällt?“ der Wettlauf zur Rettung der Kirche begonnen. Danach konnte Schritt für Schritt ein Etappensieg erreicht werden. In den Jahren 1996 bis 1999 seien dringend notwendige Reparaturen am Dach und den Gewölben durchgeführt worden. 2001 bis 2003 folgte die Neueindeckung des Kirchendachs. Bis 2004 konnten schließlich die barocken Kanzelfiguren und 2010 die krönende Christusfigur restauriert werden. Pfarrerin Marina Mönnich ist froh über die besondere Unterstützung der letzten Jahre: „Alle erdenklichen Fördermittelträger haben sich an der Finanzierung beteiligt, wie etwa das Land Thüringen, die Denkmalpflege sowie die Gemeinde Tegkwitz.“

Tegkwitz als reich frequentierter Wallfahrtsort

Die Ursprünge der Kirche reichten bis ins Jahr 1254 nachweislich zurück. Die Kirche in ihrem heutigen Zustand stamme aus der Zeit um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. So sei der massive und wuchtige Glockenturm bis 1488 entstanden, das Kirchenschiff im gotischen Stil sei bis 1521 angebaut worden. Außergewöhnlich sei ein wundertätiges Marienbild, dass zahlreiche Pilger nach Tegkwitz geführt haben soll. Kaum vorstellbar, dass das heute kleine, verschlafene Tegkwitz vor 500 Jahren ein reich frequentierter Wallfahrtsort gewesen sein soll. Dabei unterscheide sich das Pilgern der damaligen Zeit von der heutigen Pilgerlust und -laune, erklärt Pfarrerin Mönnich: „Früher wurde gepilgert, um für das eigene Seelenheil zu sorgen.“ Heute werde das Pilgern hingegen neu durch die evangelische Kirche entdeckt. So würden Christen den berühmten Jakobsweg entlang wandern, um sich auf das Wesentliche zu besinnen, etwa auf ihren Glauben sowie auf ihre Beziehung zu Gott: „Es gibt ein größeres Bedürfnis nach Spiritualität als in früheren Zeiten, auch bei den evangelischen Christen.“

Der Wolf mit der gerissenen Gans im Maul

Und was hat es nun mit diesem kleinen, unscheinbaren Wappen aus dem Jahr 1521 auf sich? Markus Mock, der sich der Erforschung von mittelalterlichen Glasmalereien verschrieben hat, ist 2016 dem Wappen auf die Spur gegangen. Das Wappen zeige auf der linken Hälfte drei silberne Rosen und auf der rechten Hälfte einen Adler. Über dem Wappen sei schließlich ein Wolf zu erkennen, der eine gerissene Gans im Maul hält. Interessanterweise habe es tatsächlich eine Familie Wolf zu Tegkwitz gegeben. Nicht nur das: Das Wappen weise zudem starke Ähnlichkeiten zu einem Familienwappen einer österreichischen Familie auf, deren Herkunft bis nach Franken nachgewiesen werden kann. Dennoch blieben die Erkenntnisse bruchstückhaft. Welche genaue symbolische Aussage hinter dem Wappen steckt, sei nicht mehr feststellbar.

Neben diesem kuriosen Wappen weist Marina Mönnich auf die besonders schön gearbeiteten Frauenfiguren am Kanzelaltar hin: „Sie symbolisieren die Tugenden wie Glaube, Hoffnung und Liebe.“ Auch die Christusfigur, die den Kanzelaltar krönt, trage eine besondere Symbolik in sich: „Christus hält seine Hand zum Empfang des Segens in den Himmel und leitet diesen an die Menschen weiter. Es ist wie ein Fließen des Segens vom Himmel zur Erde.“