Turnhalle Lindenaustraße bleibt dauerhaft geschlossen

Altenburg.  Kreissportbund übt scharfe Kritik am Fachdienstleiter und wünscht sich andere Planung

Die Turnhalle in der Lindenaustraße 31 soll dauerhaft geschlossen bleiben. Neben einer Abstrichstelle für Corona-Tests sollen dort auch Büros für sechs Mitarbeiter des Gesundheitsamtes eingerichtet werden

Die Turnhalle in der Lindenaustraße 31 soll dauerhaft geschlossen bleiben. Neben einer Abstrichstelle für Corona-Tests sollen dort auch Büros für sechs Mitarbeiter des Gesundheitsamtes eingerichtet werden

Foto: Philipp Brendel

Hendrik Läbe (SPD) fasste seine Kritik am Landratsamt in deutliche Worte. Er habe kein Verständnis dafür, dass die Turnhalle in der Lindenaustraße in Altenburg für den Vereins- und Schulsport dauerhaft geschlossen werde, dazu noch ohne Vorankündigung. Man könnte den zweiten Corona-Abstrichpunkt doch beispielsweise am Medicum einrichten. „Dort sind mehr Parkplätze und die Leute wären raus aus der Innenstadt“, so Läbe auf der jüngsten Sitzung des Kreistags.

Der Nobitzer Bürgermeister äußerte Verständnis, dass die Entscheidung schnell gefällt werden musste. „Aber warum macht man das nicht temporär“, fragte er. Landrat Uwe Melzer (CDU) entgegnete, man müsse das Gesundheitsamt nachhaltig mit Personal stärken, auch über die Corona-Krise hinaus. „Dazu brauche ich die unmittelbare räumliche Nähe“, so der 60-Jährige. Darum plane das Landratsamt in der Turnhalle direkt neben dem Gesundheitsamt sechs Arbeitsplätze, weil die Behörde aus allen Nähten platze.

Scharfe Kritik am Leiter des Fachdienstes

Das rief die Kritik des Kreissportbundes (KSB) auf den Plan. Wegen der Schließung stünden nun rund 450 Sportler aus 25 Gruppen, darunter die Erst- und Zweitklässler der Rahngrundschule, ohne Turnhalle da, sagt Ulf Schnerrer von der Geschäftsstelle des KSB. Der Vorstand des Sportbundes, der 137 Sportvereine mit gut 15.600 Mitgliedern im Landkreis vertritt, habe mit einem Brief an den Landrat deutlich signalisieren wollen, dass man damit nicht einverstanden sei. „Seit längerer Zeit und in zunehmendem Maße wird durch destruktive Entscheidungen in Verbindung mit negativem Auftreten des Ressort-Leiters Sport, Herrn Wenzlau, das Verhältnis zwischen Landratsamt, Sportvereinen und uns, dem KSB, teilweise nachhaltig gestört“, heißt es darin unverblümt.

Beschwerden über Wenzlaus Gebaren kämen nicht allein von Vereinsseite, „sondern auch aus anderen Bereichen der Gesellschaft, bis hin zu Mitarbeitern des Landratsamtes“. Weiter heißt es in dem Brief: „Besonders beschämend ist dabei sein persönliches Auftreten gegenüber Beteiligten. Despotisch und willkürlich werden durch ihn Entscheidungen getroffen, die vorab weder abgesprochen sind, noch Beteiligte informiert wurden oder die sich über geltende Bestimmungen und Vereinbarungen hinwegsetzen.“ Als weitere Beispiele nennt der KSB die nach einer Grundreinigung gesperrte Sporthalle in Wintersdorf und den von Wenzlau 2017 entwickelten Plan, die Halle in der Lindenaustraße zu schließen, um dort Skulpturen des Lindenau-Museums zu lagern.

Die Alternativen sind wenig hilfreich

Zudem habe Bernd Wenzlau für die Wiederöffnung der Sportstätten im Anschluss an den ersten Lockdown von den Vereinen etwa Hygienekonzepte verlangt, die jene beim Gesundheitsamt vorlegen sollten. Dort habe man aber nichts davon gewusst. Ebenfalls kritisiert wird das Auftreten Wenzlaus gegenüber Mitarbeitern des Landessportbunds, welches als „äußerst respektlos“ bezeichnet wird. Der KSB weist darauf hin, dass jene für die Vergabe von Fördermitteln zuständig seien, von denen im vergangenen Jahr allein 82 Vereine des Altenburger Landes fast 94.000 Euro erhalten hätten.

„Der Sport im Kreis fühlt sich – gemessen an seiner Bedeutung und seiner Leistung – nicht ausreichend wertgeschätzt“, so das Fazit der schriftlichen Beschwerde. Inzwischen habe man aus dem Landratsamt mitgeteilt, dass nach Ausweichstandorten für die bisherigen Nutzer der Lindenauhalle gesucht werde, so Schnerrer. „Doch die vorgestellten Alternativen sind keine“, sagt er. So sei es nicht praktikabel, dass rund 100 Patienten, Trainer und Kursleiter jede Woche mit dem Bus zum Klinikum nach Schmölln fahren. Auch solle eine Turnhalle in der Theodor-Neubauer-Straße instand gesetzt werden, was aber mindestens bis 2024 dauern werde.

Entscheidung nicht nachvollziehbar

Die Stadt Altenburg bemühe sich nun wirklich sehr um kurzfristige Alternativen, lobt Ulf Schnerrer. So läuft der Schulsport für die Grundschüler nun am Karolinum, was aber deren Weg verdoppelt habe. „Quintessenz bleibt: Uns fehlt diese Halle“, sagt er. Gerade der Hauptnutzer der Halle in der Lindenaustraße 31, der SV Medizin Altenburg mit rund 920 Mitgliedern, fühle sich vor den Kopf gestoßen. „Warum gerade diese Sporthalle geschlossen werden muss, können wir nicht nachvollziehen“, sagt Schnerrer. Anstatt für viel Geld die seit zehn Jahren leerstehende und denkmalgeschützte Halle in der Neubauerstraße zu sanieren, könnte man den hohen Leerstand an Wohnraum nutzen und dort die Büro-Arbeitsplätze installieren.

Auf Verlangen Hendrik Läbes wird das Thema nächste Woche im Wirtschaftsausschuss auf der Tagesordnung stehen. Der KSB erhoffe sich nicht viel davon, denn „einen gleichwertigen Ersatz gibt es nicht“, so Ulf Schnerrer.